(Inspicere tanquam in speculum jubeo)— (Terent.)
Zweyte Scene.
(Trompeten. Timon tritt auf, und wendet sich auf eine leutselige
Art an die verschiednen Personen, die ihm die Aufwartung machen.)
Timon (zu einem Boten.)
Er sizt im Gefängniß, sagt ihr?
Bote. Ja, gnädiger Herr; Seine Schulden belauffen sich auf fünf Talente, seine Mittel sind sehr knapp, seine Glaubiger sehr dringend; er bittet euch, an diejenige, die ihn eingesezt haben, zu seinem Behuf zu schreiben, und würde ohne allen Trost seyn, wenn ihr ihm diese Gunst versagen würdet.
Timon. Der edle Ventidius! Gut! Ich bin nicht von der Art, meinen Freund zu verlassen, wenn er meiner am meisten nöthig hat. Ich weiß, er ist ein Edelmann, der wohl verdient, daß man ihm aushelfe; ich will es thun, ich will die Schuld bezahlen, und ihn befreyen.
Bote.
Euer Gnaden verpflichtet sich ihn auf ewig.
Timon. Empfehlt mich ihm; ich will ihm seine Ranzion schiken, und ihn, wenn er wieder frey seyn wird, zu mir einladen. Es ist nicht genug, dem Schwachen aufzuhelfen, man muß ihm auch den Arm zum Gehen leyhen. Lebt wohl.
Bote.
Ich wünsche Euer Gnaden tausend Wohlergehen.
(Geht ab.)
(Ein alter Athenienser tritt auf.)