„Wir haben dir zu wenig Geld geschickt!” klagte die Mutter.

„Das ist es eben!” bestätigte er.

„Mein armes Kind!” rief sie.

„Nur keine Phrasen, Mutter! Laß mich ein Bad nehmen!”

„Sag mir ein Wort, Theodor, wie hast du gelebt?”

„Wie ein Hund, in einem blöden Land, wir hatten Wanzen, ekelhaft!”

„Wanzen?!” rief Frau Bernheim.

„Und Läuse”, ergänzte Theodor wollüstig.

„Daß Gott bewahre! Theodor, du mußt sofort die Kleider wechseln.” Sie ging in die Küche. „Anna, machen Sie ein Bad, zehn Scheite genügen, aber holen Sie noch die Kohle aus dem Keller, hier ist der Schlüssel.” Seit dem Krieg hatte Frau Bernheim den Schlüssel zum Kohlenkeller nicht den Dienstboten gegeben.

Sie begleitete ihren Sohn ins Badezimmer, sie wollte ihn nicht verlassen. Sie wartete, bis er seine Kleider abgelegt hatte, und lauerte auf eine Gelegenheit, ihm zu helfen. Sie war glücklich, als sie sah, daß der Hemdsärmel Theodors zerrissen war und losgetrennt von der Schulter. „Ich will ihn dir sofort einsetzen —”, sagte sie. „Und wo sind die andern Hemden?” Mit einer Wollust wartete sie auf die Nacktheit ihres Sohnes. Es schien ihr, sie hoffte, daß sie einen körperlichen Mangel an ihm entdecken würde, der ebenso durch die Abwesenheit von zu Hause erklärt werden könnte wie der abgetrennte Hemdsärmel. Nun sah sie ihren Sohn nackt, zum erstenmal seit seiner Kindheit lag er wieder nackt vor ihr im Wasser und nur noch mit der Brille bekleidet, die er vor seiner Mutter nicht abzulegen wagte, als eine letzte Hülle.