George Brydges Rodney


Seekriege und Seekriegswesen

in ihrer
weltgeschichtlichen Entwicklung
Mit besonderer Berücksichtigung der großen Seekriege des XVII. und XVIII. Jahrhunderts
von
Rudolph Rittmeyer
Kontre-Admiral z. D.

Zweiter Band
Von 1739–1793
Mit zahlreichen Porträts, Abbildungen und Skizzen
Berlin 1911
Ernst Siegfried Mittler und Sohn
Königliche Hofbuchhandlung

Alle Rechte aus dem Gesetz vom 19. Juni 1901 sowie das Übersetzungsrecht sind vorbehalten.


Vorwort zum zweiten Bande.

Die günstige Beurteilung des ersten Bandes hat mich bestimmt, den zweiten nach den gleichen Grundsätzen zu bearbeiten. Auch Einteilung und Anordnung des Stoffes sind die gleichen geblieben, um Übersicht und Nachschlagen zu erleichtern.

Mein Bestreben ging und geht vor allem dahin, die besten Quellen der verschiedenen Völker über die Tätigkeit ihrer Marinen, die naturgemäß manches für eine allgemeine Seekriegsgeschichte nicht Notwendige enthalten und mehr oder weniger national gefärbt erscheinen, sorgsam zu prüfen sowie gegeneinander abzuwägen, um eine möglichst objektiv gehaltene Darstellung der Seekriege in ihren wichtigsten Ereignissen geben zu können.

Je weiter aber die Geschichte fortschreitet, um so reichlicher fließen die Quellen; infolgedessen hat die Bearbeitung des zweiten Bandes mehr Zeit erfordert, als ich voraussetzte. Auch beanspruchte die Schilderung der Seekriege größeren Raum, als ich für sie in Aussicht genommen hatte, insbesondere der See- und Kolonialkrieg Englands gegen seine aufständischen Kolonien in Nordamerika, sowie gegen Frankreich, Spanien und Holland, der ereignisreichste und wohl lehrreichste Seekrieg, der je ausgefochten wurde. Ich habe deshalb den zweiten Band auf die Darstellung der Ereignisse von 1739–1793 beschränken müssen. Auch dieser Zeitraum ist gewissermaßen in sich abgeschlossen, weil er die großen Seekriege umfaßt, die in erster Linie dem Kolonialbesitz gelten.

Wie im ersten Bande und aus den gleichen, dort im Vorworte angeführten Gründen habe ich die Kriege, die für die allgemeine Geschichte, sowie für die Entwicklung des Seekriegswesens von geringerer Bedeutung sind, unter der Bezeichnung „Nebenkriege“ nur kurz behandelt. Diejenigen, die sich in der Ostsee abspielen, sind zwar für uns Deutsche wohl bemerkenswert, aber ich habe doch von ihrer ausführlicheren Darstellung absehen zu können geglaubt, weil Vizeadmiral Kirchhoff in seinem 1907 und 1908 erschienenen Werke „Seemacht in der Ostsee“ diese Vorgänge eingehend schildert und dabei auch die innere Geschichte der nordischen Marinen in ähnlicher Weise behandelt, wie ich es bei der englischen, französischen und holländischen getan habe.

Mein dritter Band soll dann die Zeit von 1793–1815 bringen, hauptsächlich die beiden großen Seekriege Englands gegen die erste Republik und das erste Kaiserreich der Franzosen, die von tiefgehendem Einfluß auf die Landkriege dieser bewegten Jahre gewesen sind. Mit ihnen schließen die Seekriege der Periode der reinen Segelschiffahrt, soweit sie von größerer Bedeutung gewesen sind, ab.

Möchte mir nach Beendigung des dritten Bandes noch Zeit und Kraft verbleiben, das Werk bis zur Gegenwart fortzuführen.

Hannover, Herbst 1910.

Rittmeyer
Kontre-Admiral z. D.


Inhaltsverzeichnis.

