Desdemona.
Ich verstehe mich nichts hierauf; kommt, wir wollen nun von euerm
Versprechen reden.

Othello.
Was für ein Versprechen, mein Däubchen?

Desdemona.
Ich habe zu Cassio geschikt, daß er kommen und mit euch reden solle.

Othello.
Ich bin mit einem beschwerlichen Schnuppen geplagt; leih mir dein
Schnupftuch!

Desdemona.
Hier, mein Gemahl.

Othello.
Das, so ihr von mir bekommen habt.

Desdemona.
Ich hab es nicht bey mir.

Othello.
Nicht?

Desdemona.
In der That, nicht.

Othello. Das ist ein Fehler. Das nemliche Schnupftuch hatte meine Mutter von einer Zigäunerin, die sich auf die Zauberey verstuhnd, und den Leuten so gar sagen konnte, was sie dachten. Sie sagte ihr, so lange sie es behalten würde, würd' es sie liebenswürdig und ihr das Herz meines Vaters gänzlich eigen machen; wenn sie es aber verlöhre, oder verschenkte, würde sie auf einmal allen Reiz in seinen Augen verliehren, und ihm verhaßt und unerträglich werden. Meine Mutter gab mir's da sie starb und bat mich, wenn ich jemals heurathete, es meinem Weibe zu geben. Ich that es, und ich sag euch, habt Acht darauf.—Bewahrt es, wie euern Augapfel: Es verliehren oder weggeben, wär' ein Unglük, dem kein anders zu vergleichen wäre.