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Du bist wie ein schwacher, matter, silberner Lichtstrahl, den ein Hüttenfenster in einer lauen Herbstnacht auf die Wiese ausgespien hat über das nasse, weiche Nebeltuch, das mit brünstiger, lustsatter Müdigkeit auf dem Grasteppich lagert. Über die Nebelfläche wiegt er sich wie eine zögernde Welle Licht; wie Glockentöne zum Ave-Maria fließt er rein, golden, allmählich verklingend, und lange hallt er nach und gießt sich in den Körper mit matter, kranker Ruhe.

Du bist wie die blaue Morgenstunde, wenn der Osten sich zu röten und Licht auszuatmen beginnt. Die ganze Welt sättigt sich mit den dunklen Osternachtmysterien der Auferstehung, sie taucht unter in der blauen Seligkeit des Himmels, sie zerfließt in dieser Atmosphäre kalten, flüssigen Damaszenerstahls, und plötzlich brennt sie auf, in weitem, tiefem violetten Farbenmeer, das die ersten, melancholischen, traummüden Lichtkolumnen entfachen.

Und alles ist tief und blau und heilig.

Um deine Augen war es wie Protuberanzenschein bei Sonnenfinsternissen, wie eine Phosphoreszenz der Fäulnis, und sie glühten wie zwei tiefe Sterne einer schwarzen Herbstnacht in den Abgrund meiner Seele hinein.

Um deine Mundwinkel feine, weiche Interferenzlinien, die mich an meinen heimatlichen See erinnerten, an die klare, stille Wasserflut, wenn ich sie mit dem Ruder bewegte.

Deine Stimme kam zu mir, wie wenn sie über das grüne Meer mit dem Frühlingswinde hergeweht wäre, und ich höre sie fortwährend als ein aufgelöstes, in Schallatmosphäre transformiertes Lichtmeer, das mich beständig umfließt mit unendlich feinen, distinkten Wellenschwingungen.

Ich gehe wie eingehüllt in sie, und meine Gedanken fließen auf und nieder auf der wogenden Rhythmik dieser Stimme mit der weichen — frauenhändeweichen Dominante in cis-Moll.

Als ich dich das erste Mal erblickte, war es mir, als ob ich meine Individualität in ihrer mystischen Nacktheit gesehen hätte.

Du warst für mich die Offenbarung meines höchsten Schauens; in dir war das Rätsel meiner höchsten ästhetischen Sehnsucht gelöst. Du warst die Geschichte meiner Entwicklung, meine sexuelle Vergangenheit. Ein Stück Palingenesis warst du von mir; in uns beiden hat sich die gemeinsame Uridee, die gleiche Woge der Geschlechtsevolution objektiviert.