Seite
Vorwort[III]
Wichtigste Quellen-Literatur[XIV]
Verzeichnis der Abbildungen[XIX]
Vierter Abschnitt.
Die Zeit von 1739–1793.
Erstes Kapitel: Einleitung[1–10]
Kennzeichen des Abschnittes S. [2].
Geschichtlicher Überblick über denselben S. [3–6].
Seine Bedeutung für die Seekriegsgeschichte undfür die Entwicklung des Seekriegswesens: Erweiterung derStrategie [7]. — Umfang und Bedeutung der Kolonien 1740 [7]. — Entwicklungder Taktik und der Streitmittel [9].
Zweites Kapitel: Die Entwicklung des Seewesens von 1740–1793[11–44]
Weiterentwicklung der Schiffe. Vergrößerung der Linienschiffe.Vervollkommnung der Takelage. Herausbildung des Fregattentyps.Kupferung. Farbenanstrich. Beiboote. Werften [11–16].
Kauffahrteischiffe S. [16].
Fortschritte in der Nautik. Chronometer. Hilfstafeln. Entdeckungsreisen [17].
Schiffsklassen: Schiffsbestände in der englischen Marine nachsolchen um 1752, 1762, 1775, 1783, 1792. Schiffe zu besonderen Zwecken [17–19].
Waffen: Bedienung der Kanonen, die gebräuchlichen Kaliber und ihreVerteilung an Bord. Einführung der Karronaden. Handwaffen, Handgranaten. [19–23].
Entwicklung der Marinen. Organisation und Personal.In England: Admiralität, Offiziers-Ersatz, und Beförderung.Offiziersgrade. Mannschaft. Das Leben an Bord [24–27]. — In Frankreich:Amtstätigkeit der Marineminister Maurepas, Rouillé, Choiseul, Sartines,Castries [28–32]. — Offiziersgrade [33]. — Vergleich der englischen undfranzösischen Marine [33–36]. — Uniformen [36].
Die Taktik. Hostes Werk über Taktik [36–38]. — Die englischeGefechtsinstruktion. Vor- und Nachteile der Luvstellung [39]. — Die Leestellung[41]. — Die englische Angriffs- und die französische Abwehrtaktik[41–44].
Drittes Kapitel: Der Englisch-Spanische Krieg 1739 und der ÖsterreichischeErbfolgekrieg 1740–1748[45–115]
Die Anlässe zum Kriege. Der englische Schmuggelhandel inWestindien (der Vorfall mit Captain Jenkins Ohr) [45–46]. — EnglandsKriegserklärung an Spanien [47]. — Tod Kaiser Karls VI.; PragmatischeSanktion; Gruppierung der Staaten im österreichischen Erbfolgekriege[47–48].[45–48]
Der allgemeine Verlauf des Krieges. Der Englisch-SpanischeSeekrieg 1739–1744 [49]. — Der österreichische Erbfolgekriegam Lande 1740–1746 [49–53]. — Die Erhebung Schottlands 1743 [53].— Ende des Krieges 54. — Der See- und Kolonialkrieg [54–55]. — DerFrieden zu Aachen 1748 [55], die Friedensbedingungen [56].[49–56]
Die Streitmittel. Der Schiffsbestand in Frankreich 1740; dieSchiffe der Compagnie des Indes; der Verlust an Schiffen während desKrieges [57]. — Zustand der spanischen Marine, Verluste [57]. — DerSchiffsbestand in England 1739 und 1744, Verluste [58]. — Zustand derholländischen Marine [59].[57–59]
Der Verlauf des Seekrieges. Der Krieg in Westindien1739–1744: Admiral Vernon erobert Puerto Belo 22. November1739 [60]. — Französische Geschwader in Westindien [61]. — Vernon erobertChagres 1740 [62]. — Zusammenstoß englischer und französischerSchiffe [63]. — Erfolglose Angriffe auf Cartagena und Santiago de Cuba 1741[64–68]. — Englische Angriffe 1742/43 [69]. — Der Kleine Krieg. — AnsonsZug 1740–1743 [70].[60–71]
Der Krieg in den europäischen Gewässern 1740bis 1744. Die Engländer vor Toulon und Neapel 1742/43 [72]. — Versucheiner Landung in England 1744 [74]. — Die Schlacht vor Toulon 22. Februar1744 (de Court gegen Mathews) [75]; ihre Bedeutung für die Seekriegsgeschichte(Beurteilung der Gegner; Kriegsgericht über Mathews u. a.)[80–82].[71–82]
Der Krieg in den europäischen Gewässern 1744–1748.Bewegungen der Flotten 1744/45 [82]. — Die Erhebung Schottlands, vonFrankreich nicht benutzt [84]. — Angriff auf Lorient, Landung bei Quiberon1746 [86]. — England herrscht im Mittelmeer von 1746 an [87]. —Siege der Engländer bei Kap Finisterre 14. Mai und 25. Oktober 1747 (AdmiralAnson gegen de La Jonquière und Admiral Hawke gegen L'Etanduère)[88–90]. — Frankreich erschöpft 1747 [91]. — Beteiligung der holländischenMarine am Seekriege [92].[82–92]
Der Krieg in den Kolonien 1744–1748. Nordamerika.Louisbourg erobert 1745 [93]. — Erfolglose französische Expedition unterd'Anville 1746 [95]. — Die Angriffe der englischen Kolonisten auf Kanadastocken bis zum Friedensschluß [96]. — Westindien. Angriffe aufPort Louis und Santiago de Cuba, Gefecht vor Havanna 1748 (AdmiralKnowles) [97]. — Ostindien. Ausdehnung der französischen Macht; Dupleixund Labourdonnaye [99]. — Gefecht bei Negapatam 7. Juli 1746 [101]. —Einnahme von Madras [102]. — Zwist der französischen Führer [103]. —Angriff auf St. David 1747 [104]. — Angriff auf Pondichery (AdmiralBoscawen) 1748 [105].[93–106]
