Dennoch sagt sie, aber erst nach einer Minute: „Ich schlafe nicht mit dir und zahle fünfunddreißig Kopeken.”
Sameschkin steht plötzlich frei, er hat den Ellenbogen von Deborahs Schulter weggezogen, es scheint, daß er nüchtern geworden ist.
„Fünfunddreißig Kopeken”, sagt er mit fester Stimme.
„Montag um fünf Uhr früh.”
„Montag um fünf Uhr früh.”
Sameschkin kehrt in seinen Hof ein, und Deborah geht langsam nach Haus.
Die Sonne ist untergegangen. Der Wind kommt vom Westen, am Horizont schichten sich violette Wolken, morgen wird es regnen. Deborah denkt: Morgen wird es regnen, und fühlt einen rheumatischen Schmerz im Knie, sie begrüßt ihn, den alten, treuen Feind. Der Mensch wird alt! denkt sie. Die Frauen werden schneller alt als die Männer, Sameschkin ist genauso alt wie sie und noch älter. Mirjam ist jung, sie geht mit einem Kosaken.
Vor dem Wort „Kosaken”, das sie laut gesagt hatte, war Deborah erschrocken. Es war, als ob erst der Klang ihr die Furchtbarkeit des Tatbestands bewußtgemacht hätte.
Zu Hause sah sie ihre Tochter Mirjam und ihren Mann Mendel. Sie saßen am Tisch, der Vater und die Tochter, und sie schwiegen so beharrlich, daß Deborah sofort beim Eintritt wußte, daß es bereits ein altes Schweigen war, ein heimisches, festgesiedeltes Schweigen.
„Ich habe mit Sameschkin gesprochen”, begann Deborah. „Montag um fünf Uhr früh fahre ich nach Dubno um die Dokumente. Fünfunddreißig Kopeken will er.” Und da sie der Teufel der Eitelkeit ritt, fügte sie hinzu: „So billig fährt er nur mit mir!”