Im Jahr 1829 kam uns ein sehr sauber und augenfällig gedrucktes Octavbändchen zur Hand: Catalogue of German Publications, selected and systematically arranged for W. H. Koller and Jul. Cahlmann. London.
Dieses Büchlein, mit besonderer Kenntniss der deutschen Literatur, in einer die Uebersicht erleichternden Methode verfasst, macht demjenigen der es ausgearbeitet und den Buchhändlern Ehre, welche ernstlich das bedeutende Geschäft übernehmen eine fremde Literatur in ihr Vaterland einzuführen, und zwar so dass mann in allen Fächern übersehen könne was dort geleistet worden, um so wohl den Gelehrten den denkenden Leser als auch den fühlenden und Unterhaltung suchenden anzulocken und zu befriedigen. Neugierig wird jeder deutsche Schriftsteller und Literator, der sich in irgend einem Fache hervorgethan, diesen Catalog aufschlagen um zu forschen: ob denn auch seiner darin gedacht, seine Werke, mit andern Verwandten, freundlich aufgenommen worden. Allen deutschen Buchhändlern wird es angelegen seyn zu erfahren: wie man ihren Verlag über dem Canal betrachte, welchen Preis man auf das Einzelne setze und sie werden nichts verabsäumen um mit jenen die Angelegenheit so ernsthaft angreifenden Männern in Verhältniss zu kommen, und dasselbe immerfort lebendig erhalten.
Wenn ich nun aber das von unserm Schottischen Freunde vor soviel Jahren verfasste Leben Schillers, auf das er mit einer ihm so wohl anstehenden Bescheidenheit zurücksieht, hiedurch einleite und gegenwärtig an den Tag fördere, so erlaube er mir einige seiner neusten Aeusserungen hinzuzufügen, welche die bisherigen gemeinsamen Fortschritte am besten deutlich machen möchten.
Thomas Carlyle an Goethe.
den 22. December 1829.
"Ich habe zu nicht geringer Befriedigung zum zweitenmale den Briefwechsel gelesen und sende heute einen darauf gegründeten Aufsatz über Schiller ab für das Foreign Review. Es wird Ihnen angenehm seyn zu hören, dass die Kentniss und Schätzung der auswärtigen, besonders der deutschen Literatur, sich mit wachsender Schnelle verbreitet so weit die englische Zunge herrscht; so dass bey den Antipoden, selbst in Neuholland, die Weisen Ihres Landes ihre Weisheit predigen. Ich habe kürzlich gehört, dass sogar in Oxford und Cambridge, unsern beiden englischen Universitäten, die bis jetzt als die Haltpuncte der insularischen eigenthümlichen Beharrlichkeit sind betrachtet worden, es sich in solchen Dingen zu regen anfängt. Ihr Niebuhr hat in Cambridge einen geschickten Uebersetzer gefunden und in Oxford haben zwei bis drei Deutsche schon hinlängliche Beschäftigung als Lehrer ihrer Sprache. Das neue Licht mag für gewisse Augen zu stark seyn; jedoch kann Niemand an den guten Folgen zweifeln, die am Ende daraus hervorgehen werden. Lasst Nationen wie Individuen sich nur einander kennen und der gegenseitige Hass wird sich in gegenwärtige Hülfleistung verwandeln, und anstatt natürlicher Feinde, wie benachbarte Länder zuweilen genannt sind, werden wir alle natürliche Freunde seyn."
Wenn uns nach allen diesem nun die Hoffnung schmeichelt, eine Uebereinstimmung der Nationen, ein allgemeineres Wohlwollen werde sich durch nähere Kentniss der verschiedenen Sprachen und Denkweisen, nach und nach erzeugen; so wage ich von einem bedeutenden Inflows der deutschen Literatur zu sprechen, welcher sich in einem besondern Falle höchst wirksam erweisen möchte.