Der Kleine Krieg gegen den Handel 1739–1748 (Verlustean Handelsschiffen) [107].[107–108]
Schlußbetrachtungen. Einfluß des Seekrieges auf den Landkrieg[108]. — Beurteilung der Kriegführung der Gegner [110]. — Gründe,die die englische Flotte lähmten [112]. — Taktik [113]. — Über Angriffeauf feindliche Küsten [114].[108–115]
Viertes Kapitel: Der Siebenjährige See- und Kolonialkrieg zwischenEngland und Frankreich (Spanien) 1756–1763[116–206]
Die politischen Verhältnisse vor Ausbruch desKrieges. Anlässe zum Kriege und Gruppierung der Staaten [116–120].— Verhältnis des Seekrieges zum gleichzeitigen Siebenjährigen Festlandskriege[119]. — Der Bourbonische Familienvertrag [119].[116–120]
Der Verlauf des Festlandskrieges [120]. — Friedenzu Hubertusburg 15. Februar 1763 [123].[120–123]
Allgemeiner Verlauf des Seekrieges, Kennzeichnungder Kriegführung der Gegner [123].[123–127]
Frieden zu Paris 10. Februar 1763 [127]. — Friedensbedingungen(Frankreich aus Nordamerika verdrängt, in Ostindien lahmgelegt) [128].[127–129]
Die Streitmittel. Schiffsbestand in Frankreich 1756; überdie Offiziere; Schiffsverluste während des Krieges [130]. — Gleiche Angabenüber Spanien und England [130].[130–131]
Der Verlauf des See- und Kolonialkrieges. Ereignissevor der Kriegserklärung. Reibungen in den Kolonien[130]. — Französische und englische Expedition nach Nordamerika 1755[132]. — Französische Schiffe in der Biscaya aufgebracht 1755 [133]. —Frankreich nimmt Minorka 1756. Belagerung von Port Mahon [133]. —Seeschlacht bei Minorka (La Gallissonnière gegen Byng) 20. März 1756[135–138]. — Das weitere Schicksal Port Mahons während des Krieges[138]. — Bedeutung der Schlacht bei Minorka für die Geschichte der Seetaktik[139]. — Kriegsgericht über Admiral Byng [141].[131–141]
Der Krieg in den europäischen Gewässern. Erklärungdes Krieges. Bewegungen der Flotten im Atlantik und Mittelmeer 1756[141]. — Ebenso 1757. England versucht die französischen Geschwader inEuropa festzuhalten, aber drei laufen von Brest nach Amerika aus [142]. —Erfolgloser Angriff der Engländer auf Rochefort, September 1757 [143]. —Blockade der französischen Häfen und Angriffe auf diese 1758 [145]. — PlanFrankreichs, in England einzufallen 1759 [147]. — Verteilung der englischenFlotte [148]. — Auslaufen der Toulonflotte unter de La Clue und ihreVernichtung bei Lagos durch Boscawen 18. August 1759 [149]. — Le Havrebeschossen [151]. — Auslaufen der Brestflotte unter de Conflans [151]. —Ihre Vernichtung bei Quiberon durch Hawke 20. November 1759 [154]. —Die französische Marine lahmgelegt [159]. — Ereignisse 1760–1762, französischerEinfall in Irland (Freibeuter Thurot) 1760 [160]. — Einnahme vonBelle-Ile (Keppel) [161].[141–163]
Der Krieg in den Kolonien. Nordamerika. Verhältnisder englischen und französischen Kolonien zueinander [163]. — ErsterZusammenstoß im Ohiotale [164]. — Ausbruch des offenen Krieges [165]. —Ereignisse 1755–1757 [166]. — Eintreffen von Seestreitkräften 1757 [167]. —Eroberung von Louisbourg (General Amherst, Admiral Boscawen) 1758[169]. — Ereignisse auf dem Festlande 1758 [170]. — Eroberung vonQuebec (General Wolfe, Admiral Sounders) 1759 [171]. — Letzter Kampf umKanada 1760. Versuch der Franzosen, Quebec wiederzunehmen, Montrealfällt, Kanada für Frankreich verloren [174].[163–198]
Westindien: Lage der Gegner; zunächst nur Kleiner Krieg[176]. — Seegefecht bei Le Cap, Haïti, 1757 [176]. — England erobert diefranzösischen Inseln (Admiral Rodney) 1758–1762 [177–179]. — Havannaerobert 1762 (Admiral Pocock) [180].
Westafrika. England bemächtigt sich Senegambiens 1758 [182].
Ostindien. Ausdehnung der französischen Macht unter Dupleix[182]. — Unglücklicher Krieg mit der englischen Kompagnie 1751 [183]. —Dupleix abberufen 1754 [184]. — Frieden der Kompagnien 1755 [185]. —Neuer Krieg 1756 [185]. — Der Seeräuber Angria [186]. — EnglandsAusbreitung in Bengalen unter Clive, Frankreich dort vertrieben [186]. —Ereignisse in Vorderindien 1757 [188]. — Seeschlacht vor Cuddalore 29. April1759 (Pocock gegen d'Aché) [189]. — Die Franzosen nehmen St. David [191].— Seeschlacht vor Negapatam 3. August 1758 [192]. — Niederlagen derFranzosen am Lande 1759 [192]. — Seeschlacht vor Porto Novo 10. September1759; Frankreich gibt die See preis [194]. — Beurteilung d'Achés[195]. — Pondichery erobert 1761; Zusammenbruch der französischenMacht in Indien [196]. — Manila von England erobert 1762 [197].
