„Der Milchhändler, weiß du nicht? Seit einem Jahr haben wir keine Köchin mehr, nur das Stubenmädchen, und das bißchen Essen mache ich selbst in der Küche.”
„Und geheizt wird auch nicht mehr.”
„Wir haben noch Kohle im Keller, aber es reicht nicht für den ganzen Winter, wenn wir jetzt schon anfangen. Was willst du denn im Januar machen? Und diese Zeiten! Die Bettler rennen uns das Haus ein und sind frech geworden. Eines Tages werden sie uns überfallen. Es gibt ja gar kein Gesetz mehr! Merwig hat mir geraten, Papiere zu kaufen. Was soll ich mit den Papieren, wenn ein großer Krach kommt?”
„Das Geld wird wertlos, Mutter!”
„Wertlos? das Geld?” rief Frau Bernheim. „Was soll noch einen Wert haben?” Es war, als hätte man ihr mitgeteilt, daß heute zum letztenmal die Sonne aufgegangen sei.
„Es ist besser”, fuhr Paul fort, „Aktien zu kaufen.”
„Nein, um Gottes willen, Paul!” sagte die Mutter. „Für eine Frau sind Aktien gar nichts. Eine Frau versteht nichts von der Börse.”
„Laß doch Herrn Merwig!”
„Das kann man nicht, weißt du. Er hat mir zu den Kriegsanleihen geraten. Du wirst morgen ins Büro gehn und mit ihm sprechen. Er gefällt mir nicht mehr seit einigen Monaten. Es geht schlecht bei ihm zu Haus. Dem Sohn wurden die Beine amputiert, er hat keine Stellung mehr. Diese Leute! Die Angestellten sind immer nur ehrlich, solange sie auskommen.”
Sie sagte das mit ihrer alten „königlichen Hoheit”, ein Zustand, in dem sie sich immer noch wohl fühlte. Es kränkte sogar Paul, obwohl auch er niemals viel vom „Personal” hielt. „Aber Mutter — Herr Merwig ist dreißig Jahre in unseren Diensten!”