Angelo.
Wie? er widersezt sich? helft ihm, Lucio.
Lucio. Kommt, mein Herr; hey da, Herr, kommt, ein wenig hieher, mein Herr; wie? du kahlköpfichter lügenhafter Schurke; du must um einen Kopf kürzer gemacht werden; gelt, du must? Zeig dein Schelmengesicht, daß du die Kränke kriegest; zeig dein bißiges Schaafs-Gesicht, und laß dich in einer Stunde hängen: Willt du nicht fort?
(Er reißt die Mönchs-Kutte ab, und entdekt den Herzog.)
Herzog.
Du bist der erste Spizbube, der jemals einen Herzog gemacht hat.
Fürs erste, Kerkermeister, laß mich für diese drey wakern Leute
Bürge seyn—Schleicht euch nicht hinweg, junger Herr, denn der
Frater und ihr haben noch ein Wort mit einander zu sprechen; macht
ihn feste.
Lucio.
Das kan noch ärger werden, als hängen.
Herzog (zu Escalus.) Was ihr gesprochen habt, soll vergeben seyn; Sezt euch; wir wollen einen Plaz von diesem Herrn da borgen.
(Zu Angelo.)
Mit eurer Erlaubniß, mein Herr—Hast du Worte, oder Wiz, oder Unverschämtheit, die dir noch Dienste thun können? Wenn du hast, so stüze dich darauf, bis ich meine Erzählung gemacht habe, und halte dann noch aus, wenn du kanst.
Angelo. O mein furchtbarer Fürst, ich müßte schuldiger seyn als meine Schuld, wenn ich hoffen wollte verborgen zu bleiben, da ich merke, daß Euer Durchlaucht, gleich einer unsichtbaren Gottheit, meine Tritte beobachtet hat: Lasset also, Gnädigster Herr, kein längeres Gericht über meine Schande gehalten werden, mein eignes Bekenntniß macht alle Untersuchung überflüssig; ein unmittelbares Urtheil und der Tod, ist alle Gnade, um die ich bitte.
Herzog.
Kommt hieher, Mariane! Sprich, warst du jemals mit diesem
Frauenzimmer verlobt?