Plötzlich warf sie den Kopf auf und sagte höhnisch:
— Wo hast Du Dich denn gestern vor mir versteckt?
— Ich habe mich gar nicht versteckt, sagte er ruhig. Ich wollte Dich einfach nicht mehr sehen.
Er erschauerte. Aus der Hölle der abgründigen Augen dieses Weibes schoss ein kranker Hass hervor.
— Du warst die ganze Zeit bei dem Mädchen! Er glaubte ein Knirschen zu hören... Du warst bei ihr die ganze Nacht und gestern... sie brach plötzlich ab.
— Ja, ich war bei ihr. Er lachte boshaft. Berührt Dich das eigentlich? Ha, ha, Du bist ja eifersüchtig.
— Ich erlaube Dir nicht, ich will nicht, dass Du ein fremdes Weib berührst, ich will es nicht, verstehst Du, ich will es nicht!
Sie schrie es mit kurzen, gedämpften Schreien.
Er ließ den Kopf sinken und stützte ihn mit beiden Händen.
— Meine Seele ist scheu und schamhaft, sagte er langsam und sehr leise. Du hast sie scheu gemacht. Da warst roh... sieh, ich bin einmal auf der Straße gegangen, und da fühlt’ ich mich nur als ein großes klopfendes Herz. Das ist ein Symbol für mein ganzes Wesen. Ich bin auch in Wirklichkeit nur ein großes klopfendes Herz. Und dieses Herz hat eine entsetzliche Scham. Die Scham ist das kalkige Gehäuse, in das sich ein solches Herz für immer wie eine Schnecke verkriechen kann. Die Scham macht kalt und scheu und hat Ekel vor den Menschen. Jetzt fühl’ ich kein Herz mehr, es ist verborgen, es schrumpft zusammen, es verkroch sich in dem Kalkgehäuse...