[ TEXTS]

Line numbers have been removed from the prose passages. In the verse passages, some unstressed e’s, and a few i’s, were printed with an under-dot: ẹ ị. This usage is not explained. Some under-dots may be flyspecks, and a few umlauts were uncertain.

[I]
BERTHOLD VON REGENSBURG.

His name was properly Berthold Lech. He was the most celebrated preacher of the thirteenth century. He died in Regensburg in 1272. The following extract is from a sermon on Matt. v. 8.

‘Sælic sint die armen: wan daȥ himelrīch ist ir,’ etc. Mit disen aht tugenden sint alle die ze himelrīche komen, die dā sint, und mit den selben aht tugenden müeȥent noch alle die dar komen, die iemer mēr dar komen süln. Nū wil ich die siben under wegen lān und wil niuwen von ir einer sagen, wan alse vil guoter dinge an ir ieglīcher ist; und von ir ieglīcher wære gar vil und gar lanc sunderlīchen ze sagenne; und wie manigiu untugent uns an disen ahte tugenden irret, daȥ würde eht von ieglīcher gar lanc ze sagenne. Wan man eȥ alleȥ in einer predigen niht verenden mac, noch in vieren, noch in zehenen, sō wil ich iu hiute niuwen sagen von den, die ein reine herze habent, und von den man hiute dā liset in dem heiligen ewangelio ‘sælic sint, die reines herzen sint: die [werdent got sehende].’A Die sint wol von rehte sælic, die dā got sehent. Ein übergülde ist eȥ aller der sælikeit, diu ie wart oder iemer mēr eht werden mac, swer got ansehende eht wirt, alsō süeȥe und alsō wünneclich ist diu gesiht, die man an got siht. Sō wart nie deheiner muoter ir kint nie sō liep, ān unser frouwen, und solte si eȥ drīe tage ane sehen ān underlāȥ, [daȥ si anders niht enpflæge], wan eht si ir liebeȥ kint solte an sehen: si æȥe an dem vierden tage vil gerner ein stücke brōtes. Und wolte ich vil gerner, daȥ ich alsō ein guot mensche wære, als daȥ wār ist, daȥ ich iezuo reden wil. Ob daȥ alsō wære, daȥ man zuo einem menschen spræche, der iezuo bī gote ist, ‘du hāst zehen kint ūf ertrīche, und du solt in koufen allen samt, daȥ sie ēre und guot haben unz an ir tōt, dā mit, daȥ du einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen als lange als einȥ sīn hant möht umbe kēren, und sich danne wider zuo gote, und du solt dīn ougen niemer mēr von im kēren’: der mensche entæte sīn niht. Alse wār, herre, dīn wārheit ist, alse wār ist disiu rede, daȥ er disiu zehen kint unze an ir tōt ē nāch dem almuosen lieȥe gēn, ē danne er sich die kleine wīle von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzic hundert jār an gesehen, und sehent in hiute als gerne als des ērsten tages. Und sie sint ouch alle samt sam des ērsten tages, dō sie got an sehende wurden. Dō wart ir deheiner sīt nie eltlīcher danne des ērsten tages, und sint doch sider wol sehzic hundert jār alt. Swelher hundert jār alt würde under uns, der wære den liuten alse smæhe an ze sehenne von ungestaltheit und von dem gebresten, den daȥ alter an im hæte gemaht: sō mālet man die engele—dā sehet ir wol, swā man sie mālt, daȥ man sie eht anders niht enmālt wan als ein kint von fünf jāren, als junclich, oder von sehsen. Wan alle, die got sehent, die werdent niemer eltlīcher, die in in himelrīche sehent in sīnen freuden und in sīnen ēren. Ūf ertrīche sehen wir in alle tage in sīnem gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch līp möhte daȥ niht erlīden, daȥ in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen möhte in sīnen freuden und in sīnen ēren, als er ze himelrīche ist. Wir sagen iu ettewenne ein glīchnisse, wie schœne got sī. Seht, alleȥ daȥ wir iemer gesagen künnen oder mügen, daȥ ist rehte dem glīche, als obe ein kint uns solte sagen, ob eȥ müglich wære, von aller der wirde und von aller der gezierde, die diu werlt hāt, von der liehten sunnen, von den liehten sternen, von edelre gesteine craft und von ir maniger slahte varwe, von der edelen würze craft und von dem edelen gesmacke, und von der rīchen gezierde, die man ūȥer sīden und ūȥer golde machet in dirre werlte, und von maniger hande süeȥen stimme, die diu werlt hāt, von vögelīn sange und von seitenspil, und von maniger hande bluomen varwe, und von aller der gezierde, die disiu werlt hāt. Alse unmügelich unde alse unkuntlīchen eime kinde dā von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns dā von ze redenne, von der unsegelīchen wünne, diu dā ze himel ist, und