Desdemona. Ich versichre dich, ich wollte lieber einen Beutel voll Crusado's verlohren haben. Wenn mein edler Mohr nicht zu vernünftig und zu großmüthig gesinnt wäre, um eifersüchtig zu seyn, so brauchte es nicht mehr, um ihn auf schlimme Gedanken zu bringen.

Aemilia.
Ist er nicht eifersüchtig?

Desdemona. Wer, er? Ich denke, die Sonne, unter der er gebohren ward, zog alle groben Dünste von dieser Art aus ihm.

Aemilia.
Seht, da kommt er.

Desdemona. Ich will izt nicht von ihm ablassen, bis er den Cassio zu sich ruffen läßt—Wie stehts mit euch, mein lieber Gemahl?

Zehnte Scene.
(Othello zu den Vorigen.)

Othello. Wohl, meine liebe Gemahlin—Himmel! wie werd ich an mich halten können!—wie gehts euch, Desdemona? Gebt mir eure Hand; diese Hand ist feucht, Madam. Heiß, heiß, und feucht—eine solche Hand erfordert Eingezogenheit; fasten und beten, viel Casteyung, und geistliche Uebungen; denn es ist ein feuriger, schwizender Teufel hier, der oft rebellisch wird; es ist eine gute Hand, eine freygebige Hand.

Desdemona.
Ihr könnt in der That wohl so sagen; denn es war die Hand die mein
Herz weggab.

Othello. Eine freygebige Hand. In vorigen Zeiten gaben die Hände Herzen; aber unsre neue Heraldik ist Hände ohne Herz.

{ed. * Eine satyrische Anspielung auf die vielen Baronets, welche König Jacob der Erste machte, und die unter andern Vorrechten eine rothe Hand in einem silbernen Feld in den Wappen-Schild ihrer Vorfahren bekamen.}