[ LV. PAUL GERHARDT]

1607-1676. Gerhardt was a Lutheran pastor who is preëminent as a writer of hymns for worship. His psalmody has less of the militant spirit than Luther’s, his voice being the voice of German Protestantism as chastened by the terrible sufferings of the great war. The selections follow Wolff’s edition in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 31.

1 Befiehl dem Herrn deine Wege. Befiehl du deine Wege, Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Des, der den Himmel lenkt: 5 Der Wolken, Luft und Winden Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuss gehen kann. Dem Herren musst du trauen, 10 Wann dirs soll wohlergehn; Auf sein Werk musst du schauen, Wann dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein 15 Lässt Gott ihm gar nichts nehmen, Es muss erbeten sein. Dein ewge Treu und Gnade, O Vater, weiss und sieht, Was gut sei oder schade 20 Dem sterblichen Geblüt: Und was du denn erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rat gefällt. 25 Weg hast du allerwegen, An Mitteln fehlt dirs nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht, Dein Werk kann niemand hindern, 30 Dein Arbeit darf nicht ruhn, Wann du, was deinen Kindern Erspriesslich ist, willst thun. Und ob gleich alle Teufel Hie wollten widerstehn, 35 So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn: Was er ihm fürgenommen Und was er haben will, Das muss doch endlich kommen 40 Zu seinem Zweck und Ziel. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, 45 Mit grossen Gnaden rücken: Erwarte nur der Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. Auf, auf, gieb deinem Schmerze 50 Und Sorgen gute Nacht! Lass fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll; 55 Gott sitzt im Regimente Und führet alles wohl. Ihn, ihn lass thun und walten, Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, 60 Dass du dich wundern wirst, Wann er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rat Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 65 Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Teile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben; 70 Und solltst du für und für In Angst und Nöten schweben, So frag er nichts nach dir. Wirds aber sich befinden, Dass du ihm treu verbleibst, 75 So wird er dich entbinden, Da dus am wengsten gläubst: Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen 80 Bisher getragen hast. Wohl dir, du Kind der Treue, Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dankgeschreie Den Sieg und Ehrenkron. 85 Gott giebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. Mach End, o Herr, mach Ende 90 An aller unser Not! Stärk unser Füss und Hände Und lass bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu empfohlen sein, 95 So gehen unsre Wege Gewiss zum Himmel ein. 2 Abendlied. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Stadt und Felder, Es schläft die ganze Welt: Ihr aber, meine Sinnen, 5 Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind; 10 Fahr hin, ein ander Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sternen prangen 15 Am blauen Himmels Saal: Also werd ich auch stehen, Wenn mich wird heissen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. Der Leib eilt nun zur Ruhe, 20 Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit, Die ich zieh aus: dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 25 Das Häupt, die Füss und Hände Sind froh, dass nu zum Ende Die Arbeit kommen sei: Herz, freu dich, du sollt werden Vom Elend dieser Erden 30 Und von der Sünden Arbeit frei. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt: Es kommen Stund und Zeiten, 35 Da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. Mein Augen stehn verdrossen, Im Hui sind sie geschlossen; Wo bleibt denn Leib und Seel? 40 Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allem Schaden, Du Aug und Wächter Israel. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, 45 Und nimm dein Küchlein ein. Will Satan mich verschlingen, So lass die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein. Auch euch, ihr meine Lieben, 50 Soll heinte nicht betrüben Ein Unfall noch Gefahr. Gott lass euch selig schlafen, Stell euch die güldne Waffen Ums Bett und seiner Engel Schar.

[ LVI. FRIEDRICH SPE]

1591-1635. Spe was a Jesuit father who won distinction as a poet and also as an opponent of the witch-burning mania. His collection of lyric poems called Trutz-Nachtigall, or Match-Nightingale, is interesting for its singular blend of erotic imagery with sincere religious feeling. The poems indicate a genuine delight in certain aspects of nature. The selections follow Wolff’s edition, in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 31.

