Guido, Julius

Guido. Julius, kannst du die Tränen eines Vaters ertragen? Ich kann’s nicht.

Julius. Ach, Bruder, wie könnt’ ich?

Guido. Meine ganze Seele ist aus ihrer Fassung, ich möchte mir das Gewühl einer Schlacht wünschen, um wieder zu mir selbst zu kommen. —Und das kann eine Träne? Ach, was ist der Mut für ein wunderbares Ding! Fast möchte ich sagen, keine Stärke der Seele, bloss Bekanntschaft mit einem Gegenstande—und wenn das ist, ich bitte dich, was hat der Held, den eine Träne ausser sich bringt, an innerer Würde vor dem Weibe voraus, das vor einer Spinne auffährt?

Julius. Bruder, wie sehr gefällt mir dieser dein Ton!

Guido. Mir nicht, wie kann mir meine Schwäche gefallen! Ich fühle, dass ich nicht Guido bin. Wahrhaftig, ich zittre—o wenn das ist, so werd’ ich bald auf die rechte Spur kommen!—ich hab’ ein Fieber!

Julius. Seltsam—dass sich ein Mensch schämt, dass sein Temperament stärker ist als seine Grundsätze.

Guido. Lass uns nicht weiter davon reden!—meine jetzige Laune könnte darüber verfliegen, und ich will sie nutzen! Man muss gewisse Entschlüsse in diesem Augenblick ausführen, aus Furcht, sie möchten uns in den künftigen gereuen. Du weisst es, Bruder, ich liebe Blancan, und habe meine Ehre zum Pfande gegeben, dass ich sie besitzen wollte. —Aber diese Tränen machen mich wankend.

Julius. Du setzest mich in Erstaunen.

Guido. Ich glaube meiner Ehre genug getan zu haben, wenn sie niemand anders besitzt, wenn sie bleibt, was sie ist—denn wer kann auf den Himmel eifersüchtig sein? Aber du siehst, wenn ich meine Ansprüche aufgebe, so musst du auch die deinigen, mit all den Entwürfen, sie jemals in Freiheit zu setzen, aufgeben. —Lass uns das tun, und wieder Brüder und Söhne sein! —Wie wird sich unser Vater freuen, wenn er uns beide zu gleicher Zeit am Ziel sieht, wenn wir beide aus dem Kampfe mit einander als Sieger zurückkommen, und keiner überwunden. —Und noch heute muss das geschehen, heut’ an seinem Geburtstage.