Und morgen werden es zwei Jahre, seit wir verheiratet sind. Denk nur: zwei Jahre! Hast Du den Tag vergessen? Ich bekomme doch sicher morgen einen langen, schönen Brief von Dir? Oder — oder? Ich wage es nicht zu hoffen, aber vielleicht kommst Du selbst?
Nein, nein, komm lieber nicht. Ich habe das Gefühl, dass es Dir in der Stadt gefällt, und das macht mich glücklich. Du hast so entsetzlich gearbeitet und jetzt musst Du ein bisschen Abwechslung haben, ein wenig Luftveränderung, nicht wahr?
Aber wenn Du kämest, das wäre wunderbar. Ich liebe Dich — Du!
Du fühlst Dich doch sehr wohl — wie? Dann bleib’ nur lieber, bleib’, mein Teuerster Du!... Und weißt Du, ich bin manchmal eifersüchtig auf Agaj, ich habe Angst, dass Du sie mehr liebst wie mich. Aber das ist doch Unsinn, nicht wahr? Du musst sie tausendmal von mir grüßen und ihr sagen, dass ich sie liebe, dass sie meine einzige Freundin ist.
Nun leb’ wohl. Du, mein Liebling. Tausend Küsse von Deinem Weib.
Er fing an, den Brief wieder von vorn zu lesen.
„Sie liebt Dich eigentlich gar nicht wie eine Schwester...”
Ein heftiges Licht durchfurchte seine Seele.
Er sah deutlich Agaj vor sich sitzen. Das schwarze seidne Kleid schmiegte sich mit warmer Wollust um die schlanke, magere Gestalt. Er fühlte durch das Kleid die feinen, zarten Glieder.
Er ließ sich in den Fauteuil sinken.