Angelo.
Ich war, Gnädigster Herr.

Herzog. So nimm sie hier, und heurathe sie diesen Augenblik; verrichtet ihr die Ceremonie, Pater; wenn sie vorbey ist, so bringt ihn wieder hieher: Geht mit ihm, Kerkermeister.

(Angelo, Mariane, Peter und Kerkermeister gehen ab.)

Fünfte Scene.

Escalus. Gnädigster Herr, ich bin mehr über seine Schande bestürzt, als über die Seltsamkeit der Sache.

Herzog.
Tretet näher, Isabella; euer Frater ist nun euer Fürst, ich war in
jener Person euer getreuer Freund und Rathgeber, und, ohne mein
Herz mit meinem Anzug zu verändern, werde ich allezeit zu euerm
Dienst gewidmet bleiben.

Isabella. O! vergebet mir, mein gnädigster Herr, daß ich, eure Vasallin, eure unerkannte Hoheit beschäftigt und bemühet habe.

Herzog. Es ist euch vergeben, Isabella; und nun, theures Mädchen, lasset mir das gleiche Recht wiederfahren. Ich weiß es, euers Bruders Tod ligt schwer auf euerm Herzen, und ihr werdet euch wundern, warum ich mich begnügt, verborgner Weise seine Rettung zu suchen, und nicht lieber meine verkleidete Macht plözlich zu erkennen gegeben, als ihn so verlohren gehen zu lassen; aber wisset, liebenswürdigstes Geschöpf, daß nichts als die zuschnelle Vollziehung seines Todesurtheils, von der ich dachte, daß sie später erfolgen würde, meinem Vorsaz zuvoreilte; doch Friede sey über ihn! Das Leben ist das Beste, das sich vor keinem Tode mehr fürchten muß; tröstet euch damit; euer Bruder ist glüklich.

Isabella.
Ich thu es, Gnädigster Herr.

Sechste Scene.
(Angelo, Mariane, Peter und Kerkermeister zu den Vorigen.)