An jenem Nachmittag, an dem sie in der Hotelhalle mit Paul und dem Onkel Tee trank, war sie abwechselnd gereizt, zärtlich, gehässig und verlogen. Für die Dauer von Sekunden verlor sogar Bernheim ihre Sympathie, nur weil er mit ihrem Onkel gefällig sprach. Wenn sie noch geahnt hätte, daß Paul in dieser Stunde nur den Ehrgeiz hatte, ihrem Onkel zu gefallen! Aber sie kannte die Männer nicht.
Worüber sprechen zwei Männer, von denen der eine chemische Produkte erzeugt und der andere kein anderes Interesse hat, als „hinaufzukommen”? Von Kunst. Paul Bernheim glänzte wie gewöhnlich. Man konnte glauben, daß er selbst Bilder sammle. Daß er heute mit Carl Enders zusammen Tee trinken würde: Wer hätte ihm das noch vor einer Woche gesagt? Verändert war die Welt. Warum hatte er seine große Wohnung aufgegeben? Jetzt hätte er Gelegenheit gehabt, ein kleines Diner zu Hause zu geben. Das macht gleich einen ganz andern Eindruck.
„Sie sammeln wohl selbst”, fragte Herr Enders, nicht ohne die Nebenabsicht, auf diesem Wege etwas über die Verhältnisse des jungen Mannes zu erfahren.
„Mein Vater hat viel gesammelt”, log Paul. Und der Sohn hat die Bilder verkaufen müssen, dachte Herr Enders. Aber er sagte etwas anderes:
„Ist Ihr Herr Vater schon lange tot?”
„Vor dem Krieg gestorben.”
„Sie waren natürlich eingerückt.”
„Elfer-Dragoner!” triumphierte Paul.
Also verarmte Familie, replizierte in Gedanken der Onkel. Und laut bemerkte er: „Die Inflation und der Krieg haben doch eine Menge Familien ruiniert. Es ist so manche auf einmal Mittelstand geworden. Unsereins hat oft Gelegenheit zu sehen, wie traurig es mit der Intelligenz bestellt ist.”
„Viele sind auch reich geworden”, sagte Paul.