Sie hat geschlummert: "Lieber, du bei mir? 5
Mir träumte, daß ich auf der Alpe war,
Wie schön mir träumte, das erzähl' ich dir—
Du schickst mich wieder hin das nächste Jahr!

"Dort vor dem Dorf—du weißt den moos'gen Stein—
Saß ich umhallt von lauter Herdgetön, 10
An mir vorüber zogen mit Schalmei'n
Die Herden nieder von den Sommerhöh'n.

"Die Herden kehren alle heut nach Haus—
Das ist die letzte wohl? Nein, eine noch:
Noch ein Geläut klingt an und eins klingt aus! 15
Das endet nicht! Da kam das letzte doch!

"Mich überflutete das Abendrot,
Die Matten dunkelten so grün und rein,
Die Firnen brannten aus und waren tot,
Darüber glomm ein leiser Sternenschein— 20

"Du horch! ein Glöcklein läutet in der Schlucht,
Verirrt, verspätet, wandert's ohne Ruh,
Ein armes Glöcklein, das die Herde sucht—
Aufwacht' ich dann, und bei mir warest du!

"O bring mich wieder auf die lieben Höh'n— 25
Sie haben, sagst du, mich gesund gemacht …
Dort war es schön! Dort war es wunderschön!
Das Glöcklein! Wieder! Hörst du's? Gute Nacht…."

* * * * *

129. DIE BANK DES ALTEN

Ich bin einmal in einem Tal gegangen,
Das fern der Welt, dem Himmel nahe war.
Durch das Gelände seiner Wiesen klangen
Die Sensen rings der zweiten Mahd im Jahr.

Ich schritt durch eines Dörfchens stille Gassen. 5
Kein Laut. Vor einer Hütte saß allein
Ein alter Mann, von seiner Kraft verlassen,
Und schaute feiernd auf den Firneschein.