— Ich habe Dich dann vergessen. Ich habe Dich beinahe zwölf Jahre nicht gesehen. Ich habe mich verheiratet. Und da sah ich nicht mehr das Weib in Dir, nur eine unendlich teure Schwester... Ja doch! einmal im vorigen Jahre, als wir beide allein waren und so viel getrunken hatten! Da wurdest Du plötzlich ganz ungewöhnlich boshaft, Du höhntest mich, machtest pikante Anspielungen auf meine Heirat und plötzlich warfst Du Dich über mich her und bissest mich in die Lippen, dass sie bluteten... Da fing es an, mich heiß zu überlaufen.

— Hab ich Dich gebissen? Sie lachte hässlich auf.

— Und dann, als Du bei uns zum Besuche warst und mir einmal früh Morgens Kaffee ans Bett brachtest...

Sie fuhr wütend auf.

— Du bist wohl verrückt geworden? Du willst Dir doch nicht einbilden, dass ich Dich als Weib liebe?

Er lächelte seltsam.

— Eben hast Du Dich verraten. Du hast mich nie als Schwester geliebt. Du zittertest immer nach mir, so wie ich jetzt nach Dir zittre. He, he: Weißt Du noch? Einmal, als Du Deinen Geburtstag hattest und so viele Kinder zu uns kamen? Wir spielten Versteck. Immer bist Du zu mir in die dunkelsten Ecken geschlichen und drücktest Dich heiß an mich. Sieh mich doch an, lass Dir doch in die Augen sehen... Weißt Du noch, als wir beide so heiß wurden und uns beinahe erwürgt hätten in einer Lust, die sonst Kinder nicht zu haben pflegen? He, he... Da wurd’ ich Mann...

Er schwieg plötzlich, es kam ihm vor, als hätte er zu viel gesagt.

Sie lachte boshaft.

— Du willst wohl einen Roman schreiben? Irgend eine perverse Geschichte von Geschwisterliebe, wie? He, he, he... Damit düpierst Du mich nicht...