| 4 Das Tröstelein In einem zweifelvollen Wahn War ich gesessen und gedachte Zu lassen ihren Dienst fortan, Als mich ein Trost ihr wiederbrachte. Trost mag es wohl nicht heissen, denn zur Stund’ Ist es ja kaum ein kleines Tröstelein, So klein, wenn ich’s euch sag’, ihr spottet mein. Doch Freude ist erlaubt auch aus geringem Grund. Mich hat ein Halm gemachet froh, Der sagt, ich solle Gnade finden. Ich mass dasselbe kleine Stroh, Wie ich zuvor es sah bei Kinden. Nun höret denn und merket wohl, ob sie es tu’: “Sie tut, tut’s nicht, sie tut, tut’s nicht, sie tut.” Wie oft ich mass, so war noch je das Ende gut. Das tröstet mich, doch da gehöret Glaube zu. Wie lieb sie mir von Herzen sei, So kann ich es gar wohl noch leiden, Zählt sie mich nur den Besten bei; Ich darf ihr Werben ihr nicht neiden. Wie ich es kann erkennen, glaub’ ich nicht, Dass sie ein andrer wankend machen möge; Ich wollte, die Getäuschten sähn, dass Wahn sie tröge, Denn allzulange schon hört sie auf jeden Wicht. |
| 6 Doppelzüngigkeit.[1] Gott gibt zum König, wen er will; Darüber wundr’ ich mich nicht viel: Uns Laien wundert nur der Pfaffen Lehre, Was sie gelehrt vor wenig Tagen, Dass woll’n sie heut schon anders sagen. Nun denn, bei Gott und eurer eignen Ehre, So sagt uns denn in Treue, Mit welcher Red’ ihr uns betrogen. Erkläret uns die eine recht von Grunde, Die alte oder neue. Uns dünket, eines sei gelogen; Zwei Zungen stehen schlecht in einem Munde. |
| 8 Das Lehen. Ich hab’ ein Lehen, alle Welt, ich hab’ ein Lehen! Jetzt fürcht’ ich weder mehr den Hornung an den Zehen, Noch will die bösen Herrn um ihre Gunst ich flehen. Der edle Herr, der milde Herr hat mich beraten, Dass ich im Sommer Luft, im Winter Wärme haben kann. Die Nachbarn sehn mich jetzt mit andern Augen an, Sie sehn nicht mehr den Butzemann in mir, wie sie es taten. Zu lange war ich arm, das weiss ich keinem Dank; Ich war so voll des Scheltens, dass mein Atem stank. Den hat der König rein gemacht, dazu auch meinen Sang. |
| 10 Die drei Dinge. Ich sass auf einem Steine Und deckte Bein mit Beine. Darauf setzt’ ich den Ellenbogen; Ich hatt’ in meine Hand gezogen 5 Das Kinn und eine Wange. Da dachte ich gar bange, Wie man auf Erden sollte leben; Doch keinen Rat konnt’ ich mir geben, Wie man drei Ding’ erwürbe, 10 Dass keins davon verdürbe. Die zwei sind Ehr’ und fahrend Gut, Das oft einander Schaden tut; Das dritt’ ist Gottes Segen, Daran ist mehr gelegen. 15 Die wünscht’ ich gern in einen Schrein. Ja, leider mag das nimmer sein, Dass Gut und weltlich’ Ehre Und Gottes Huld, die hehre, Je wieder in Ein Herze kommen. 20 Ihnen ist Weg und Steg benommen: Untreue liegt im Hinterhalt, Und auf der Strasse fährt Gewalt; Friede und Recht sind beide wund, Die dreie finden kein Geleit, die zwei denn werden erst gesund. |