Deborah tritt Sameschkin mitten in den Weg. Er taumelt, die schweren Stiefel halten ihn aufrecht. Ein Glück, daß er nicht barfuß ist! denkt Deborah, nicht ohne Verachtung.
Sameschkin erkennt die Frau nicht, die ihm den Weg verstellt. „Weg mit den Weibern!”, ruft er und macht eine Bewegung mit der Hand, halb ein Griff und halb ein Schlagen.
„Ich bin es!”, sagt Deborah tapfer. „Montag fahren wir nach Dubno!” „Gott segne dich!”, ruft Sameschkin freundlich. Er bleibt stehen und stützt sich mit dem Ellenbogen auf Deborahs Schulter. Sie hat Angst, sich zu rühren, damit Sameschkin nicht hinfalle.
Sameschkin wiegt gute siebzig Kilo, sein ganzes Gewicht liegt jetzt im Ellenbogen, und dieser Ellenbogen liegt auf Deborahs Schulter.
Zum ersten Mal ist ihr ein fremder Mann so nahe. Sie fürchtet sich, aber sie denkt zugleich auch, daß sie schon alt ist, sie denkt auch an Mirjams Kosaken und wie lange sie Mendel nicht mehr berührt hat.
„Ja, mein Süßes”, sagt Sameschkin, „wir fahren Montag nach Dubno und unterwegs schlafen wir miteinander.”
„Pfui, du Alter”, sagt Deborah, „ich werde es deiner Frau sagen, vielleicht bist du besoffen?” „Besoffen ist er nicht”, erwiderte Sameschkin, „er hat nur gesoffen. Was willst du überhaupt in Dubno, wenn du nicht mit Sameschkin schläfst?”
„Dokumente machen”, sagt Deborah, „wir fahren nach Amerika.”
„Die Fuhre kostet fünfzig Kopeken, wenn du nicht schläfst, und dreißig, wenn du mit ihm schläfst. Ein Kindchen wird er dir machen, bekommen wirst du es in Amerika, ein Andenken an Sameschkin.”
Deborah erschauert, mitten in der Hitze.