[ LI. PAUL FLEMING]
1609-1640. Fleming was a gifted lyric poet of the Opitzian era. A Saxon by birth, he studied medicine at Leipzig, where he learned to admire Opitz. Five years of his short life were spent in connection with an embassy of the Duke of Holstein to Russia and Persia. His best work is found in the poems, more especially the sonnets, which he wrote during this long absence from the fatherland. The selections follow Tittmann’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.
| 1 An einen guten Freund. Lass der Zeit nur ihren Willen Und vergönn’ ihr ihren Lauf; Sie wird sich selbst müssen stillen, Wenn wir nichts nicht geben drauf. 5 Meistes Elend wird verschmerzet, Wenn mans nicht zu sehr beherzet. Ist es heute trübes Wetter, Morgen wird es heiter sein; Stimmen doch die grossen Götter 10 Stets an Lust nicht überein. Und wer weiss, wie lang er bleibet, Der uns itzo so vertreibet.[1] Ob die Sonne gehet nieder Und den Erdkreiss traurig macht, 15 Doch so kömt sie fröhlich wieder Nach der überstandnen Nacht. Herrschen itzund Frost und Winde, Balde wird es sein gelinde. Unterdessen sei der Deine, 20 Brich nicht ab der ersten Kost[2]; Labe dich mit altem Weine Und versuch den jungen Most. Lass uns einen Rausch noch kaufen, Ehe denn wir müssen laufen. |
[1.] Lines 11-12 allude, probably, to the occupation of Leipzig by imperial troops in 1632.
[2.] Der ersten Kost, ‘your previous fare.’ Abbrechen with dative = Abbruch tun, verkürzen, vermindern.
| 2 An Basilenen[3]: Nachdem er von ihr gereiset war. Ist mein Glücke gleich gesonnen, Mich zu führen weit von dir, O du Sonne meiner Wonnen, So verbleibst du doch in mir. 5 Du in mir und ich in dir Sind beisammen für und für. Künftig werd’ ich ganz nicht scheuen, Kaspis, deine fremde Flut, Und die öden Wüsteneien, 10 Da man nichts als fürchten thut. Auch das Wilde macht mir zahm, Liebste, dein gelobter Nam’. Überstehe diese Stunden, Schwester, und sei unverwant. 15 Ich verbleibe dir verbunden, Und du bist mein festes Band. Meines Herzens Trost bist du, Und mein Herze selbst darzu. Ihr, ihr Träume, solt indessen, 20 Unter uns das Beste thun. Kein Schlaf, der sol ihr vergessen, Ohne mich sol sie nicht ruhn, Dass die süsse Nacht ersetzt, Was der trübe Tag verletzt. 25 Lebe, meines Lebens Leben, Stirb nicht, meines Todes Tod, Dass wir uns uns wiedergeben, Abgethan von aller Noth. Sei gegrüsst, bald Trost, itzt Qual, 30 Tausend, tausend, tausendmal! |
[3.] While sojourning in Reval, on his way to Asia, Fleming fell in love with Elsabe Niehusen, but later transferred his affections to her sister Anna. Basilene is one of several poetic names for Elsabe.
| 3 Inter Brachia Salvatoris.[4] Des Donners wilder Plitz schlug von sich manchen Stoss, Das feige Volk stund blass, das scheuche Wild erzittert’ Vom Schmettern dieses Knalls. Die Erde ward erschüttert. Mein Fuss sank unter sich, der Grund war bodenlos. Die Gruft, die fiel ihr nach,[5] schlung mich in ihren Schoss. Ich gab mich in die See, in der es grausam wittert’ Der Sturm flog klippenhoch. Mein Schiff, das ward gesplittert, Ward leck, ward Anker[6] quit, ward Mast[6] und Segel[6] bloss. Vor, um und hinter mir war nichts als eine Noth; Von oben Untergang, von unten auf der Tod, Es war kein Muttermensch, der mit mir hatt’ Erbarmen. Ich aber war mir gleich, zum Leben frisch und froh, Zum Sterben auch nicht faul auf[7] wenn und wie und wo, Denn mein Erlöser trug mich allzeit auf den Armen. |
[4.] The sonnet is reminiscent of a shipwreck in the Caspian Sea, November 15, 1636; the title from St. Augustine’s inter brachia salvatoris mei et vivere volo et mori cupio.
[5.] Fiel ihr nach, ‘gave way’ (ihr reflexive).