Der Kleine Krieg gegen den Handel: Verluste der Gegner[198]. — Französische Expedition gegen Neufundland, englische gegenBuenos Aires 1762 [200].[198–200]
Schlußbetrachtungen: über Strategie; Rückblick aufden Krieg; politische und militärische Fehler Frankreichs; richtiges VorgehenEnglands [200]. — Über Taktik [204]. — Über Angriffe auffeindliche Küsten [205].[200–206]
Fünftes Kapitel: Der Nordamerikanische Freiheitskrieg 1775–1783[207–416]
Entstehung des Krieges. England und die Kolonienbis zu ihrer Erhebung: Die inneren Verhältnisse der Kolonien[206]. — Ihre Streitfragen mit England [208]. — Der Teesturm in Boston.18. Dezember 1773 [209]. — Erklärungen des Kongresses von Philadelphia1774 [210]. — Bruch mit England [211].[207–211]
England, Frankreich, Spanien bis zum Ausbruchdes Seekrieges 1778. Fragen, die den Frieden bedrohten (Frankreichbesetzt Corsica 1768; Spanien vertreibt England von den Falklandsinseln)[212]. — Englands lähmende innere Verhältnisse unter Georg III. [213]. —Choiseuls Pläne gegen England [214]. — Kriegsneigung in Frankreich;die amerikanischen Agenten (Franklin) in Paris [215]. — Bruch mit England1778 [217]. — Spaniens Beitritt 1779 (Ziele des französisch-spanischenBündnisses) [217]. — Englands Kriegserklärung an Holland 1780; die „bewaffneteNeutralität der Ostseemächte“ und ihre Ziele [218]. — Kennzeichnungund Bedeutung des Seekrieges von 1778 [219].[211–220]
Die Streitmittel. Frankreichs und Spaniens Schiffsbestand 1778,Verluste während des Krieges, Wert des Materials und Personals [220]. —Innere Geschichte der Marine Hollands von 1747 an, Stand derselben 1778,Verluste [221]. — Streitkräfte der „bewaffneten Neutralität“ [222]. —Englands Marine [222]. — Vergleich der Seestreitkräfte [223]. — Indiensthaltungenauf beiden Seiten in den einzelnen Kriegsjahren [224]. — Gründungder nordamerikanischen Marine [225].[220–226]
Der Krieg in Nordamerika bis 1778. Erstes Gefecht beiLexington 19. April 1775; englische Verstärkungen unter Howe treffenein; Erstürmung von Bunkershill 17. Juni [226]. — Vordringen der Amerikanerauf Quebec (Arnold) [227]. — Ereignisse zur See 1775 [228]. —Howe räumt Boston März 1776 [229]. — Die Unabhängigkeitserklärung derKolonien, Juli [230]. — Der Angriff der Engländer auf Charleston, Juni[231]. — Ihr Vordringen von Kanada aus; die Seenflottillen, Gefechte aufdem Champlainsee 11./13. Oktober [233]. — Howe erobert Long-Island,besetzt New York und die Narragansettbucht August/Dezember [235]. —Washington in New Jersey siegreich Dezember 1776 [238]. — Burgoynedringt 1777 von Kanada aus vor, wird 10. Oktober bei Saratoga zur Kapitulationgezwungen [238]. — Howe schlägt Washington bei Brandywine11. und erobert Philadelphia 26. September [239]. — Tätigkeit der englischenSeestreitkräfte 1777, Vorstoß auf dem Hudson [240]. — Der Handelskrieg derAmerikaner 1775/78 [241]. — Clinton, Howes Nachfolger, räumt Philadelphia1778; letzter Versuch Englands zur Versöhnung mit den Kolonien [242].[226–243]
Der große Seekrieg. Militärische Lage und Ziele der Gegnerauf den verschiedenen Kriegsschauplätzen; Anordnung der Schilderungdes Krieges [243]. — Vorgänge und Rüstungen vor Ausbruch des Krieges[246].[243–248]
Der Krieg in den europäischen Gewässern 1778.Die französische Toulonflotte (d'Estaing) segelt nach Amerika; Keppel(Personalien) nimmt französische Kriegsschiffe im Kanal [248]. — DieBrestflotte läuft unter d'Orvilliers aus; Befehle Ludwigs XVI. [250]. —Schlacht bei Ouessant 27. Juli 1778 (Keppel gegen d'Orvilliers) [251]. —Die öffentliche Meinung in beiden Ländern (Entlassung des Herzog von Chartres;Kriegsgericht über Keppel) [254]. — Bedeutung der Schlacht fürdie Seetaktik [255]. — Beurteilung der Kriegführung des Jahres 1778in Europa [257].[248–258]