1 Ein Liebgesang der Gespons Jesu. Die reine Stirn der Morgenröt War nie so fast gezieret, Der Frühling, nach dem Winter öd, War nie so schön muntieret, 5 Die weiche Brust der Schwanen weiss War nie so wohl gebleichet, Die gülden Pfeil der Sonnen heiss Nie so mit Glanz bereichet: Als Jesu Wangen, Stirn und Mund 10 Mit Gnad seind übergossen. Lieb hat aus seinen Äuglein rund Fast tausend Pfeil verschossen: Hat mir mein Herz verwundet sehr, O weh der süssen Peine! 15 Für Lieb ich kaum kann rasten mehr, Ohn Unterlass ich weine. Wie Perlen klar aus Orient Mir Zähr von Augen schiessen: Wie Rosenwässer wohlgebrennt 20 Mir Thränen überfliessen. O keusche Lieb, Cupido rein, Allda dein Hitz erkühle, Da dunk dein heisse Flüttig ein, Dass dich so stark nit fühle. 25 Zu scharf ist mir dein heisser Brand, Zu schnell seind deine Flügel; Drumb nur aus Thränen mit Verstand Dir flechte Zaum und Zügel. Komm nit zu streng, mich nit verseng, 30 Nit brenn mich gar zu Kohlen, Dich weisen lass, halt Ziel und Mass, Dich brauch der linden Strohlen. O Arm und Hände Jesu weiss, Ihr Schwesterlein der Schwanen, 35 Umbfasset mich nit lind noch leis, Darf euch der Griff ermahnen. Stark heftet mich an seine Brust Und satt mich lasset weinen: Ich ihn erweich, ist mir bewusst, 40 Und wär das Herz von Steinen. O Jesu mein, du schöner Held, Lang warten macht verdriessen: Gross Lieb mir nach dem Leben stellt, Wann soll ich dein geniessen? 45 O süsse Brust! O Freud und Lust! Hast endlich mich gezogen: O miltes Herz! All Pein und Schmerz Ist nun in Wind geflogen. Allhie nun will ich rasten lind, 50 Auf Jesu Brust gebunden: Allhie mich mag Cupido blind Bis gar zu Tod verwunden. Am Herzen Jesu sterben hin Ist nur in Lusten leben, 55 Ist nur verlieren mit Gewinn, Ist tot im Leben schweben. 2 Anders Liebgesang der Gespons Jesu, darin eine Nachtigall mit der Echo oder Wiederschall spielet. Ach, wann doch Jesu, liebster mein, Wann wirst dich mein erbarmen? Wann wieder zu mir kehren ein, Wann fassen mich in Armen? 5 Was birgest dich, Was kränkest mich? Wann werd ich dich umfangen? Wann reissest ein All meine Pein? 10 Wann schlichtest mein Verlangen? O willkomm, süsse Nachtigall, Kombst gleich zu rechter Stunde! Erfrisch den Luft mit bestem Schall, Erschöpf die Kunst von Grunde; 15 Ruf meinem Lieb, Er nit verschieb, “O Jesu!” ruf mit Kräften, Ruf tausend mal, Ruf ohne Zahl, 20 Wer weiss, es je möcht heften![1] Ach, ruf und ruf, o Schwester zart, Mein Jesum zu mir lade, Mir treulich hilf zu dieser Fahrt, Dann ich in Zähren bade. 25 O Schwester mein, Sing süss und rein, Ruf meinem Schatz mit Namen; Dann kurz, dann lang Zieh deinen Klang, 30 All Noten greif zusammen! Wohlan, scheint, mich verstanden hat Die Meisterin in Wälden; Ihrs allbereit geht wohl von Statt, Die Färblein schon sich melden. 35 In starker Zahl, Nun manches Mal Den Ton sie schon erhebet, Weil auch der Schall Aus grünem Thal 40 Ihr deutlich widerstrebet.[2] Da recht, du fromme Nachtigall, Du jenem Schall nit weiche! Da recht, du treuer Wiederschall, Du stets dich ihr vergleiche! 45 Zur schönen Wett Nun beide trett, Mein Jesum lasst erklingen, Obschon im Streit Der schwächsten Seit 50 Am Leben sollt misslingen. Die Nachtigall den Schall nit kennt Und hälts für ihr Gespielin, Verwundert sich, wies mög behend So gleichen Ton erzielen; 55 Bleibt wenig stumm, Schlägt wiederumb, Denkt ihr bald obzusiegen; Doch Widerpart Machts gleicher Art, 60 Kein Pünktlein bleibt verschwiegen. Bald steiget auf die Nachtigall Je mehr und mehr und mehre; Gleich folget auch der Wiederschall, Wanns je noch höher wäre. 65 Drumb zierlich fecht Und stärker schlegt Das Fräulein reich von Stimmen, Steigt auf und auf Ganz ohn Verschnauf; 70 Doch thuts der Schall erklimmen. Alsdann gehts über Ziel und Schnur, Das Herz möcht sich zerspalten, Sie sucht es in B Moll, B Dur, Auf allerhand Gestalten, 75 Thut hundertfalt Den Bäss und Alt, Tenor und Cant durchstreichen; Doch Stimm doch Kunst Ist gar umbsonst, 80 Der Schall thuts auch erreichen. Da kitzlet sie dann Ehr und Preis Mit gar zu scharfen Sporen, Erdenkt noch schön und schöner Weis, Meint, sei noch nicht verloren. 85 All Mut und Blut Und Atem gut. Versammelt sie mit Haufen, Will noch zum Sieg In schönem Krieg 90 Mit letzten Kräften laufen. Ei, da kracht ihr so mütigs Herz, Gleich Ton und Seel verschwinden, Da leschet sich die gülden Kerz, Entzuckt von starken Winden. 95 O mütigs Herz, O schöne Kerz, O wohl, bist wohl gestorben! Die Lorbeerkron Im letzten Ton 100 Du doch noch hast erworben. Dann zwar ein Seufzerlein gar zart Im Tod hast lan erklingen, Das so subtil dein Widerpart Mit nichten möcht erschwingen; 105 Drumb ja nit lieg, Dein ist der Sieg, Das Kränzlein dir gebühret, Welchs dir allein Von Blümlein fein 110 Ich schon hab eingeschnüret. Ade dann, falbe Nachtigall, Von falbem Tod entfärbet, Weil du nun liegst in grünem Thal. Sag, wer dein Stimmlein erbet; 115 Könnts je nit sein, Es wurde mein? O Gott, könnt ichs erwerben! Wollts brauchen stät So früh, so spät, 120 Bis auch im Sang thät sterben. Nun doch will ich in diesem Wald Bei deinem Grab verbleiben, Hoff, mich mit ihren Pfeilen bald Begierd und Lieb entleiben. 125 Will rufen stark Zum Totensarg, Bis mein Geliebter komme, Will rufen laut Meins Herzen Traut, 130 Bis letzt ich gar erstumme.

[1.] Heften = haften bleiben, ‘stick fast’ (in his ear), and so win him over.

[2.] 2. Widerstrebet = widerhallt.

[ LVII. HOFMANN VON HOFMANNSWALDAU]

A Silesian scholar (1617-1679) who, after extensive foreign travel, spent his life at Breslau as an exemplary and highly esteemed official of the town. Incidentally he poetized in the inflated and ornate style which has given the so-called second Silesian school its evil reputation. His work is decidedly vacuous as poetry, but has its interest as indicating the literary drift of the age of puffs, powder, and pedantry. The selections follow Bobertag’s edition in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 36.