Ich muss untergeben, weil meine Seele zu groß wurde und zu schwanger mit meinem Geschlechte, als dass sie einen neuen, leuchtenden, morgenbrünstigen, zukunftsfrohen Tag gebären könnte.
Und so muss ich an der sterilen Schwangerschaft meiner Seele zugrunde gehen.
Aber ich liebe auch mein totes Geschlecht, dessen Reste meine Seele aufzehrt; ich liebe diese letzten Blutstropfen meiner Individualität, in denen sich das Ursein widerspiegelt in seiner ganzen Majestät, in seiner Untiefe und Abgründigkeit, blass und schwach; ich liebe das Geschlecht, das meine Gehörseindrücke mit den wunderbarsten Farben färbt, Geschmackshalluzinationen auf die Sehnerven leitet, epidermale Eindrücke zu visionären Ekstasen werden lässt, — und ich liebe meine Krankheit, meinen Wahnsinn, in dem so viel von doktrinärem, raffiniertem, höhnendem, mit ernster, heiliger Miene höhnendem System sich offenbart.
*
Ich bin ganz ruhig — und sehr, sehr müde.
Nur tief, ganz tief, schmerzt mich etwas. Es ringt etwas nach Gleichgewicht; oder vielleicht, ja, vielleicht ringt es in der letzten Agonie.
Etwas ist verloren gegangen; der mystische Oszillationspunkt, auf den sich alle meine Kräfte beziehen. Er wurde aufgehoben durch tausend andere Kraftzentra, und das Einheitliche zerfiel in tausend Scherben.
Meine Gedanken nehmen etwas Eigenwilliges an, sie gehen und kommen spontan, willkürlich, zügellos.
Manche erscheinen mir wie rötliche Phosphoreszenzen um einen tiefvioletten Heiligenkranz, wie man die Interferenzen der Gaslichtlaternen im Regenwetter durch die trüben Scheiben sieht, ganz weich und flüchtig. Manche kommen mir vor wie ein langer Lichtstrahl, der auf eine wellengekräuselte Wasserfläche geworfen wird; irgendwo in der Tiefe spiegelt er sich wieder, in Millionen Lichtflecke zerbrochen, die sich auf den Wellen wiegen, umarmen und küssen in einer überirdischen Reinheit, Keuschheit und Ewigkeit.
Andere wachsen ins Riesenhafte, Ungeheure, Exotische aus. Mein Gehirn, das bisher nur in europäischen Dimensionen zu denken gewohnt war, entspannt jetzt die gewaltigen Formen der Tempel von Lahore, kombiniert die ägyptische Sphinx mit dem chinesischen Drachen; es schreibt mit den furchtbaren Massen, aus denen die Pyramiden entstanden sind, es denkt in dem vollen, majestätischen Sanskrit, wo jedes Wort ein lebender Organismus ist, der durch einen mystischen, pangenetischen Vorgang zu einem Wesen wurde, ein an riesigen Geschlechtsorgan mit unermesslicher Zeugungskraft, das alle Sprachen, alle Gedanken gezeugt hat: eine Synthese von Logos und Kâma — das Wort des Johannes, das zum Fleische wurde.