Vergebens ließ er alle seine Lebenssäfte auf den Punkt zusammenströmen, wo die Bakterie saß und um sich fraß, vergebens warf er seinen Kern in seine satanische Braut, sie mit seiner Lebensachse zu zerstören; der Kern zerbirst, reißt auseinander, er zerfällt in seine Granula, und die höchste Lebensfunktion, die Allmutter Alles Seienden, die Erschafferin der Lebewesen, der Vatersame jeglicher Entwicklung, ist tot.

Der Leukozyt stirbt.

Huh! Das war die Brautnacht, die blutschänderische Brautnacht — des Geschlechtes mit der Seele, das Hohe Lied von der siegenden Bakterie.

Und die Seele wurde krank und welk und siech.

Eigenhändig hat sie sich von der Gebärmutter losgerissen, die Aorta unterbunden, die Kraftquelle versiegen lassen.

Sie lebt, — ja, sie lebt noch, weil sie sich sattgefressen hat am Geschlechte; sie zehrt noch an dem Inhalt, den das Geschlecht ihr gab. Sie produziert Formen und Töne, die sonst nur der Fortpflanzung dienten; sie kann sich noch Halluzinationen schaffen, die sonst nur die Sexualsphäre reizten; sie kann sich in eine Ekstase versteifen, die dem Größenwahnsinn des Geschlechtes gleicht, wenn es wähnt ein fremdes Wesen in sich aufgehen lassen zu können. Aber alles, was sie so auf eigene Faust erzeugt, ist nur Luxusfunktion, wie die Kunst nur Luxusfunktion des Geschlechtes ist, und ist steril, was die Kunst nicht ist, weil in ihr der mächtige Pulsstrom des lebendigen Geschlechtes, der fieberheiße Samengolf des Lichtes, des Willens nach persönlicher Unsterblichkeit erzittert.

Und so muss die Seele untergehen; so muss die siegende Bakterie an dem resorbierten Leukozyten sterben.

Aber ich liebe die heilige, große Funktion, in die sich mein Geschlecht verflüchtigte und sublimierte: meine große, sterbende Seele, die mir mein Geschlecht geraubt hat und es auffraß, um daran zu sterben.

Und so muss ich untergehen an meinem zerfallenden, in tausend übergeschlechtliche Sensationen zerbröckelten Geschlecht.

Ich muss untergehen, weil die Lichtquelle in mir ausgetrocknet ist, weil ich das Schlussglied bin in der endlosen Kette der Entwicklungstransformationen meines Geschlechtes, weil die Wogen dieser Geschlechtsevolution nicht über mich hinauskönnen, weil ich der weiße, sturmgepeitschte Schaum bin auf dem Kamme ihrer letzten, brandenden Woge, die sich bald am Strande zerschlagen wird.