Zweyten Scene. (so gleich wieder geschieden, welche ihren ungesitteten Oheim unter den bittersten Vorwürfen aus ihren Augen gehen heißt, den vermeynten Cäsario aber aufs zärtlichste zu besänftigen sucht, und zu sich in ihr Haus nöthiget. Sebastiano weiß nun vollends nicht mehr, in was für einer Welt er ist. Was bedeutet alles diß, ruft er aus, entweder hab ich den Verstand verlohren, oder das alles ist ein Traum. O wenn es ein Traum ist, so laßt die Phantasie meine Sinnen immer in Lethe tauchen, so laßt mich nie von diesem Traum erwachen. Nun, sagt Olivia, komm, ich bitte dich; ich wollte du liessest dich von mir regieren; von Herzen gerne, antwortet Sebastian, und so gehen sie in bester Eintracht mit einander ab.)
Dritte Scene.
(Ein Zimmer in Olivias Haus.)
(Maria und Hans Wurst.)
Maria.
Ich bitte dich, mache hurtig, zieh diesen Priesterrok an, und binde
dir diesen Bart um; wir wollen ihn bereden du seyest Sir Topas der
Pfarrer; beschleunige dich; ich will indeß den Sir Tobias ruffen.
(Sie geht ab.)
Hans Wurst. Gut, ich will's thun, ich will mich verkleiden, und ich wollte wünschen, ich wäre der erste der sich in einen solchen Rok verkleidete. Ich bin nicht lang genug, um eine ansehnliche Person in diesem Habit vorzustellen, noch mager genug, um die Meynung von mir zu erweken, daß ich zuviel studiere; allein, ein ehrlicher Mann und ein guter Haushälter seyn, klingt immer so gut als ein hübscher Mann und ein grosser Gelehrter seyn. (Sir Tobias und Maria.)
Sir Tobias.
Die Götter seyen mit dir, Herr Pfarrer.
Hans Wurst. (Bonos Dies), Sir Tobias; denn wie der alte Einsiedler von Prag, der in seinem Leben weder Feder noch Dinte gesehen hatte, sehr sinnreich zu König Gorboduks Nichte sagte, daß nemlich alles was ist, ist: Also, da ich der Herr Pfarrer bin, bin ich der Herr Pfarrer; denn was ist was anders als was? Und ist anders als ist?
Sir Tobias.
Zu euerm Patienten, Herr Pfarrer.
Hans Wurst.
Wie, holla, sag ich—Stille da, in diesem Kerker!
Malvolio (hinter der Bühne.)
Wer ruft hier?