Der Krieg in Nordamerika und Westindien 1778/79.Die Engländer gehen vom Delaware auf New York zurück; eine französischeFlotte (d'Estaing) trifft ein [258]. — Howe und d'Estaing vor New York[260]. — D'Estaing bedroht die Narragansettbucht [262]. — Howe undd'Estaing vor derselben; Sturm zerstreut die Flotten [264]. — D'Estaingin Boston, segelt nach Westindien [266]. — Byron folgt ihm von New York[267]. — Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79, englische Expeditionenan den Küsten (Savannah besetzt) [268]. — Beurteilung Howes undd'Estaings [270]. —Westindien 1778: die Franzosen (de Bouillé) erobernDominica, die Engländer (Barrington) Sta. Lucia [272]. — D'Estainggreift Sta. Lucia an [274]. — 1779: d'Estaing besetzt Grenada und andereInseln [275]. — Schlacht bei Grenada 6. Juli (Byron, Personalien [275],gegen d'Estaing) [276]. — Kritik der Schlacht [278]. — D'Estaing verläßtWestindien [280]. — Kleinere Ereignisse dort (Gefecht vor Fort Royal,Martinique) [281]. — D'Estaing greift Savannah an und segelt nach Frankreich[282]. — Beurteilung des Krieges in Westindien 1778/79 [283]. — Ereignissein Westafrika 1779 [285].[258–285]
Der Krieg in Europa 1779/80. Kriegsplan und Rüstungen derVerbündeten 1779 S. [285]. — Angriff auf die Kanalinseln S. [287]. — Vereinigungund Stärke der französisch-spanischen Flotte (d'Orvilliers undCordoba) S. 2[287]. — Die englische Flotte unter Hardy (Personalien), Furchtin England vor Invasion S. [288]. — Die Flotte der Verbündeten im Kanal,gelähmt durch Gegenorder und schlechten Zustand der Schiffe S. [289]. —Rückfahrt derselben S. [290]. — Verteilung der Seestreitkräfte 1780 S. [292]. —Rodney (Personalien) siegt 16. Januar bei Kap St. Vincent über Langara undversorgt Gibraltar S. [293]. — Eine spanische Flotte (Solano) segelt nachWestindien; Cordoba nimmt einen englischen Konvoi, sonst trotz starkerFlotte untätig S. [295]. — D'Estaing in Spanien vergeblich bemüht, den Kriegzu beleben S. [296]. — Kritik des Krieges 1779/80 in Europa S. [296]. — Ausbruchdes Krieges mit Holland S. [298].[285–298]
Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1780.Gefecht bei Monte Christi (Haiti) 20. März 1780 [299]. — De Guichen(Personalien) und Rodney treffen in Westindien ein [299]. — Stärke derFlotten [300]. — Die Schlacht bei Martinique 17. April (Rodneys Versuchzu einer neuen Taktik) [301]. — Gefechte bei Martinique 15. und 19. Mai[304]. — Eine spanische Flotte (Solano) trifft ein, bleibt aber untätig[305]. — Guichen segelt nach Europa, Rodney nach Nordamerika [306].— Solano erobert Pensacola [307]. — In Nordamerika erobern die Engländer(Clinton) Charleston [308]. — Kämpfe in Carolina [309]. — Gefechtbei Bermudainseln (de Ternay gegen Cornwallis) [309]. — Ankunft französischerTruppen (Rochambeau) bei Rhode-Island, Rodney nach Westindienzurück [310]. — Arnold fällt in Virginia ein (sein Verrat an deramerikanischen Sache) [311]. — Kritik des Krieges in Westindien undNordamerika [312]. — Schlechte Lage der Amerikaner Ende 1780 [315].[298–315]
Der Krieg in Europa 1781. Rüstungen [315]. — AdmiralDarby versorgt wiederum Gibraltar [316]. — La Motte-Picquet nimmteinen englischen Konvoi mit der Beute Rodneys von St. Eustache [319].— Die Verbündeten erobern Minorka und kreuzen wiederum erfolglos vordem Kanal [318]. — Holland tritt in den Krieg ein, Schlacht auf der Doggerbank(Hyde-Parker gegen Zoutman) 5. August [320]. — Kempenfelt vernichteteinen für Westindien bestimmten Konvoi (de Guichen) [322].— Kritik des Krieges in Europa [323].[315–324]
Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1781.Rodney erobert St. Eustache und macht reiche Beute [324]. — De Grassetrifft ein (Personalien), Hood (Personalien) tritt ihm bei Martinique entgegen29. April [325]. — De Grasse erobert Tabago [329]. — Segelt nachNordamerika [329]. — Hood folgt [331]. — Lage in Nordamerika, Cornwallisdringt von Carolina gegen Virginia vor [331]. — Arnold fällt vonder Chesapeakebucht in Virginia ein [332]. — Das französische Geschwader(Des Touches) kommt von der Narragansettbucht, um Arnold abzuschneiden;trifft auf das englische (Arbuthnot) [333]. — Erste Schlacht vor der Chesapeakebucht(taktisch bemerkenswert) [334]. — Virginia wird der entscheidendeSchauplatz des Landkrieges; die englischen Heere vereinigen sich,die Amerikaner rücken von New York heran [335]. — De Grasse und Hoodtreffen ein [337]. — Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht (de Grassegegen Graves; taktisch bemerkenswert) 5. September 1781 [338]. —Kapitulation des englischen Heeres bei Yorktown (Cornwallis); der Landkriegbeendet [339]. — Die großen Flotten segeln nach Westindien zurück[340]. — Die Franzosen erobern St. Eustache [341]. — Kritik des Krieges1781 in Westindien und Nordamerika [341].[324–343]