von dem wünneclīchen antlütze des lebendigen gotes. Wan alliu diu freude, diu dā ze himele ist, der ist niht wan von dem schīne, der von unsers herren antlütze gēt. Und rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsō habent alle heiligen ir gezierde und ir schōnheit von gote, und engele und alleȥ himelische her. Reht als alle die sternen des himeles, der māne und die planēten, grōȥ und kleine, die habent alle samt ir lieht von der sunnen, diu uns dā liuhtet: und alsō hāt alleȥ himelischeȥ her, engel und heiligen, die hœhsten und die minnesten, die habent alle samt ir freude und ir wünne und ir gezierde und die ēre und die wirde und ouch die schœnde, daȥ habent sie alle samt von der angesihte gotes, daȥ sie got an sehent. Die engele, die dā unser hüetent, die sehent in ze aller zīt an, als ob sie bī im wæren. Wan alliu diu freude, diu in himelrīche ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an sehen. Und dā von ‘sælic sint, die reines herzen sint; wan sie werdent got sehende.’ Nu sehent, wie sælic die sint, die dā reineȥ herze tragent. Ir, junge werlt, die noch unbewollen sint mit sünden, behaltent iuwer herze vor allen tœtlīchen sünden, sō werdent ir got sehende in solīchen freuden und in sō grōȥen ēren, die ouge nie gesach oder ōre nie gehōrte, alse sant Paulus dā sprichet; und alse sant Johannes sprichet: ‘wær eȥ mügelich, daȥ man eȥ alleȥ samt geschrīben möhte, sō möhte diu werlt diu buoch in ir niht behalten, dā eȥ an gestüende, daȥ ich gesach. Und alleȥ, daȥ ich gesach, daȥ was niht wan got alleine.’ Und dar umbe möhten wir doch gerne ze dem himelrīche komen und drumbe arbeiten. Ob uns niht diu minne und diu liebe dar twünge, der wir gote schuldic sīn, seht, sō möhten wir dar umbe dar komen, durch daȥ wunder, daȥ dā ist. Eȥ ist maniger vor mir: der im [von sō getāner freude] seite, daȥ si jenhalp meres wære, er füere gar gerinclīchen dar von hinnen über mer, niuwen daȥ erȥ gesæhe. Sō möhtent ir hundertstunt gerner dar umb arbeiten, daȥ irȥ iemer mēre ēwiclīchen nieȥen soltet. Die vil wünneclīchen angesiht des almehtigen gotes und der himelischen küniginne ze der zeswen sīner sīten in guldīner wæte, die möhtet ir gerne an sehen. Wan würde iu einiger anblic, sō wære in alliu diu freude und diu ēre und aller der wollust, den diu werlt ie gewan, daȥ wær iu hinne für als widerzæme und ouch alse unmære, reht als sant Paulus dā sprach. Nu hœret wie er sprach; er sprach: ‘alliu diu ēre und diu freude und daȥ gemach, diu disiu werlt ie gewan von keisern und von künigen, wider der freude, diu in himelrīch ist; als widerzæme einem wære ein diep an einem galgen, als kurz einem diu wīle dā mite wære, daȥ er einen erhangen man triuten solte, wider aller der freude, die diu werlt hāt: alse widerzæme ist mir diu freude aller der werlte wider der ēwigen freude.’ Ei wol iuch wart, daȥ iuch iuwer muoter ie getruoc, die sō getāne freude süln besitzen. Der ist, ob got wil, vil maniger vor mīnen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar für nimt hie ūf ertrīche, und daȥ dem guoten sante Paulen gar versmāhte, des wirt im der tūsentste teil niht. Und die habent übel kouft, die sō übergrōȥe freude gebent umb ein sō kurzeȥ freudelīn in dirre werlte. Die habent übel gevarn; wan sie habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in glīcher wīse, rehte alse alle sternen des himeles ir lieht von der sunnen habent, alsō hāt alleȥ himelisch her ir lieht von dem wāren sunnen, sīt danne unser herre der wāre sunne und daȥ wāre lieht ist, alse der guote sant Johannes dā sprichet. Der hei et in daȥ wāre lieht; als ouch daȥ vil wār ist: wan er ist daȥ wāre lieht, daȥ niemer mēr verlischet. Und alle, die von sīme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch niemer mēre von der schōnheit, die sie von dem wāren sunnen hānt. Und als vil diu sunne liehter und gelpfer ist, danne wir dā sehen, rehte als vil diu liehtes und glastes über alle sterne hāt, die an dem himel stēnt: als vil hāt der wāre sunne in himelrīche schīnes und glastes mēr über alle engele und ist geschœnet und gewirdet an allen ēren, alse billich ist. Und dā von sint sie sælic, die ein reineȥ herze habent; wan si werdent got sehende.

[II]
THE SWABIAN LANTREHTBUOCH.

This work was compiled by David von Augsburg, about 1280 A.D.

Hie hebet sich an daȥ Lantrehtbuoch.

