„Ihnen guten Morgen sagen”, antwortete Brandeis. „Ferner ein Aus– und Einreisevisum.”
„Sie haben keine Aufenthaltsbewilligung!”
„Ich habe um sie gebeten. Sie ist noch nicht erledigt.”
„Dann können Sie wegfahren, aber nicht zurückkommen.”
„Dennoch werde ich zurückkommen!” sagte Brandeis. Diesen Satz flüsterte er, als wäre es ein Geheimnis.
Es ist eine Eigenschaft der Beamten, ihren Besucher erst nach dem dritten oder vierten Satz anzuschauen, als gingen sie von der Voraussetzung aus, daß alle Fremden gleich aussehen und daß es genügt, einen von ihnen zu kennen, um sich alle andern vorzustellen. Der Polizist sah jetzt erst auf. Er sah die mächtige Gestalt Brandeis’, den schweren Mantel, dessen Kragen hochgeschlagen war. Er erhob sich, wie um den Größenunterschied zwischen sich selbst und dem des Fremden zu verringern. Er wollte etwas sagen. Brandeis fing plötzlich laut zu sprechen an. „Sie sind Herr Kampe, nicht wahr? Ich werde von jetzt in drei Stunden wieder bei Ihnen sein.” Er wies mit dem Stock auf die Wanduhr. „Guten Tag.”
„Sehen Sie”, sagte er zu Bernheim, „ich werde in drei Stunden das Visum haben. Und nur, weil ich ihm seinen Namen, der leicht zu erfahren ist, gesagt habe. Er hat wahrscheinlich nichts Schlimmes getan. Da ich aber seinen Namen kenne, fürchtet er, ich wüßte irgend etwas über ihn. Jeder Mensch hat Sünden.”
„Und wenn Sie dennoch kein Visum bekommen?” fragte Bernheim.
Brandeis zog einen dänischen Paß hervor. „Dann fahre ich mit dem.”
„Falsch?”