Der Krieg in Europa 1782. Der Wechsel im englischen Ministeriumführt zur Einstellung des Krieges in Nordamerika [343]. — Rüstungenund erste Bewegungen der Flotten [344]. — Vernichtung einesfranzösischen Transportes für Ostindien durch Barrington [345]. — Diefranzösisch-spanische Flotte (Cordoba, Guichen) erfolglos vor dem Kanal[346]. — Tätigkeit der holländischen Flotte 1782 [347]. — Untergang des„Royal George“ [348]. — Die Belagerung von Gibraltar, Bau schwimmenderBatterien (d'Arçon) [348]. — Der große Angriff auf die Stadt 13. September[350]. — Howe versorgt Gibraltar [351]. — Seetreffen bei Kap Spartel (Howegegen Cordoba) [352]. — Kritik des Krieges 1782 in Europa [353].[343–354]
Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1782.Hood und de Grasse in Westindien; Landung der Franzosen auf St. Christoffer(St. Kitts) [354]. — Schlacht bei St. Christoffer 25. Januar [355]. —Ankergefecht dort 26. Januar [357]. — Beurteilung Hoods und de Grasses[359]. — Rodney trifft in Westindien ein [360]. — Plan der Verbündeten,Jamaika zu erobern; erste Schlacht bei Dominica (Rodney gegen de Grasse)9. April [360]. — Rodney verfolgt die französische Flotte, Unfälle derselben[364]. — Zweite Schlacht bei Dominica (Les Saintes; taktisch bemerkenswert,Rodney durchbricht die feindliche Linie) [366]. — De Grasses Gefangennahme[369]. — Kritik der Schlacht [370]. — Rodney unterläßt die Verfolgung[372]. — De Grasses Beurteilung in Frankreich, sein weiteresSchicksal [372]. — Bewegungen der Flotten nach der Schlacht [373]. —Folgen der Schlacht [374]. — Der Krieg in Westindien zu Ende (Rodneyabberufen); Kritik desselben [374]. — Lage in Nordamerika Ende 1782 [375].— Der Plan der Verbündeten gegen Jamaika für 1783 kommt infolge derFriedenspräliminarien nicht mehr zur Ausführung [375].[354–376]
Der Krieg in Ostindien 1778–1783. Vorgänge in Indien 1763bis 1778 [376]. — Ausbruch des Krieges; die Engländer nehmen Chandernagoreund Masulipatam; Seegefecht vor Pondichery 10. August 1778[378]. — England verstärkt die Station (Admiral Hughes, Personalien) [378].— England im Kampfe mit Haidar Ali und den Mahratten 1778–1781 [379].— Die Franzosen benützen diese Lage nicht, Untätigkeit ihres Geschwaders(d'Orves) [380]. — Die Engländer besetzen die holländischen Plätze Negapatam1780 und Trincomali (Ceylon) 1781 [380]. — Ein französischesGeschwader (Suffren, Personalien) und ein englisches (Johnstone) segelnvon Europa zur Kapkolonie 1781 [380]. — Die Schlacht vor Porto Praya(Kapverdeninseln; Suffren gegen Johnstone) 16. April 1781 [382]. — Beurteilungder Führer [383]. — Suffren versorgt die Kapkolonie, Johnstonekommt zu spät [384]. — Suffren und Hughes in Indien, ihre Lage undihre Aufgaben [384]. — Die Schlacht bei Sadras 17. Februar 1782 (taktischbemerkenswert; Suffren greift Hughes' Linie hinten mit Übermacht an,wird aber von seinen Kommandanten nicht unterstützt) [385]. — Suffrenerreicht Pondichery, tritt mit Haidar Ali in Verbindung, Cuddalore kapituliert[387]. — Hughes segelt nach Trincomali, Suffren folgt; die Schlacht beiProvidien 12. April 1782 [388]. — Suffren befolgt den Befehl, Indien zuverlassen, nicht [390]. — Die Schlacht bei Negapatam 6. Juli 1782 S [391]. —Suffren enthebt drei Kommandanten ihres Kommandos [393]. — Seinegeschickten Maßnahmen zur Instandsetzung der Flotte [393]. — Der Landkrieggünstig für England [394]. — Hughes geht im Oktober 1782 nach Bombayund erhält Verstärkungen [397]. — Verzögerung der französischenVerstärkungen unter General de Bussy [398]. — Suffren segelt im Oktobernach Atchin, kehrt aber schon im Januar 1783 zur Koromandelküste zurück[398]. — Tod Haidar Alis; Bussy trifft ein; Suffren rüstet in Trincomali aus[399]. — Hughes kommt im April zur Koromandelküste zurück, die Engländerschließen Cuddalore zu Lande und zu Wasser ein; Suffren erscheintzum Entsatz [400]. — Die Schlacht bei Cuddalore 20. Juni 1783 [400]. —Ende des Krieges; Suffrens Rückreise nach Frankreich ein Triumphzug [402]. —Kritik des Krieges in Ostindien [403].[376–404]
Der Kleine Krieg im allgemeinen [404]. — Der Kreuzerkriegder Amerikaner [405]. — Kapitän Paul Jones in den europäischen Gewässern[406].[404–407]
Der Frieden von Versailles 3. September 1783 [407]. —Uebertriebene Ansicht von der Wirkung der Schlacht von Dominica aufden Friedensschluß [408]. — Die Friedensbedingungen [409].[407–409]
Schlußbetrachtungen über Strategie: die Ziele derVerbündeten und die sich daraus für sie ergebenden Angriffsobjekte [410].— Fehlerhafte Strategie Englands, überall einem Angriff gewachsen zusein [411]. — Fehler der Verbündeten, die Kräfte zu zersplittern und nichtum die Seeherrschaft im großen zu kämpfen [412]. — Aussprüche Mahanshierzu [414].[409–415]
Über Taktik: Die vielen rangierten Schlachten des Krieges bietenreiches Material zur Beurteilung des Standes der Taktik im vierten Abschnitte414. — Rodneys und Suffrens Versuche zur Änderung derselben [415].
Sechstes Kapitel: Nebenkriege 1740–1793[417–442]
Kämpfe mit den Barbaresken. Englands, Hollands, Frankreichsund Spaniens Maßnahmen gegen den Seeraub [417]. — Beschießungafrikanischer Städte durch die Franzosen [418].[417–418]
Der Schwedisch-Russische Krieg 1741–1743. Anlaßdes Krieges [418]. — Die Streitmittel der Gegner [419]. — Der Verlaufdes Krieges [419]. — Frieden von Abo 18. August 1743 [420]. — Ein ZusammenstoßDänemarks mit Schweden durch Rußland verhindert [420].[418–420]
Die schwedische und die russische Marine imSiebenjährigen Kriege 1756–1763. Aufstellung gemeinsamerFlotten der nordischen Staaten zur Abwehr der englischen; Beschießungenvon Kolberg 1760 und 1761 [421]. — Tätigkeit der schwedischen Schärenflottean der pommerschen Küste; Gefecht beim Reppiner Haken gegeneine preußische Flottille am 11. September 1758 [421]. — Stellung Friedrichsdes Großen zur Schaffung einer Flotte [422].[421–422]
Der Russisch-Türkische Krieg 1768–1774. Anlaß zumKriege [422]. — Die russische Ostseeflotte unter Alexej Orlow (nebstSpiridoff und Elphinstone) in Griechenland 1770; Vernichtung der türkischenFlotte bei Tscheschme 5. Juli 1770 [423]. — Orlow an der syrischenKüste; der Frieden von Kücük-Kainardschi, 21. Juli 1774, wichtig für RußlandsStellung am Schwarzen Meere [424].[422–424]
Der Russisch-Türkische Krieg 1787–1791. Anlaß zumKriege; der Verlauf des Landkrieges [424]. — Tätigkeit der russischenSchwarze-Meer-Flotte (Unterstützung der Belagerung von Otschakow 1788,Vertreibung der türkischen Flotte aus dem Schwarzen Meere 1791); derFriede von Jassi begründet Rußlands feste Stellung am Schwarzen Meere9. Januar 1792 [425].[424–425]
Der Schwedisch-Russische Krieg 1788–1790. Anlässezum Kriege; König Gustavs Plan gegen Petersburg [425]. — Die Seestreitmittelder Gegner (die „Armeeflotte“ Schwedens) [426]. — Der Aufmarschder Schweden 1788 [427]. — König Gustavs Ultimatum mit schroffenForderungen an Kaiserin Katharina; die Bewegungen der Hochseeflotten;Schlacht bei Hogland (Herzog Karl von Södermanland gegen Greigh) 17. Juli1788 [428]. — Der Schären- und Landkrieg 1788; König Gustav III. mußdie Belagerung von Frederikshamn wegen Empörung im Heere (Anjalabund)aufgeben [429]. — Erfolgloser Angriff Dänemarks auf Schweden 1788 [430].— Gründe der schwedischen Mißerfolge [430]. — Die Tätigkeit der Hochseeflotten1789; Schlacht bei Öland (Herzog Karl gegen Tschitschakoff)26. Juli 1789 [431]. — Die schwedische Flotte in Karlskrona blockiert[431]. — Der Land- und Schärenkrieg 1789 [432]. — Die Schärenschlachtim Svensksunde 24. August [433]. — Kritik des Jahres 1789 [434]. —Friedensunterhandlungen scheitern an Katharinas Forderungen; neuerPlan Gustavs für den Angriff auf Petersburg 1790 [434]. — Die Schwedenüberrumpeln Raagervik 17. März [435]. — Die Schlacht bei Reval (HerzogKarl gegen Tschitschakoff) 13. Mai 1790 [435]. — Die schwedische Küstenflottegreift Frederikshamn 15./19. Mai erfolglos an und dringt bis zur Wiborgbuchtvor [436]. — Seeschlacht in der Kronstädter Bucht 3./4. Juni (HerzogKarl gegen Kruse) [436]. — Die schwedische Hochseeflotte zieht sich indie Wiborgbucht zurück und wird nebst der Küstenflotte durch Tschitschakoffund Kruse blockiert [438]. — Durchbruch der Schweden 3. Juli 1790 [439].— Zweite Schlacht im Svensksunde 9. Juli; eine schwere Niederlage derRussen [440]. — Kritik des Jahres 1790 [441]. — Der Frieden zu Werelä14. August 1790; die Ergebnisse des Krieges [441].[425–442]
Verzeichnis der Seekriege und Seeschlachten[443]
Sach- und Namenverzeichnis[446]


