Seht diese heilige Kapell!
Hier ward geboren Wilhelm Tell,
Hier wo der Altar Gottes steht
Stand seiner Eltern Ehebett!
Mit Mutterfreuden freute sich 5
Die liebe Mutter inniglich,
Die gedachte nicht an ihren Schmerz
Und hielt das Knäblein an ihr Herz.
Sie flehte Gott: er sei dein Knecht,
Sei stark und muthig und gerecht. 10
Gott aber dachte: ich thu' mehr
Durch ihn als durch ein ganzes Heer.
Er gab dem Knaben warmes Blut,
Des Rosses Kraft, des Adlers Muth,
Im Felsennacken freien Sinn, 15
Des Falken Aug' und Feuer drin!
Dem Worte sein' und der Natur
Vertraute Gott das Knäblein nur;
Wo sich der Felsenstrom ergeusst
Erhub sich früh des Helden Geist. 20
[[1127]]Das Ruder und die Gemsenjagd
Hatt' seine Glieder stark gemacht;
Er scherzte früh mit der Gefahr
Und wusste nicht wie gross er war.
Er wusste nicht dass seine Hand, 25
Durch Gott gestärkt, sein Vaterland
Erretten würde von der Schmach
Der Knechtschaft, deren Joch er brach.
Friedrich Leopold
Graf zu Stolberg,
1775
The German original is supplied in the Notes to P. W., 1893, pp. 618, 619.