11 Abschied von der Welt. Frau Welt, Ihr sollt dem Wirte sagen, Dass ich ihn ganz bezahlet habe; All meine Schuld sei abgetragen, Dass er mich aus dem Schuldbrief schabe. 5 Wer ihm was soll, der mag wohl sorgen; Eh’ ich ihm lange schuldig blieb, eh’r wollt’ ich bei den Juden borgen. Er schweiget bis auf einen Tag, Dann aber nimmt er sich ein Pfand, wenn jener nicht bezahlen mag.
Elegie. O weh, wohin entschwunden sind alle meine Jahr! Ist mir mein Leben geträumet, oder ist es wahr? Was ich je wirklich wähnte, war’s nur ein Traumgesicht? So hab’ ich denn geschlafen, und ich weiss es nicht! 5 Jetzt bin ich erwacht, und ist mir unbekannt, Was mir vordem war kundig, wie meine rechte Hand. Leut’ und Land, da ich von Kindheit an erzogen, Die sind mir fremd geworden, als ob es sei erlogen; Die mir Gespielen waren, die sind träg’ und alt, 10 Geackert ist das Feld, gehauen ist der Wald. Wenn nicht das Wasser flösse, wie es weiland floss, Fürwahr, ich wähnte, mein Unglück es wär’ gross. So kalt grüsst jetzt mich mancher, der einst mich wohl gekannt; Voll Not und Trübsal ist die Welt in Stadt und Land. 15 So ich gedenk’ an manchen wonniglichen Tag, Die sind mir entfallen, recht wie ins Meer ein Schlag. Immermehr o weh! O weh, wie jämmerlich doch junges Volk jetzt tut, Dem ehmals nie verzagte in der Brust der Mut! 20 Die tragen sich mit Sorgen, weh, was tun sie so! Wohin ich immer blicke, keinen seh’ ich froh. Tanzen, Lachen, Singen, vergeht vor Sorgen gar; Nie sah man unter Christen so jämmerliche Schar. Seht nur der Frauen Schmuck, der einst so zierlich stand; 25 Die stolzen Ritter tragen bäurisches Gewand. Uns sind ungnädige Briefe[2] her von Rom gekommen; Uns ist erlaubt zu trauern, und Freude gar benommen. Das schmerzt mich tief im Herzen—wir lebten einst so wohl— Dass ich nun für mein Lachen Weinen tauschen soll. 30 Die Vöglein in dem Walde betrübet unsre Klage, Was Wunder, wenn auch ich darüber schier verzage? Doch, ach, was sprech’ ich Tor in meinem sündigen Zorn? Wer dieser Wonne folget, der hat jene dort verlorn. Immermehr o weh! 35 O weh, wie ward uns Gift mit Süssigkeit gegeben! Die Galle seh’ ich mitten in dem Honig schweben. Die Welt ist aussen lieblich, weiss und grün und rot, Doch innen schwarzer Farbe, finster wie der Tod. Wen sie verleitet habe, der suche Trost bei Zeit; 40 Er wird mit leichter Busse von schwerer Schuld befreit. Daran gedenket, Ritter, es ist euer Ding! Ihr tragt die lichten Helme und manchen harten Ring, Dazu die festen Schilde und das geweihte Schwert; Wollte Gott, ich wäre für ihn zu streiten wert! 45 So wollt’ ich armer Mann verdienen reichen Sold; Nicht mein’ ich Hufen Landes, noch der Herren Gold. Ich möchte jene ewigliche Krone tragen, Ein Söldner könnte sie wohl mit seinem Speer erjagen. Könnt’ ich die teure Reise fahren über See, 50 So wollt’ ich wieder singen “wohl” und nimmermehr “o weh,” Nimmermehr o weh! [1.] Pope Innocent III was at first a partisan of Otto the Saxon and consecrated him as emperor. But when Otto invaded Italy in 1210 the Pope turned against him and excommunicated him. [2.] The pope’s excommunication of Emperor Friedrich II, in September, 1228.

[ XXII. HEINRICH VON VELDEKE’S ENEID]

A Low German poem of 13,528 verses, completed between 1184 and 1190. Its author was a Netherlander of knightly rank who finished his poem in Thuringia and was regarded by his successors as the father of the riming love-romance. His chief source was an Old French Roman d’Enéas, but he dealt very freely with his French text, omitting much, adding much and making some use, possibly, of the Latin original.

Lines 1450-1534: The love-smitten Dido confides in her sister Anna.

1450

Sie ging in ihre Kemenate,

Wo ihre Frauen lagen.

Als die sie kommen sahen,

Waren sie all’ in Sorgen: