Übrigens, was wissen wir, wie bei der Lösung eines Problems unsere Augenmuskeln betätigt sind, wie ihr Spiel ein Problem hervorrufen kann, wie eine zufällige, irradierte Geruchshalluzination, ein Ton, eine Farbe unser Denken anregt, ja, dasselbe direkt bedingt?
Was wissen wir, womit sich der Geruch der frischen Saaten, der Geruch der Rapsfelder, wenn sie im Frühlinge mit den feinen, gelben Blüten aufblühen, wenn in der Luft über denselben ganze Bienenschwärme schwirren, womit das Konzert der Froschstimmen in der Stille der Sommernacht sich assoziert, welche Gedankenverbindungen und unlösbare Verkettungen durch die riesigen Schatten, die ein Mensch in den hellen Nächten wirft, in seiner Seele zustande kommen?
Was wissen wir von allen diesen Vorgängen, die der nervösen Veranlagung gemäß verarbeitet werden und unsere Individualität bilden, sie abgrenzen, den Reizumfang abstecken, innerhalb dessen man zu empfinden vermag?
Aber gerade hier auf diesem Gebiete bewegt sich die ganze Hanssonsche Dichtung, er ist der Pfadfinder in der Wildnis, die Feuersaule in der Nacht der Wüste, an Hansson wird die Rassenpsychologie anknüpfen, um das Geheimnis der Rassenverschiedenheiten zu studieren, von seinen Werken wird die künftige Psychologie der Gemütsstimmungen Nahrung schöpfen, um die eigentümliche Färbung und den eigenen Klang des Temperamentes, der Leidenschaft und Alles dessen, worin sich der Mensch äußert, zu erklären, und ganz besonders die Geschlechtspsychologie, die er, als der Erste und Einzige, geschaffen, tatsächlich geschaffen hat. —
IV
Die Landschaft, nichts als Landschaft ist Hanssons psychisches Leben und dieser subjektiven Umprägung muss naturgemäß physiologisch ein Nervensystem entsprechen, so fein, so unglaublich differenziert, so anspruchs– und aufnahmefähig, dass jeder Eindruck, auf den eine gewöhnliche nervöse Organisierung nicht reagiert, sich hier in Schwingungen transformiert, anfangs leise, kaum wahrnehmbar, dann stärker und nachhaltiger, bis das ganze Gehirn in Vibration gerät.
Und hier beschäftigt den Psychologen nicht mehr die Persönlichkeit Hanssons, auch nicht seine schriftstellerische Tätigkeit, sondern Hansson als ein Phänomen, als ein biologisches Problem, als das Produkt einer Differenzierung, die ihre Schatten weit in die Zukunft wirft, als der „nouveau ésprit”, der in Poe angedeutet und in Hansson mit distinkter Schärfe ausgeprägt erscheint.
Hier zum ersten Male, das Gehirn, in dem das Animale und Intellektuelle ineinandergreifen, innig verschmolzen sind, in welches jeder Eindruck nicht nackt hineingelangt, sondern wie eine riesige Zölenterate, die sich mit tausend Fangarmen an dem Gehirninhalte festsaugt, wie ein Ton, bei dem außer dem Grundtone unzählige, harmonische Obertöne mitschwingen.
Und diese Betätigung des ganzen Gehirninhaltes an einem Eindrucke, dieses Mitschwingen von Obertönen bilden das Eigentümliche, das man beim Tone Klangfarbe nennt und das dem Worte Hanssons Herzenswärme und affektive Ausstrahlung verleiht.
Jedes seiner Worte ist wie ein pulsierender, atmender Organismus, umspült vom warmen Blut, eingebettet in den warmen Hüllen des Tiefsten und Innerlichsten, was der Mensch besitzt, jedes seiner Worte ist wie ein herausgeschnittenes, lebendes Herz, das man auf der Hand hält, das zittert und bebt und zuckt, oder wie eine unendlich weiche Atmosphäre, in die man sich einhüllen kann, und die man wie das nackte, duftende Frühlingsfleisch eines halbwachen Mädchens auf seine Nerven wirken fühlt. — Es wird aber auch zu einem scharfen Meißel, der unvergängliche Zeichen in die Seele einritzt, zu einer zersetzenden Säure, die ätzt und beizt, zu einem körper– und wesenlosen Gespenst, das sich langsam an dem Rückenmarke hinabwühlt und über das Bewusste tiefe schwarze Schatten wirft, bis die Nacht heraufsteigt und die Sterne winzig klein und glanzlos, wie mattes Gold, werden, bis die Welt um einen so fürchterlich eng wird, dass der Atem sich über die Brust legt, wie eine schwüle Luftmasse, wie ein schweres Gewicht.