II

Es ist etwas in diesen Novellen, was schon völlig Jenseits steht, ein transzendentales Jenseits bedeutet.

Es bewegt sich alles auf der Grenze, wo der Schmerz schon aufgehört hatte, Schmerz zu sein und in Nirwana umgekippt ist, ein lang gedehntes, monotones, beschauliches Oum, halb wollüstiges Schauern, halb grauende Vertiefung, Hinabgleiten, Versinken, Auflösen, Auseinanderfallen.

Es ist etwas, das mit der hypothetischen vierten Dimension in Berührung steht, ein Außen und Draußen, eine platonische Anamnese von den Zuständen, die die Seelenmonade in der jenseitigen Welt erlitten hatte, als sie noch mit dem Urgeiste eins war und das reine Sein anschaute.

Es ist etwas, das man nur im Chopinschen tempo rubato ausdrücken könnte, wo die Angst auf den Muskeln spielt: ein krampfartiges Gespanntsein, ein zuckender, reflexiver Ausgleich, da der Muskel nicht von einem Zentrum den Nervenstrom empfängt, sondern von vielen Stellen gleichzeitig innerviert und nun nach allen Seiten hin und her gezerrt wird; — aber nur einen Moment, dann ein tiefes keuchendes Atmen, schneidend, ächzend, um wiederum in etwas Auseinandergleitendem, Aufgelösten auszuklingen.

Dann ist noch etwas da, ein ganz undefinierbar feines Etwas, eine unmögliche psychologische Feinheit, die mir in allem, was Hansson geschrieben hat, und auch nur bei Hansson allein entgegenkommt. Es ist als ob sich eine Schauerwelle vorwärts und rückwärts über das ganze Gehirn fortpflanzte, ein leises Erzittern, den pendelartigen Oszillationen vergleichbar, die eine berührte Seite um ihre Abszissenachse ausführt, es ist, als ob an den Muskeln etwas in unheimlich tiefer Molltonart aufgespielt würde, und durch das sich kreischende, brutal helle Tonwellen hindurchwinden, wie wenn einer in wahnsinnigen Schmerz ausbrechen möchte und dazu in Lachkrampf verfällt.

Es ist etwas da, das man durchaus ersticken möchte, man kennt es nicht, man fühlt es vielleicht zum ersten Male, aber man fühlt es als etwas furchtbar Unheimliches.

Hier ist es, wo man nur das Bewusstsein von dem Gefühlszustande hat, aber es ist kein Gegenstand da, woran man es anknüpfen könnte. Es sind wie fliegende Gedankenreihen, ohne Gedanken zu sein, weil sie keine Tonkorrelate haben — Bilder, die wie lichte Punkte in eigentümlicher Phosphoreszenz durch dicke Nebelmassen hindurchschimmern.

Wie kam es doch?

Ich stelle mir vor, ich liege auf dem Bett, ich ringe mit dem Tode, schwarze lange, schmale Schatten steigen vor meinen Augen, wie ein dichter Zaun, der mich gegen das Jenseits noch abgrenzt, das Herz schlägt immer langsamer, immer schwächer bis auf einmal meine Seele im lauten Aufschrei von dem Daseinstraume aufwacht, der Schleier der Maja fällt von meinen Augen herunter, und ich der Anfang und das Ende der Welt, ich der große Herr des Daseins, bin in das Nichtsein übergetreten.