[ LV. PAUL GERHARDT]
1607-1676. Gerhardt was a Lutheran pastor who is preëminent as a writer of hymns for worship. His psalmody has less of the militant spirit than Luther’s, his voice being the voice of German Protestantism as chastened by the terrible sufferings of the great war. The selections follow Wolff’s edition in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 31.
[ LVI. FRIEDRICH SPE]
1591-1635. Spe was a Jesuit father who won distinction as a poet and also as an opponent of the witch-burning mania. His collection of lyric poems called Trutz-Nachtigall, or Match-Nightingale, is interesting for its singular blend of erotic imagery with sincere religious feeling. The poems indicate a genuine delight in certain aspects of nature. The selections follow Wolff’s edition, in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 31.
| 1 Ein Liebgesang der Gespons Jesu. Die reine Stirn der Morgenröt War nie so fast gezieret, Der Frühling, nach dem Winter öd, War nie so schön muntieret, 5 Die weiche Brust der Schwanen weiss War nie so wohl gebleichet, Die gülden Pfeil der Sonnen heiss Nie so mit Glanz bereichet: Als Jesu Wangen, Stirn und Mund 10 Mit Gnad seind übergossen. Lieb hat aus seinen Äuglein rund Fast tausend Pfeil verschossen: Hat mir mein Herz verwundet sehr, O weh der süssen Peine! 15 Für Lieb ich kaum kann rasten mehr, Ohn Unterlass ich weine. Wie Perlen klar aus Orient Mir Zähr von Augen schiessen: Wie Rosenwässer wohlgebrennt 20 Mir Thränen überfliessen. O keusche Lieb, Cupido rein, Allda dein Hitz erkühle, Da dunk dein heisse Flüttig ein, Dass dich so stark nit fühle. 25 Zu scharf ist mir dein heisser Brand, Zu schnell seind deine Flügel; Drumb nur aus Thränen mit Verstand Dir flechte Zaum und Zügel. Komm nit zu streng, mich nit verseng, 30 Nit brenn mich gar zu Kohlen, Dich weisen lass, halt Ziel und Mass, Dich brauch der linden Strohlen. O Arm und Hände Jesu weiss, Ihr Schwesterlein der Schwanen, 35 Umbfasset mich nit lind noch leis, Darf euch der Griff ermahnen. Stark heftet mich an seine Brust Und satt mich lasset weinen: Ich ihn erweich, ist mir bewusst, 40 Und wär das Herz von Steinen. O Jesu mein, du schöner Held, Lang warten macht verdriessen: Gross Lieb mir nach dem Leben stellt, Wann soll ich dein geniessen? 45 O süsse Brust! O Freud und Lust! Hast endlich mich gezogen: O miltes Herz! All Pein und Schmerz Ist nun in Wind geflogen. Allhie nun will ich rasten lind, 50 Auf Jesu Brust gebunden: Allhie mich mag Cupido blind Bis gar zu Tod verwunden. Am Herzen Jesu sterben hin Ist nur in Lusten leben, 55 Ist nur verlieren mit Gewinn, Ist tot im Leben schweben. 2 Anders Liebgesang der Gespons Jesu, darin eine Nachtigall mit der Echo oder Wiederschall spielet. Ach, wann doch Jesu, liebster mein, Wann wirst dich mein erbarmen? Wann wieder zu mir kehren ein, Wann fassen mich in Armen? 5 Was birgest dich, Was kränkest mich? Wann werd ich dich umfangen? Wann reissest ein All meine Pein? 10 Wann schlichtest mein Verlangen? O willkomm, süsse Nachtigall, Kombst gleich zu rechter Stunde! Erfrisch den Luft mit bestem Schall, Erschöpf die Kunst von Grunde; 15 Ruf meinem Lieb, Er nit verschieb, “O Jesu!” ruf mit Kräften, Ruf tausend mal, Ruf ohne Zahl, 20 Wer weiss, es je möcht heften![1] Ach, ruf und ruf, o Schwester zart, Mein Jesum zu mir lade, Mir treulich hilf zu dieser Fahrt, Dann ich in Zähren bade. 25 O Schwester mein, Sing süss und rein, Ruf meinem Schatz mit Namen; Dann kurz, dann lang Zieh deinen Klang, 30 All Noten greif zusammen! Wohlan, scheint, mich verstanden hat Die Meisterin in Wälden; Ihrs allbereit geht wohl von Statt, Die Färblein schon sich melden. 