Bei der Abendsonne Wandern
Wann ein Dorf den Strahl verlor,
Klagt sein Dunkel es den andern
Mit vertrauten Tönen vor.
Noch ein Glöcklein hat geschwiegen 5
Auf der Höhe his zuletzt.
Nun beginnt es sich zu wiegen,
Horch, mein Kilchberg läutet jetzt!
* * * * *
127. ABENDWOLKE
So stille ruht im Hafen
Das tiefe Wasser dort,
Die Ruder sind entschlafen,
Die Schifflein sind im Port.
Nur oben in dem Äther 5
Der lauen Maiennacht,
Dort segelt noch ein später
Friedfert'ger Ferge sacht.
Die Barke still und dunkel
Fährt hin im Dämmerschein 10
Und leisem Sterngefunkel
Am Himmel und hinein.
* * * * *
128. DAS GLÖCKLEIN
Er steht an ihrem Pfühl in herber Qual,
Den jungen Busen muß er keuchen sehn—
Er ist ein Arzt. Er weiß, sein traut Gemahl
Erblaßt, sobald die Morgenschauer wehn.