Von Frost geschüttelt wachte sie auf. Da stand in der Morgenluft die leuchtende Sonne so frisch, als hätte sie selber ein Bad genommen und siehe, der Bach war nicht mehr braun, sondern klar und blau wie die Luft, und im Grunde desselben blinkte und glitzerte es[9] wie lauter Sonnenstrahlen. Irina schürzte ihr Gewand und watete hinein. Sie mußte sehen, was[10] so wunderbaren Glanz hatte. Und siehe, es war lauter Gold! Im Wasser fiel sie auf die Kniee und dankte Gott laut und inbrünstig. Gold! Gold! Nun konnte sie helfen. Sie ging behutsam im Wasser weiter und sammelte die Körnchen und die kleinen Stücke und füllte ihren Mantel damit, bis sie die Last kaum mehr tragen konnte. Nun aber schnell nach Hause mit ihrem Schatz, den sie vor ihren Gemahl ausschüttete! Die Kinder lebten noch, wenn auch[1] in großer Schwäche und Erschöpfung, und erkannten sie fast nicht, so war sie abgemagert und sonnverbrannt. Aber Boten gingen nun in die Länder und kauften Korn und Mais, Samen und Vieh, und der Fluß wurde nicht müde, zu spenden, bis der Not ein Ende war und lachendes Grün und fette Weide wieder die rumänischen Gefilde deckte. Das dankbare Volk aber nannte den Bach „Rîul Doamnei“ und niemand sollte das Gold darin anrühren dürfen als Eigentum, als nur die Fürstin des Landes. Die späteren Fürstinnen müssen es aber wohl[2] weniger gut angewendet haben, denn der Fluß ist sparsamer geworden, und daß Gold, daß hier und da ein Bauer darin findet, wird im Museum aufgehoben.