Lucius.
Wir sind immer davon überzeugt gewesen.
Apemanthus.
Ho, ho, überzeugt gewesen? Daß ihr gehangen wär't!
Timon.
Ha, Apemanthus! Ihr seyd willkommen.
Apemanthus. Ich will es aber nicht seyn; ich komme nur, daß du mich zur Thüre hinausstossest.
Timon. Pfui, wie grob du bist! Ihr habt da einen Humor angenommen, der einem Mann nicht gut läßt; es ist gar nicht hübsch. Man sagt sonst, meine Herren, (ira furor brevis est), aber dieser Mann dort ist immer entrüstet.
Apemanthus.
Laß mich auf deine Gefahr da bleiben, Timon; ich komme,
Beobachtungen zu machen, ich will dich gewarnt haben.
Timon. Und ich gebe dir keine Acht; du bist ein Athenienser, und also willkommen; ich möchte für mich selbst kein Vermögen haben—Ich bitte dich, laß meine Schüsseln dich zum Stillschweigen bringen.
Apemanthus. Ich verschmähe deine Schüsseln; ich wollt' eher dran erworgen, eh ich dir jemals schmeicheln wollte. O ihr Götter, wieviel Leute essen den Timon, und er sieht sie nicht! Es schmerzt mich, ihrer so viele zu sehen, die ihren Bissen in eines einzigen Mannes Blut tauchen; und das unsinnigste ist, daß er sie noch dazu aufmuntert. Mich wundert nur, daß es Menschen giebt, die sich bey andern Menschen sicher halten. Sie sollten einander ohne Messer einladen, es wäre gut für ihre Schüsseln, und sichrer für ihr Leben. An Beyspielen fehlt es nicht; der Bursche, zum Exempel, der hier zu nächst an ihm sizt, das Brodt mit ihm theilt, und thut als ob er auch den Athem mit ihm theilen wollte, ist alle Augenblike bereitwillig, ihm einen Dolch in das Herz zu stossen. Es sind Beweise davon da. Wär' ich ein grosser Herr, ich hätte das Herz nicht zu trinken, aus Furcht, sie möchten ausspähen, wo sie meiner Luftröhre am besten beykommen könnten; grosse Herren sollten nicht anders trinken, als mit einem Harnisch um ihre Gurgel.
Timon (indem er dem Lucullus zutrinkt.)
Milord, von Herzen; laßt die Gesundheit herumgehen.
Lucullus.
Laßt sie diesen Weg gehen, mein werthester Lord.