[6.] Anker, Mast, Segel; all genitive.

[7.] Faul auf, ‘hesitating over.’

4 Über Herrn Martin Opitzen auf Boberfeld sein Ableben. So zeuch auch du denn hin in dein Elyserfeld, Du Pindar, du Homer, du Maro unsrer Zeiten, Und untermenge dich mit diesen grossen Leuten, Die ganz in deinen Geist sich hatten hier verstellt. Zeuch jenen Helden zu, du jenen gleicher Held, Der itzt nichts Gleiches hat, du Herzog deutscher Seiten, O Erbe durch dich selbst der steten Ewigkeiten, O ewiglicher Schatz und auch Verlust der Welt! Germanie ist tod, die herrliche, die freie, Ein Grab verdecket sie und ihre ganze Treue. Die Mutter, die ist hin, hier liegt nun auch ihr Sohn, Ihr Recher und sein Arm. Lasst, lasst nur alles bleiben, Ihr, die ihr übrig seid, und macht euch nur davon, Die Welt hat wahrlich mehr nichts Würdigs zu beschreiben.

[ LII. FRIEDRICH VON LOGAU]

An eminent writer of reflective, critical, and epigrammatic verse (1604-1655). He was born in Silesia and spent the most of his life at Brieg, where he was sometime ducal councillor. In 1654 he published Salomon von Golaws deutscher Sinngetichte drei Tausend, the name Golaw being a disguise of Logau. They vary in length from a couplet to a hundred lines or more, and disclose in the aggregate a virile and interesting personality. The text follows Eitner’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.

1 Das Beste der Welt. Weistu, was in dieser Welt Mir am meisten wolgefällt? Dass die Zeit sich selbst verzehret, Und die Welt nicht ewig währet. 2 Die unartige Zeit. Die Alten konnten fröhlich singen Von tapfern deutschen Heldensdingen, Die ihre Väter ausgeübet: Wo Gott noch uns ja Kinder gibet, 5 Die werden unsser Zeit Beginnen Beheulen, nicht besingen können. 3 Geduld. Leichter träget, was er träget, Wer Geduld zur Bürde leget. 4 Adel. Hoher Stamm und alte Väter Machen wohl ein gross Geschrei; Moses aber ist Verräther, Dass dein Ursprung Erde sei. 5 Gunst für Recht. Kein Corpus juris darf[13] man nicht, Wo Gunst und Ungunst Urtel spricht. [1.] darf = bedarf. 6 Theure Ruh.[2] Deutschland gab fünf Millionen, Schweden reichlich zu belohnen, Dass sie uns zu Bettlern machten, Weil sie hoch dies Mühen achten. 5 Nun sie sich zur Ruh gegeben Und von Unsrem dennoch leben, Muss man doch bei vielen Malen Höher noch die Ruh bezahlen.

[2.] The Treaty of Westfalia gave the Swedes a war indemnity of 5,000,000 talers, but they afterwards demanded and received 200,000 more.

7 Der Glaubensstreit. Luthrisch, Päbstisch und Calvinisch—diese Glauben alle drei Sind vorhanden; doch ist Zweifel, wo das Christentum dann sei. 8 Ein unruhig Gemüthe. Ein Mühlstein und ein Menschenherz wird stets herumgetrieben; Wo beides nicht zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben. 9 Weiberverheiss. Wer einen Aal beim Schwanz und Weiber fasst bei Worten, Wie feste der gleich hält, hat nichts an beiden Orten. 10 Zweifüssige Esel. Dass ein Esel hat gespracht, warum wundert man sich doch? Geh aufs Dorf, geh auf den Markt: o sie reden heute noch. 11 Die deutsche Sprache. Deutsche mühen sich jetzt hoch, deutsch zu reden fein und rein; Wer von Herzen redet deutsch, wird der beste Deutsche sein. 12 Göttliche Rache. Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein; Ob aus Langmuth er sich säumet, bringt mit Schärf’ er alles ein. 13 Franzosenfolge. Narrenkappen sam[3] den Schellen, wenn ich ein Franzose wär’, Wollt’ ich tragen; denn die Deutschen gingen stracks wie ich so her. [3.] Sam = zusammen mit. 14 Dreierlei Glauben. Der Papst der will durch Thun, Calvin wil durch Verstehn, In den Himmel aber wil durch Glauben Luther gehn. 15 Drei Fakultäten. Juristen, Ärzte, Prediger sind alle drei beflissen, Die Leute zu purgieren[4] wol am Säckel, Leib, Gewissen. [4.] Purgieren, ‘purge,’ ‘clean out.’
16 Verwandelung. Dass aus Menschen werden Wölfe,[5] bringt zu glauben nicht Beschwerden; Siht man nicht, dass aus den Deutschen dieser Zeit Franzosen werden? [5.] Wölfe, in allusion to the superstition of the man-wolf (werewolf, lycanthropus).
17 Das Hausleben. Ist Glücke wo und was, so halt’ ich mir für Glücke, Wann ich mein eigen bin, dass ich kein dienstbar Ohr Um weg verkaufte Pflicht[6] darf recken hoch empor Und horchen auf Befehl. Dass mich der Neid berücke, 5 Da bin ich sorgenlos. Die schmale Stürzebrücke,[7] Darauf nach Gunst man zeucht, die bringt mir nicht Gefahr; Ich stehe, wo ich steh’, und bleibe, wo ich war. Der Ehre scheinlich[8] Gift, des Hofes Meisterstücke, Was gehen die mich an? Gut, dass mir das Vergnügen 10 Für grosse Würde gilt; mir ist ja noch so wol, Als dem der Wanst zerschwillt,[9] die weil er Hoffahrt voll. Wer biegen sich nicht kan, bleibt, wann er fället, liegen. Nach Purpur tracht’ ich nicht; ich nehme weit dafür,[10] Wann Gott ich leben kan, dem Nächsten und auch mir. [6.] Um . . . Pflicht, ‘in venal service.’ [7.] Stürzebrücke = Fallbrücke. [8.] Scheinlich, ‘glittering.’ [9.] Zerschwillt = schwellend zerplatzt. [10.] Nehme dafür = ziehe vor.