Herre got, himelischer vater, durch dīne milte güete geschüefe du den menschen in drīvaltiger werdikeit. Diu ērste, daȥ er nāch dir gebildet ist. Daȥ ist ouch ein alsō hōhiu werdikeit, der dir alleȥ menschlich künne sunderlīchen immer danken sol. Wan des haben wir gar michel reht, vil lieber herre, himelischer vater, sīt du uns zuo dīner hōhen gotheit alsō werdiclīchen geedelt hāst. Diu ander werdikeit, dā du, herre got, almähtic schepfer, den menschen zuo geschaffen hāst, daȥ ist diu, daȥ du alle dise werelt, die sunnen unde den mānen, die sterne unde diu vier element, viur, waȥȥer, luft unde die erden, die vogel in den lüften, die vische in dem wāge, diu tier in dem walde, die würme in der erden, golt unde edel gesteine, der edeln würze süeȥen smac, der bluomen liehte varwe, der boume fruht unde ēt alle crēatūre: daȥ hāst du, herre, alleȥ dem menschen ze nutze unde ze dienste geschaffen durch die triuwe unde durch die minne, die du ze dem menschen hetest. Diu dritte werdikeit, dā du, herre, den menschen mit gewirdet unde geedelt hāst, daȥ ist diu, daȥ der mensche die wirde unde die ēre, die vreude unde die wünne immer mit dir ēwiclīchen nieȥen sol. Der werelde dienst unde nuz hāst du, herre, dem menschen umbe sust gegeben ze einer manunge unde ze einem vorbilde. Sīt des sō vil ist, des du, herre, dem menschen umbe sust gegeben hāst, dā bī sol der mensche nu trahten, sō [mege] des wol gar übermæȥiclīchen vil sīn, des du dem menschen umbe sīnen dienst geben wilt. Unde dar umbe sol ein iegelīch mensche got dienen mit ganzen triuwen; wan der lōn ist alsō übermæȥiclīchen grōȥ, daȥ in herzen sin nie betrahten möhte noch menschen zunge nie gesprechen möhte, noch ougen sehen künde in nie beliuhten, noch ōre nie gehœren. Daȥ wir nu got der hōhen werdikeit gedanken unde den grōȥen lōn verdienen, des helfe uns der almähtige got. āmen.

Sīt uns got in sō hōher werdikeit geschaffen hāt, sō wil er ouch, daȥ wir werdeȥ leben haben, unde daȥ wir einander wirde unde ēre erbieten, triuwe unde wārheit, niht haȥ unde nīt einander tragen. Wir sullen mit fride unde mit suone under einander leben. Fridlich leben hāt unser herre got liep. Wan er kom von himelrīche ūf erderīche durch anders niht wan durch den rehten fride, daȥ er uns einen rehten fride schüefe vor der ēwigen marter, ob wir selben wellen. Unde dā von sungen die engel ob der krippen: ‘Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis’—‘Gots ēre in dem himel unde guot fride ūf der erden allen den, die guoten willen habent ūf erderīche!’ Dō unser herre got hie ūf erderīche gie, sō was daȥ ie sīn ellich wort: ‘Pax vobis!’ daȥ sprichet: ‘der fride sī mit iu!’ unde alsō sprach er alle zīt zuo sīnen jungern unde zuo andern liuten. Unde dā bī suln wir merken, wie rehte liep der almehtige got den rehten vride hāt. Wan dō er von erderīche wider ūf zuo himel fuor, dō sprach er aber zuo sīnen jungern: ‘der vride sī mit iu!’ unde enphalh dem guoten Sant Pēter, daȥ er phleger wære über den rehten fride, unde gap im den gewalt, daȥ er den himel ūf slüȥȥe allen den, die den fride hielten, unde swer den fride bræche, daȥ er dem den himel vor beslüȥȥe. Daȥ ist alsō gesprochen: ēt alle, die diu gebot unsers herren zebrechent, die habent ouch den rehten fride gebrochen. Daȥ ist ouch von gote reht, swer diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ man dem den himel vor besliuȥet, sīt uns got nu geholfen hāt, daȥ wir mit rehtem leben unde mit fridlīchem leben daȥ himelrīch verdienen mügen. Wan daȥ was niht vor gotes geburt, swie wol der mensche tæt in aller der werelde, sō mohte er doch ze dem himelrīch niht komen. Got geschuof des ērsten himel unde erden, dar nāch den menschen unde sazte in in daȥ paradys. Der zebrach die gehōrsam uns allen ze schaden; dar umbe gienge wir irre sam diu hirtelōsen schāf, daȥ wir in daȥ himelrīch niht mohten, unz an die zīt, daȥ uns got den wec dar wīste mit sīner marter, unde dar umbe solde wir got immer loben unde ēren von allem unserm herzen unde von aller unserre sēle unde von aller unserre maht, daȥ wir nu sō wol ze den ēwigen freuden kæmen, ob wir wolden; daȥ hie vor manigen heiligen patriarken unde prophēten tiure was. Diu genāde unde diu sælikeit ist uns kristen liuten nu widervaren, daȥ wir nu wol daȥ himelrīch mugen verdienen. Unde swer des niht entuot unde diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ richet er billīchen an im.