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Dietmar von Eist: Der Falke.
Es stand eine Frau alleine
Und blickte über die Heide,
Blickt’ aus nach ihrem Lieben.
Einen Falken sah sie fliegen:
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“Wie glücklich, Falke, du doch bist!
Du fliegst, wohin dir’s lieb ist.
Du erwählest in dem Walde
Einen Baum dir nach Gefallen.
Also hab’ auch ich getan:
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Ich selbst erwählte mir den Mann,
Der wohlgefiel den Augen;
Das neiden andre Frauen.
Ach, liessen sie mir doch mein Lieb,
Da mich zu ihren Trauten nie Verlangen trieb!”
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Dietmar von Eist: Tagelied.
“Schläfst du, holder Liebling du?
Man weckt uns, ach, nach kurzer Ruh’:
Schon hört’ ich, wie mit schönem Sang
Ein Vöglein auf der Linde Zweig sich schwang.”
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“Von Schlafes Hülle sanft bedeckt,
Werd’ ich durch dein ‘Wach auf!’ geschreckt:
So folgt auf Liebes stets das Leid;
Doch, was du auch befiehlst, ich bin bereit.”
Aus ihrem Äug’ die Träne rann:
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“Du gehst, verlassen bin ich dann.
Wann kehrst du wieder her zu mir?
Ach, meine Freude führst du fort mit dir.”
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Heinrich von Veldeke: Vogelsang.
So in den Aprillen
Die Blumen entspringen,
Sich lauben die Linden
Und grünen die Buchen,
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So mögen nach Willen
Die Vögelein singen.
Denn Minne sie finden,
Allda sie sie suchen,
Bei ihrem Genoss. Ihr Frohsinn ist gross;
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Des nie mich verdross.
Denn sie schwiegen all den Winter stille.
Da sie an dem Reise
Die Blumen sahn prangen
Und Blätter entspringen,
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Da hörte man schöne
Oft wechselnde Weise,
Wie vordem sie sangen.
Sie hoben ihr Singen
Mit lautem Getöne
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Niedrig und hoch. Mein Sinn steht also:
Bin heiter und froh.
Recht ist’s, dass ich laut mein Glück preise.
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Reinmar der Alte: Glücksverkündigung.
Froh bin ich der Märe,
Die ich hab’ vernommen,
Dass des Winters Schwere
Will zu Ende kommen.
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Kaum erwart’ ich noch die Zeit,
Denn ich hatte nichts als Leid,
Seit die Welt rings war verschneit.
Hassen wird mich keiner,
Wenn ich fröhlich bin;
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Weiss Gott! tät’ es einer,
Wär’s verkehrter Sinn.
Niemand ich ja schaden kann.
Wenn sie Gutes mir tut an,
Was geht’s einen andern an?
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Sollt’ ich meine Liebe
Bergen und verhehln,
Müsst’ ich ja zum Diebe
Werden und gar stehln.
Nein, das kommt mir nicht zu Sinn,
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Weil ich gar zu fröhlich bin,
Geh’ ich hier, geh’ dort ich hin.
Spielt sie mit dem Balle,
In der Mägdlein Chor:
Dass sie nur nicht falle,
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Da sei Gott davor!
Mädchen, lasst eu’r Drängen sein!
Stosset ihr mein Mägdelein,
Halb dann ist der Schade mein.
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Friedrich von Hausen: Zwiespalt.
Es will mein Herze und mein Leib sich scheiden;
So lange waren innig sie gesellt!
Mein Leib will einzig kämpfen mit den Heiden,
Doch hat mein Herz ein andres sich erwählt
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Vor aller Welt. Wie quält es mich so sehr,
Dass Herz und Leib sich nicht mehr folgen beide!
Viel taten meine Augen mir zu Leide.
Entscheiden kann den Streit allein der Herr.
Von solchen Nöten glaubt’ ich mich errettet,
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Da ich das Kreuz annahm zur Ehr’ des Herrn,
Mein Herze enger nur mit mir verkettet;
Doch bleibt beständig es in weiter Fern.
Welch reiches Leben sollte mir erstehn,
Liess fahren nur mein Herz sein töricht Streben.
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Doch fragt es, merk’ ich, nichts nach meinem Leben,
Und wie es mir am Ende soll ergehn.
Doch, da ich, Herz, es nimmermehr kann wenden,
Dass du mich traurig lässt und einsam hier,
So bitt’ ich Gott, dass er dich wolle senden,
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Dahin, wo man sich freundlich neiget dir.
O weh! Wie wird sich enden doch dein Wahn!
Wie durftest du entfliehen meinen Händen?
Wer soll dir deinen Kummer helfen enden
So treulich, wie ich sonst es hab’ getan?
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Spervogel: Weibes Tugend.
Ob auch ein reines Weib nicht reiche Kleidung trägt,
Doch kleidet ihre Tugend sie, wer’s recht erwägt,
Dass sie so schön geblümet geht,
So wie die lichte Sonne steht
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An einem Tag mit vollem Glanz,
Erstrahlend hell und reine.—
So viel die Falsche sich mit Kleidern schmückt,
Ihre Ehre bleibt doch kleine.
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Spervogel: Priamel.[1]
Wer einen Freund will suchen,
Wo er niemand traut,
Und spürt des Wildes Fährte,
Wenn der Schnee schon taut,
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Kauft ungesehn der Ware viel,
Und hält noch aufgegebenes Spiel,
Und dient nur bei geringem Mann,
Wo ohne Lohn er bleibet:
Den wird es einmal noch gereun,
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Wenn er’s zu lange treibet.
[1.]
From Latin praeambulum; a gleeman’s ‘prelude.’
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The greatest of medieval lyrists. He was an Austrian, of knightly rank but poor, and was born about 1170. He led a wandering life, visiting many courts, taking a deep interest in public affairs and distinguishing himself by his matchless songs and Sprüche. In 1215 Emperor Friedrich II gave him a small estate near Würzburg. He died about 1230.
There are many translations of Walter, the best being by Simrock (1832), Panier (1878), Kleber (1894), and Eigenbrodt (1898). The translations below are from the sumptuous work of J. Nickol, Düsseldorf, 1904, which is itself eclectic and aims to give, for each poem, the best translation that could be found. No. 1 is by Pfaff, No. 2 by Simrock, 3 by Eigenbrodt, 4, 5, 6, 10 by Nickol, 7, 9, 11 by Panier, 8, 12 by Kleber.