Herzogin.
O schlimm zerstreu'nder Wind des Ungemache!—
O mein verfluchter Schoß, des Todes Bett!
Du hecktest einen Basilisk der Welt,
Des unvermiednes Auge mördrisch ist.

Stanley.
Kommt, Fürstin, kommt! Ich ward in Eil' gesandt.

Anna.
Mit höchster Abgeneigtheit will ich gehn.—
O wollte Gott, es wär' der Zirkelreif
Von Gold, der meine Stirn umschließen soll,
Rotglühnder Stahl und sengte mein Gehirn!
Mag tödlich Gift mich salben, daß ich sterbe,
Eh' wer kann rufen: Heil der Königin!

Elisabeth.
Geh, arme Seel', ich neide nicht dein Glück;
Mir zu willfahren, wünsche dir kein Leid.

Anna.
Wie sollt' ich nicht? Als er, mein Gatte jetzt,
Hinzutrat, wie ich Heinrichs Leiche folgte,
Als er die Hände kaum vom Blut gewaschen,
Das dir entfloß, mein erster Engel-Gatte,
Und jenem toten Heil’gen, den ich weinte;
Oh, als ich da in Richards Antlitz schaute,
War dies mein Wunsch: Sei du, sprach ich, verflucht,
Der mich, so jung, so alt als Witwe macht!
Und wenn du freist, umlagre Gram dein Bett,
Und sei dein Weib (ist eine so verrückt)
Elender durch dein Leben, als du mich
Durch meines teuren Gatten Tod gemacht!
Und sieh, eh' ich den Fluch kann wiederholen,
In solcher Schnelle ward mein Weiberherz
Gröblich bestrickt von seinen Honigworten
Und unterwürfig meinem eignen Fluch,
Der stets seitdem mein Auge wach erhielt:
Denn niemals eine Stund' in seinem Bett
Genoß ich noch den goldnen Tau des Schlafe,
Daß seine bangen Träume nicht mich schreckten.
Auch haßt er mich um meinen Vater Warwick
Und wird mich sicherlich in kurzem los.

Elisabeth.
Leb wohl, du armes Herz! Mich dau'rt dein Klagen.

Anna. Nicht mehr, als Eur's mich in der Seele schmerzt.

Dorset.
Leb wohl, die du mit Weh die Hoheit grüßest!

Anna.
Leb, arme Seele, wohl, die von ihr scheidet!

Herzogin (zu Dorset).
Geh du zu Richmond: gutes Glück geleite dich!—