Und das ist die enorme Fatalität des Lebens, dass man gegen Eindrücke nicht mit seinen eigenen Erfahrungen, sondern mit denjenigen, die vor der Geburt, außerhalb meiner Ichzustände liegen, reagieren, dass das Leben sich in von vornherein vorgezeichneten Grenzen entwickeln muss — es ist die Fatalität der Prädestination, derzufolge schon damals, als das erste Protoplasmaklümpchen sich aus den organischen Stoffen durch Urzeugung zusammenfügte, das entwickelteste Leben vorgeformt war. Über Allem waltet Mutter Heimarmene und der Vater Kismet — beide haben das Sein gezeugt.

Keine unter den Pariasgeschichten illustriert diese Fatalität mit einer solchen Evidenz, wie der „Muttermörder”.

Der Sohn mordet die Mutter, weil ihn ihr beim Schlucken auf– und niedergleitender Kehlkopf reizt, er will ihn zum Stillstand bringen und er erwürgt die Mutter. Aber er hat kein Schuldbewusstsein, im Momente, wo er den Mord vollbrachte, sah er nur ein paar Hände, die eine weiche Masse zusammenschnürten.

In dieser Novelle ist Hansson aber noch zugleich dem tiefsten Problem nahegerückt, ich meine das Problem des Ichbewusstseins. —

Ich als Ich bin nur das „tout de coalition” und zwar coalition meiner persönlichen Erfahrungen von Außen und Innen.

Physiologisch ist es die stufenweise vor sich gehende Koordination von niederen Zentren unter die höheren, bis schließlich die ganze Kette dem obersten Ganglion — der Großhirnrinde — subsumiert wird.

Es gibt aber Fähigkeiten, es gibt Leitungen, die abseits von dem großen Leitungsnetze stehen, die niemals in irgend eine Beziehung zu ihm getreten sind. Und gerade diese sind es, in denen sich der ganze bas-fond unserer Seele abspielt. Neben den bewussten Zuständen, in die das Ich immer als ein konstituierendes Glied eintritt, wickeln sich hier unterbewusste Vorgänge ab, die ich nicht als zu mir gehörig betrachte, die von etwas Fremdem ausgeführt zu sein scheinen, einem Dämon, der über dem Ich steht.

Dieses Fremde, dieses Abseits– und Außerhalbstehende, das Hansson so sehr betont, gestattet uns auch einen tiefen Einblick in die Natur des Unbewussten.

Die Fachpsychologie hält nur die hirnphysiologischen Vorgänge für geeignet, Bewusstseinsphänomene hervorzubringen. Hiernach müsste jeder Bewusstseinszustand ein Ichelement enthalten, das in jedem bewussten Phänomen miteingeschlossen ist.

Wenn man aber sieht, wie Hände nach etwas zugreifen, ohne dass man sie als seine eigenen erkennt, wie ein Mensch sich das Messer in das Herz stößt, in dem Glauben, dass er den Anderen mordet, in den er sich gespalten wähnte, dann genügt das Wunder von der neu hinzugetretenen, subjektiven Kraft zu einem objektiven Molekularvorgange nicht mehr.