Brandeis saß in einem kleinen, verdunkelten Raum. Die Besucher, die aus der schmerzlichen Helligkeit kamen, sahen im ersten Augenblick gar nichts. Er holte aus dem Wandschrank Kognak und zwei Gläser, Zigarren, Zigaretten, Streichhölzer. Er stellte alles mit behutsamen Bewegungen vor Bernheim hin, lautlos, als wären seine großen, kräftigen und behaarten Hände, die Tischplatte, die Flasche, die Gläser und die Schachteln aus Samt.
Er goß zwei Gläser voll.
Bernheim trank mit einem Schluck. Er ärgerte sich, daß Brandeis nur nippte.
„Ich trinke sehr langsam”, sagte Brandeis.
„Ich habe eine alte Schuld”, begann Paul.
„Die Summe ist so gering”, unterbrach Brandeis, „daß es eine Verschwendung wäre, von ihr zu sprechen. Ich muß Sie um Entschuldigung bitten. Ich hätte Sie besuchen sollen. Sie könnten geglaubt haben, daß ich absichtlich eine Begegnung mit Ihnen vermeiden will. Durchaus nicht! Es ist inzwischen die Notwendigkeit eingetreten, den Umfang meiner Geschäfte zu regeln und zu erweitern. Ich war besetzt. Ich freue mich über Ihren Besuch. Aber ich hoffe, daß Sie ihn nicht jener Summe wegen gemacht haben.”
„Nein, Herr Brandeis. Offen gestanden: Ich bin mit einer Bitte gekommen.”
„Das ehrt mich.”
Eine lange Pause folgte. Keiner von beiden rührte sich. Man hörte aus der Ferne einen Vogel zwitschern. Pauls Augen hatten sich an den Dämmer dieses Zimmers gewöhnt. Er unterschied die dunkelrote Farbe der Teppiche und die rostbraune Täfelung der Tür zu seiner Linken. Es war nicht jene, durch die er gekommen war. Die Dämmerung kam von den dunklen Rolläden hinter den Fenstern, die dennoch offenstanden. Ein zarter Wind wehte durchs Zimmer.
Es schien unmöglich, jetzt wieder anzufangen. Brandeis griff nach der Flasche, um einzuschenken.