wendet ihr Gesicht ab.
FRANZ
Welches Aufwallen der Liebe! Welche Wollust in der Umarmung — aber ist es nicht ungerecht einen Menschen um seiner siechen Außenseite willen zu verdammen? Auch im elendesten Aesopischen Krüppel kann eine große liebenswürdige Seele, wie ein Rubin aus dem Schlamme glänzen, boshaft lächelnd. Auch aus blattrichten Lippen kann ja die Liebe —
Freilich, wenn das Laster auch die Festen91 des Charakters erschüttert, wenn mit der Keuschheit auch die Tugend davon fliegt, wie der Duft aus der welken Rose verdampft — wenn mit dem Körper auch der Geist zum Krüppel verdirbt —
AMALIA
froh aufspringend.
Ha! Karl! nun erkenn ich dich wieder! du bist noch ganz! ganz! alles war Lüge! — weist du nicht, Bösewicht, daß Karl unmöglich das werden kann? Franz steht einige Zeit tiefsinnig, dann dreht er sich plötzlich um zu gehn. Wohin so eilig, fliehst du vor deiner eigenen Schande?
FRANZ
mit verhülltem Gesicht.
Laß mich, laß mich! — meinen Tränen den Lauf lassen — tyrannischer Vater! den besten deiner Söhne so hinzugeben dem Elend — der ringsumgebenden Schande — laß mich, Amalia! ich will ihm zun Füßen fallen, auf den Knien will ich ihn beschwören, den ausgesprochenen Fluch auf mich, auf mich zu laden — mich zu enterben — mich — mein Blut — mein Leben — alles —