[ LIV. SIMON DACH]
1605-1659. Dach was a Königsberg schoolmaster who won considerable repute as a writer of religious and occasional verse. He is the earliest Prussian poet of any importance. The second selection shows what he thought of Opitz. His Anke van Tharau, though a wedding-song written by request (like many of Dach’s productions), is so fresh and hearty that Herder gave it a place among his folksongs. The text follows Oesterley’s edition in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 30.
| 1 Abendlied. Der Tag hat auch sein Ende, Die Nacht ist wieder hier; Drum heb ich Herz und Hände, O Vater, auff zu dir 5 Und dancke deiner Treu, Die mich gantz überschüttet, Und für der Tiranney Der Höllen mich behütet. Dein Wort hat auch daneben 10 Mein kranckes Herz geheilt, Mir reichlich Trost und Leben In aller Noth ertheilt. Für solche Liebesthat Was soll ich dir erzeigen? 15 Was Erd und Himmel hat, Das ist vorhin dein eigen. Mein Herz sey dir geschencket, Das richt, o Gott, dir zu, Dass, was es nur gedencket, 20 Sey nichts, als einig du. Entzeuch es dieser Welt, Dass es aus diesen Tränen In deiner Freuden Feld Sich mög ohn Ablass sehnen. 25 Und da ich heut verübet, Was gegen dein Geboth Und deinen Geist betrübet, Das sey vertilgt und todt Durch Christi theures Blut, 30 Das mildiglich geflossen, Als er es, mir zu guth, Aus Liebe hat vergossen. Und weil ich jetzt sol schlafen, So lass mich sicher seyn 35 Durch deiner Aufsicht Waffen, Schleuss deiner Huth mich ein! Des Teufels Mord und List, Der bösen Menschen Tücke Und was sonst schädlich ist, 40 Treib, Herr, von mir zurücke! Lass mich kein böses Ende Betreten allermeist, Denn ich in deine Hände Befehle meinen Geist. 45 Ich bin zu aller Zeit Dein Eigenthum und Erbe, Es sey lieb oder leid, Ich leb, Herr, oder sterbe. 2 Opitz in Königsberg.[1] Ist es unsrer Seiten Werck’ Je einmahl so wol gelungen, Dass wir dir, o Königsbergk, Etwas Gutes vorgesungen, 5 So vernimm auch diess dabey, Wer desselben Stiffter sey. Dieser Mann, durch welchen dir Jetzt die Ehre wiederfähret, Dass der Deutschen Preiss und Zier 10 Sämptlich bey dir eingekehret, Opitz, den die gantze Welt Für der Deutschen Wunder hält. Ach, der Aussbund und Begriff Aller hohen Kunst und Gaben, 15 Die der Alten Weissheit tieff Ihrem Ertz hat eingegraben, Und der lieben Vorfahrt[2] Handt Uns so treulich zugesandt! Man erschricket, wenn er nun 20 Seiner tieff-erforschten Sachen Abgrund anhebt auffzuthun, Und sein Geist beginnt zu wachen; Wer alsdan ihn los sieht gehn, Der sieht Welschlandt und Athen. 25 Orpheus giebt schon besser Kauff,[3] Hört er dieses Mannes Seiten, Unser Maro horchet auff, Sagt: Was sol mir das bedeuten? Wird der Weisen Lieder-Ruhm 30 Nun der Deutschen Eigenthum? Ja, Herr Opitz, eurer Kunst Mages Deutschland einig dancken, Dass der fremden Sprachen Gunst Mercklich schon beginnt zu wancken, 35 Und man nunmehr ins gemein Lieber deutsch begehrt zu sein. Wer hat eurer süssen Handt Diesen Nachdruck mitgegeben, Dass das gantze Norden-Landt, 40 Wenn ihr schlagt, sich muss erheben, Und so mancher edler Geist Euch zu folgen sich befleist? Last den stoltzen Thracer-Fluss Nicht so trotzig sich ergiessen, 45 Und den edlen Mincius Was bescheidentlicher fliessen: Eures Bobers kleine Fluth Nimmt doch allen nun den Muth. Wol euch, Herr! Was für ein Lohn 50 Hat sich hie mit eingedinget, Dass von hie ab euer Ton Bis in jenes Leben dringet, Dessen Nachklangk aller Zeit Und Vergängnüss sich befreyt? 55 Hie kunt’ eure Jugend zwar Schon den Lorbeer-Krantz erjagen, Aber dort wird euer Haar Erst der Ehren Krohne tragen, Die euch David gern gesteht, 60 Weil ihr seinen Fusspfad geht. Doch wird auch des Pregels Randt, Weil er ist, von euch nicht schweigen; Was von uns hie wird bekant, Was wir singen oder geigen, 65 Unser Nahme, Lust und Ruh’ Stehet euch, Herr Opitz, zu. |
[1.] The full title runs: Gesang bey des edlen und hochberühmten Herren Martin Opitzen u.s.w. hocherfreulichen Gegenwart zu Königsberg in Preussen 1638. 29 Heumonat gesungen.
[2.] Vorfahrt = Vorfahren.
[3.] Giebt .. . . Kauff = wird billiger.