„Wie mager bist du geworden!” sagte Frau Bernheim.

„Und krank!” ergänzte ihr Sohn.

„Wo fehlt es dir?”

„Die Lungen und das Herz!”

„Bist du wenigstens bequem gefahren?”

„Viele Juden unterwegs! Man ist nirgends allein in Deutschland!”

„Sei vernünftig, Theodor, laß die Juden in Ruh’! Deine Freunde haben dir das eingeredet.”

Nach dem Bad ging Theodor in sein Zimmer. Er machte die Tür auf. Er ahnte nicht, daß sein Zimmer vermietet war. Kurzsichtig, wie er war, bemerkte er die Frau Militär-Oberrechnungsrat nicht sofort, die klein, mager, in einen Schal gewickelt auf dem Diwan lag und einen leisen Schrei ausstieß. Er klang wie der Ruf eines Käuzchens. „Wer sind Sie?” fragte Theodor. „Verlassen Sie mein Zimmer!” schrie die Frau Oberrechnungsrat. Theodor zog sich zurück. Er hatte nur eine Pistole wiedersehen wollen, die aus Irrtum zurückgelassen worden war.

Er ging zur Frau Bernheim. „Ich muß mein Zimmer wiederhaben.”

„Wir haben kein Geld, Theodor. Es ist für ein Jahr vermietet!”