Diese enorme Suggestionsfähigkeit des Hanssonschen Wortes, die Fähigkeit, eine Stimmung hervorzurufen, wie kein Schriftsteller es vor ihm im Stande war, diese Verschmelzung von Intellekt und Organismus ist eine antizipierte Entwicklungsstufe, die die Menschheit erst später betreten wird.
Ich denke mir die ganze Entwicklung und den historischen Zusammenhang folgendermaßen.
Der Urmensch, dessen Gehirn noch unentwickelt war und unfähig, aufgenommene Eindrücke aufzubewahren, was eben die ganze Funktion des Bewusstseins ausmacht, reagierte auf alle Eindrücke ganz reflexiv und automatisch. Auf jeden sensiblen Eindruck antwortete sofort ein motorischer Ausschlag, er war nichts mehr als reine Individualität, reines Rückenmark, Reflex und Instinkt.
Allmählich fingen die Eindrücke an bewusst zu werden, sich nach und nach zu konsolidieren, zwischen die Aufnahme und die Auslösung eines Eindruckes schob sich eine beträchtliche physiologische Zeit hinein, Stück für Stück bildete sich die Bewusstseinskette, der Mensch lernte kombinieren und vergleichen, ein Eindruck fügte sich an den anderen, es bildeten sich Assoziationsreihen und der Mensch fing an Persönlichkeit zu werden.
Was jedoch dieser Entwicklung eigentümlich ist, das ist die unabhängige Parallelität, völliges Getrenntsein von Individualität und Persönlichkeit.
Jeder Eindruck, der von den objektiven Sinnen, dem Auge, dem Gehör empfangen wurde, blieb einfach ein Gesichtseindruck, ein Ton, eine Tastempfindung und nichts weiter.
Freilich war diese Trennung im Sinne der fortschreitenden Entwicklung notwendig, das menschliche Gehirn war noch nicht fähig, affektiv auf jeden Eindruck zu antworten, diesem intensen Leben war der Organismus noch nicht angepasst, er würde zugrunde gehen.
Und diese Trennung in seiner reinen Form kann man noch beim Weibe studieren. Bekanntlich hat das Weib kein Gehirn nötig, und wo es dasselbe gebraucht, so steht es mit seiner Individualität im schroffsten Gegensatze zu seiner Hirnarbeit. Gewöhnlich ist es dann auch so, dass die Individualität beim Weibe herrlich ist, dagegen die Persönlichkeit nichts taugt oder auch umgekehrt. Äußerst selten ist eine Übereinstimmung da, freilich völlig unabhängig und getrennt, jedes auf eigene Faust, die Übereinstimmung nur ein Zufall.
Im Laufe der Entwicklung fing die Individualität an, in die Persönlichkeit einzugreifen und zwar überall da, wo es im Sinne der weiteren Differenzierung geboten war. So wurde die Liebe, die ursprünglich nur ein instinktiver Trieb war, der nach Befriedigung lechzte, einfach nur das autonome Geschlecht mit den wachsenden und reifenden Spermatozyten und den nervösen Begleitzuständen dieser Wachstumsvorgänge, zu einem Etwas, woran sich die im Gehirne aufgespeicherten Eindrücke zu beteiligen anfingen, dann war es das Vaterland, die Familie, die Religion und die Natur, also nur die Fortpflanzungs– und Selbsterhaltungsgefühle. Ohne diese psychische Umwertung und Mitarbeiterschaft des Gehirnes wäre eine fortschreitende Differenzierung nicht möglich.
Darüber hinaus ist der Mensch bis in unser Jahrhundert hinein nicht gekommen.