Ihr kennt unsern Korrespondenten! Seht! Den Finger meiner rechten Hand wollt ich drum geben, dürft ich sagen, er ist ein Lügner, ein schwarzer giftiger Lügner — — Faßt euch! Ihr vergebt mir, wenn ich euch den Brief nicht selbst lesen lasse — Noch dörft ihr nicht alles hören.

D. A. MOOR

Alles, alles — mein Sohn, du ersparst mir die Krücke.

FRANZ

liest.

„Leipzig, vom 1. Mai. — Verbände mich nicht eine unverbrüchliche Zusage dir auch nicht das geringste zu verhehlen, was ich von den Schicksalen deines Bruders auffangen kann, liebster Freund, nimmermehr würde meine unschuldige Feder an dir zur Tyrannin geworden sein. Ich kann es aus hundert Briefen von dir abnehmen2, wie Nachrichten dieser Art dein brüderliches Herz durchbohren müssen, mir ists als säh ich dich schon um den Nichtswürdigen, den Abscheulichen“ — — Der alte Moor verbirgt sein Gesicht. Seht, Vater! ich lese euch nur das glimpflichste — „den Abscheulichen in tausend Tränen ergossen,“ ach sie flossen — stürzten stromweis von dieser mitleidigen Wange — „mir ists, als säh ich schon deinen alten, frommen Vater Totenbleich“ — Jesus Maria! ihr seids, eh ihr noch das mindeste wisset?

D. A. MOOR

Weiter! Weiter!

FRANZ

„Totenbleich in seinen Stuhl zurücktaumeln, und dem Tage fluchen an dem ihm zum erstenmal Vater entgegengestammelt ward. Man hat mir nicht alles entdecken mögen, und von dem wenigen das ich weiß erfährst du nur weniges. Dein Bruder scheint nun das Maß seiner Schande gefüllt zu haben; ich wenigstens kenne nichts über dem was er wirklich erreicht hat, wenn nicht sein Genie das meinige hierin übersteigt. Gestern um Mitternacht hatte er den großen Entschluß, nach vierzig tausend Dukaten Schulden — ein hübsches Taschengeld Vater — nachdem er zuvor die Tochter eines reichen Banquiers allhier entjungfert, und ihren Galan einen braven Jungen von Stand im Duell auf den Tod verwundet mit sieben andern, die er mit in sein Luderleben gezogen dem Arm der Justiz zu entlaufen“ — Vater! Um Gotteswillen Vater! wie wird euch?