Corinnus. Herr, ich bin ein ehrlicher Tagelöhner; ich verdiene, was ich esse, erwerbe, was ich trage, hasse keinen Menschen, beneide niemandes Glück, freue mich über andrer Leute Wohlergehn, bin zufrieden mit meinem Ungemach, und mein größter Stolz ist, meine Schafe weiden und meine Lämmer saugen zu sehn.
Probstein. Das ist wieder eine einfältige Sünde von Euch, daß Ihr die Schafe und die Böcke zusammenbringt und Euch nicht schämt, von der Begattung des Viehes Euren Unterhalt zu ziehn; daß ihr den Kuppler für einen Leithammel macht und so ein jähriges Lamm einem schiefbeinigen alten Hahnrei von Widder überantwortet gegen alle Regeln des Ehestandes. Wenn du dafür nicht in die Hölle kommst, so will der Teufel selbst keine Schäfer; sonst sehe ich nicht, wie du entwischen könntest.
Corinnus.
Hier kommt der junge Herr Ganymed, meiner neuen Herrschaft Bruder.
(Rosalinde kommt mit einem Blatt Papier.)
Rosalinde (liest).
"Von Ost bis West, in beiden Inden
Ist kein Juwel gleich Rosalinden;
Ihr Wert, beflügelt von den Winden,
Trägt durch die Welt hin Rosalinden.
Alle Schilderein erblinden
Bei dem Glanz von Rosalinden;
Keinen Reiz soll man verkünden
Als den Reiz von Rosalinden."
Probstein.
So will ich Euch acht Jahre hintereinander reimen, Essens- und
Schlafenszeit ausgenommen; es ist der wahre Butterfrauentrab, wenn
sie zu Markte gehn.
Rosalinde.
Fort mit dir, Narr!
Probstein.
Zur Probe: Sehnt der Hirsch sich nach den Hinden:
Laßt ihn suchen Rosalinden.
Will die Katze sich verbinden:
Glaubt, sie macht's gleich Rosalinden.
Reben müssen Bäum umwinden:
So tut's nötig Rosalinden.
Wer da mäht, muß Garben binden
Auf den Karrn mit Rosalinden.
Süße Nuß hat saure Rinden;
Solche Nuß gleicht Rosalinden.
Wer süße Rosen sucht, muß finden
Der Liebe Dorn und Rosalinden. Das ist der eigentliche falsche
Versgalopp. Warum behängt Ihr Euch mit ihnen?
Rosalinde.
Still, dummer Narr! Ich fand sie an einem Baum.
Probstein.
Wahrhaftig, der Baum trägt schlechte Früchte.