23 (11) июля 1849 г. Женева.

23 Juli 1849. Genève.

Gestern zu Folge einer Intrigue, die noch keinen Namen gefunden hat im Lexikon, hat man mir die Möglichkeit geraubt, Ihnen einige Worte zu sagen... Sie können sich denken, daß dieser Fallonische Plan von meiner Lucrez-Borgia-Frau und von ihrem Cesar-Borgia-Mann entworfen und zur Wirklichkeit gerufen war.

Ich wollte nämlich Sie unterhalten von dem schönen Plan der liberalen Regierungen, die eine ganz neue Methode anwenden wollen, um aus dem Genfer See einen Champ de la liberté zu machen und ohne viel Eidgenössisches Geld zu verbrauchen. Man drängt von allen Seiten die Flüchtlinge hierher, und wenn sie einmal da sind -- am Ufer, so schreit man "Zurück aus Zürich" und erlaubt nicht hier zu bleiben, die andern Mächte haben die Faiblesse, auch "Zurück" zu schreien, da bleibt also keine Wahl.

Die Flüchtlinge müssen oder nach dem barbarischen Frankreich, oder in der See zu Grunde gehen. Freilich jeder ehrliche Mann wird den kürzesten und den am wenigsten trockenen Weg vorziehen. Man hat berechnet, daß es hinlänglich wird nur den Bodensee mit den Italienern und Franzosen hinzudrängen, um eine schöne Wiese zu machen. Dazu sagt man, daß das Gras vortrefflich wächst auf radikalen Humus. -- Struve ißt keine Legume mehr, or findet, daß einem sittlichen Mann unanständig ist, von den Pflanzen, die Phanerogame sind, zu essen -- er erlaubt sich nur jetzt die Fougères. Es ist wirklich schade, daß Simeon der Stylit etwas zu frühe lebte, der hätte mit St gekneipt. Seine Frau muß alle Tage sehr weit, so zirka 3 geographische Grade gehen und dort eine Quelle aufsuchen, die immer gefroren ist -- um allerlei unasketische Gedanken (was Gott behüte), à la glace frappieren -- denn in dieser Temperatur hat der Böse keine Wirkung mehr.

Vor einer Woche brach hier eine epidemische Krankheit , die zwar schädlicher als die Cholera, aber milder als die Pest (die orientalische) scheint -- man nennt diese Krank -- Dictagras. Der Mann fängt, vor zwei Stunden eine große

Schwere im Корfe zu fühlen (dann muß er gleich eine Flasche Burgun trinken) -- wenn er aber nicht trinkt, so fängt er an zu diktieren und der Andre muß schreiben, und wird durch die Kontagion auch Diktoman... bei uns sind alle krank, meine Fran diktiert Her russisch -- weil er kein Russisch versteht, ich -- H Kapp deutsch -- weil ich kein Deutsch verstehe, Kapp rediktiert einem Russen -- weil er in Baden war (die Krankheit findet immer Ursache); am Ende Golovine diktiert meiner Frau -- weil er aus Unvorsichtigkeit seine Mutter verloren hat und jetzt sie dans toutes les Russies sucht...

Verzeihen Sie, ich kann nicht mehr schreiben, Elisa schlachtet die Tata ab -- wenn das einmal vorbei ist, dann werde ich fortfahren. -- Adieu.

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23 июля 1849 г. Женева.