Und so musste ich deine Formen, deine Bewegungen lieben, so musste mich die Stimmung, die du strömtest, berauschen, weil mein Geschlecht mir meine Seele auf dich eingerichtet hatte, dass sie dich zum Fraße ihm zuführe, zum Molochopfer überliefere.
Du warst wohl ursprünglich mein höchstes sexuelles Ideal; doch seitdem sich meine Seele autonom erklärte und mein Geschlecht erwürgte, konnte ich dich nur noch mit den Sinnen meiner Seele lieben, ihre Werkzeuge auf dich richten, dich mit meinen Augen trinken, den Tonfall deiner Sprache streicheln, meine Muskeln innervieren lassen durch die verschwimmenden Linien deines Körpers in eine unendliche Weichheit.
Und ich habe dich genossen in ewiger Qual und namenloser Sehnsucht. Es war, wie wenn ich eine Art physiologischen Amöbenbewusstseins empfangen hätte und den Augenblick in mir verspürte, als die Amöbe sich teilte, die Hälfte ihres Kernes zum neuen Wesen werden ließ, dieses verloren hatte und sich nun in brütender, qualvoller Sehnsucht nach ihm sehnte.
Es war, wie wenn ich mich als Hermaphroditen fühlte, mich selbst parthenogenetisch befruchtet hätte, ein Weibchen nach meinem Urbilde schuf, das aber fremd und Nicht-Ich wurde.
Und ich sehnte mich nach dir immer und ewig, ich sehnte mich nach jenem Augenblicke, als du Eines mit mir warst, bevor ich mich in deinem Körper objektivierte.
Ich sehnte mich in heißem Fieber nach dem Werdeprozess, wie die Formen Meines Geistes sich in deinen Körper kleideten, die Zuckungen meiner Muskeln dich ins Leben leiteten, wie du nach dem Muster meines Geistes wurdest und ein neues Wesen begann.
Ich liebe dich, wie die untergehende Sonne das Roggenfeld an Sommerabenden mit den letzten, blutroten Strahlen liebt; ich scheide ungern von dir, wie die Sonne von der Erde scheidet mit Weh und Sehnsucht, weil sie das heilige Mysterium der Nacht nicht sehen kann.
Das Mysterium der Nacht und des Abgrunds — in Dir wollte ich es sehen. Ich griff nach ihm mit fiebernden, qualstöhnenden Fingern; wie feine Lanzettenspitzen grub ich sie in deine Tiefe, und immer entschlüpfte es mir, glitt tiefer, verschwand.
Das Grundelement verflüchtigte sich in tausend Sublimationen, und mein Geist rang und krümmte sich in wilder Qual, dich wieder in sich aufzusaugen, dich aufzulösen in deiner brünstigen Hitze wie ein Stück Metall — Dich, seine verlorene Kernhälfte.
Und so bliebst du mir fremd, weil nur mein Geschlecht dich wiedererkennen könnte; das lebendige, nackte Geschlecht, das in mir tot ist.