35 In starker Zahl, Nun manches Mal Den Ton sie schon erhebet, Weil auch der Schall Aus grünem Thal 40 Ihr deutlich widerstrebet.[2] Da recht, du fromme Nachtigall, Du jenem Schall nit weiche! Da recht, du treuer Wiederschall, Du stets dich ihr vergleiche! 45 Zur schönen Wett Nun beide trett, Mein Jesum lasst erklingen, Obschon im Streit Der schwächsten Seit 50 Am Leben sollt misslingen. Die Nachtigall den Schall nit kennt Und hälts für ihr Gespielin, Verwundert sich, wies mög behend So gleichen Ton erzielen; 55 Bleibt wenig stumm, Schlägt wiederumb, Denkt ihr bald obzusiegen; Doch Widerpart Machts gleicher Art, 60 Kein Pünktlein bleibt verschwiegen. Bald steiget auf die Nachtigall Je mehr und mehr und mehre; Gleich folget auch der Wiederschall, Wanns je noch höher wäre. 65 Drumb zierlich fecht Und stärker schlegt Das Fräulein reich von Stimmen, Steigt auf und auf Ganz ohn Verschnauf; 70 Doch thuts der Schall erklimmen. Alsdann gehts über Ziel und Schnur, Das Herz möcht sich zerspalten, Sie sucht es in B Moll, B Dur, Auf allerhand Gestalten, 75 Thut hundertfalt Den Bäss und Alt, Tenor und Cant durchstreichen; Doch Stimm doch Kunst Ist gar umbsonst, 80 Der Schall thuts auch erreichen. Da kitzlet sie dann Ehr und Preis Mit gar zu scharfen Sporen, Erdenkt noch schön und schöner Weis, Meint, sei noch nicht verloren. 85 All Mut und Blut Und Atem gut. Versammelt sie mit Haufen, Will noch zum Sieg In schönem Krieg 90 Mit letzten Kräften laufen. Ei, da kracht ihr so mütigs Herz, Gleich Ton und Seel verschwinden, Da leschet sich die gülden Kerz, Entzuckt von starken Winden. 95 O mütigs Herz, O schöne Kerz, O wohl, bist wohl gestorben! Die Lorbeerkron Im letzten Ton 100 Du doch noch hast erworben. Dann zwar ein Seufzerlein gar zart Im Tod hast lan erklingen, Das so subtil dein Widerpart Mit nichten möcht erschwingen; 105 Drumb ja nit lieg, Dein ist der Sieg, Das Kränzlein dir gebühret, Welchs dir allein Von Blümlein fein 110 Ich schon hab eingeschnüret. Ade dann, falbe Nachtigall, Von falbem Tod entfärbet, Weil du nun liegst in grünem Thal. Sag, wer dein Stimmlein erbet; 115 Könnts je nit sein, Es wurde mein? O Gott, könnt ichs erwerben! Wollts brauchen stät So früh, so spät, 120 Bis auch im Sang thät sterben. Nun doch will ich in diesem Wald Bei deinem Grab verbleiben, Hoff, mich mit ihren Pfeilen bald Begierd und Lieb entleiben. 125 Will rufen stark Zum Totensarg, Bis mein Geliebter komme, Will rufen laut Meins Herzen Traut, 130 Bis letzt ich gar erstumme. |
[1.] Heften = haften bleiben, ‘stick fast’ (in his ear), and so win him over.
[2.] 2. Widerstrebet = widerhallt.
[ LVII. HOFMANN VON HOFMANNSWALDAU]
A Silesian scholar (1617-1679) who, after extensive foreign travel, spent his life at Breslau as an exemplary and highly esteemed official of the town. Incidentally he poetized in the inflated and ornate style which has given the so-called second Silesian school its evil reputation. His work is decidedly vacuous as poetry, but has its interest as indicating the literary drift of the age of puffs, powder, and pedantry. The selections follow Bobertag’s edition in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 36.