Sanctus, Sanctus, Sanctus.
Die Erde ist still, der Himmel gähnt Ströme von blausilbernem Sternenlicht herab, und alles ruht in tauber Stille, weil Ich der Herr, der alles geschaffen hat, aus dem es alles entstanden ist, Ich König, Ich Gesalbter, Ich Erzpriester das letzte, das heilige Abendmahl einnehme.
Eine tiefe Seligkeit, eine morgenblaue Seligkeit des künftigen Lebens ergoss sich mit weitem Strom in meine Adern; ich fühlte Flügel aus meinen Schultern wachsen; der ewigen Zukunft zujauchzender Gesang riss sich aus meiner Kehle; ich war heiter wie das Sonnenlicht des Südens, das mit dem Meerwasser spielt — da plötzlich überrumpelte mich der lauernde Wahnsinn, mit dem ich so lange gekämpft.
Die Nacht würgt sich mit dem Tage in tödlicher Umarmung, das blutige Rot der Auferstehung wurde von der schwarzen Finsternis der Nacht ertränkt.
Angst und Entsetzen recken sich wie Salzsäulen, die Medusenhäupter mit den grässlich aufgeblähten Schlangenleibern starr empor gerichtet gegen das Himmelssodoma.
In meinen Augen sprüht ein schwefliger Funkenregen.
Eine weite, flammende Furche zerreißt das himmlische Gewölbe, ein Stern lischt aus, wird rot wie eine flammende Gangränwunde, er bebt, er zittert, er fällt herab und reißt mit mächtigem Ruck eine ganze Sternenkette herab.
Aus dem klaffenden Himmel seh’ ich in Schwefelwolken und Feuerlava ein Gesicht hervortauchen mit zusammengekniffenen lasziven Augen, die Lippen geöffnet wie in höchster Wollustekstase, die Haare wie Feuergräben durch den ganzen Himmel hin zerrissen, —
aus dem klaffenden Himmel seh’ ich Frauenhände, schrecklich, körperlos, sich nach mir ausstrecken, —
aus dem klaffenden Himmel seh’ ich einen apokalyptischen Frauenleib wachsen; in weiten Schlangenlinien stürzt er auf mich zu, er umfängt mich; ich reiße mich los, ich keuche; ich kaure auf dem Boden, blutiger Schaum tritt auf meine Lippen —