Wichtigste Quellen-Literatur.

A. Werke allgemeinen Inhalts[1].

Abkürzung, im
Text gebraucht:
[2]W. Laird Clowes: The Royal Navy. A history of the earliest time to the present. London 1897–1901. 6 Bde.Clowes III,
IV.
Band III 1715–1783. Band IV Minor Operations, Voyages and Discoveries 1763–1792.
[2]P. H. Colomb, Rearadmiral: Naval warfare. Its ruling principals and practice historically treated. London 1891.Colomb.
J. Campbell[3] und seine Fortsetzer: Lives of the British Admirals: containing an accurate Naval History from the earliest periods. London 1817. 8 Bde.Campbell.
Band IV bis 1756, V bis 1779, VII bis 1801. In neueren Werken oft benutzt, namentlich hinsichtlich Zahlenangaben.
[2]A. T. Mahan, Captain U. Navy: Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte. Erster Band 1660–1783. Übersetzung Berlin 1898.Mahan I.
[2]C. Chabaud-Arnault, Capitaine de Fregatte: Histoire des flottes militaires. Paris et Nancy 1889.Chab.-
Arnault.
[2]O. Troude (publié par P. Levot): Batailles navales de La France. Paris 1867/68. 4 Bde.Troude I,
II.
Band I 520–1778, Band II 1778–1795.
Comte de La Peyrouse Bonfils: Histoire de la Marine Française. Paris 1843. 3 Bde. Bd. I 1643–1778, Bd. II 1778–1789.Bonfils I,
II.
L. Guérin: Histoire maritime de France. Paris 1851.
In neueren Werken oft angezogen.
[2]J. C. de Jonge: Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen. Haarlem 1858. 10 Bde.de Jonge.
Band IV 1707–1783.
F. C. Duro: Armada Espagnola desde la unión de los reinós de la Castilla y de Leon et Aragon. Madrid 1895–1903. 9 Bde.
Genaueste Geschichte der spanischen Marine.
J. R. Spears: The history of our navy from its origin to the present day. 1775–1897. 4 Bde. New York 1897.Spears.
Band I enthält die erste Gründung einer Marine der Vereinigten Staaten und deren Verwendung im Befreiungskriege 1775–1783.
E. Maclay: A history of the United States navy from 1775 to 1902. 3 Bde. London 1894, 1902.
Wie vorstehend.
C. A. Gyllengranat: Sveriges sjökrigshistoria i sammandrag. Carlskrona 1840. 2 Bde.
P. O. Bäckström: Svenska Flottans Historia. Stockholm 1884.
Sir G. Clarke: Russia's Sea-Power past and present or of the Rise of the Russian Navy. London 1898.
F. T. Jane: The imperial Russian Navy, its Past, Present and Future. London 1899.
O. Wesselage: Kurze Geschichte der russischen Seegefechte in zwei Jahrhunderten 1656–1858. Petersburg 1893–1895. 2 Bde.
In russischer Sprache.
Kirchhoff, Vizeadmiral z. D.: Seemacht in der Ostsee. Ihre Einwirkung auf die Geschichte der Ostseeländer im 17. und 18. Jahrhundert. Kiel 1907.Kirchhoff.
Behandelt eingehend die schwedischen, dänischen und russischen Kriege und bringt sehr genaue Angaben über die innere Geschichte der nordischen Marinen.
A. Zimmermann: Die europäischen Kolonien. Ihre Entstehung, Entwicklung, Erfolge und Aussichten. Berlin 1896–1903. 5 Bde.Zimmermann.
Band I Portugal und Spanien; Band II und III England; Band IV Frankreich; Band V Holland. Bemerkenswert für die Kriege der europäischen Völker gegeneinander in den Kolonien, besonders für die Kämpfe am Lande.

Fußnoten:

[1] Außer den hier aufgeführten Werken sind im Band I, „Wichtigste Quellenliteratur“, XVIII ff., noch verschiedene, meist ältere Werke erwähnt; du Sein, v. Henk, Steinitz, Schomberg, Southey, Allen, Joinville; vgl. auch die Fußnoten XXI dort.

[2] Die auf diese Weise gekennzeichneten wichtigen Werke sind auf ihren Inhalt bereits im ersten Bande XVIII ff. näher besprochen.

[3] Im Quellenverzeichnis des I. Bandes ist irrtümlich eine Ausgabe von 1873 angegeben; es ist dies nur ein kleines Werk von 382 Seiten unter gleichem Titel.

B. Werke besonderen Inhalts.

I. Seekriegsgeschichtlichen Inhalts.

Abkürzung, im
Text gebraucht:
E. Chevalier: Histoire de la marine française depuis les débuts de la monarchie jusqu'au traité de paix de 1763. Paris 1902.
Derselbe: Histoire de la marine française pendant la guerre de l'indépendance américaine. Paris 1877.Chevalier II.
G. Lacour-Gayet: La marine militaire de la France sous le règne de Louis XV. Paris 1902.Lacour I.
Derselbe: La marine militaire de la France sous le règne de Louis XVI. Paris 1905.Lacour II.
Die Werke Chevaliers und Lacour-Gayets sind wichtig für die Kriege des zweiten Bandes. Sie sind weit objektiver gehalten als die älteren französischen Quellen und sie ergänzen sich in wertvoller Weise. Chevalier beschreibt, besonders in seinem zweiten Buche, die Operationen und Schlachten genauer. Lacour-Gayet hält sich allgemeiner, bringt aber viele Angaben, Briefe und Berichte, die Auskunft über die inneren Verhältnisse der französischen Marine geben; seine Bücher enthalten auch vollzählige Listen über die verwendeten Flotten und Geschwader mit Angabe von Personalien sämtlicher auf diesen befindlichen Offizieren.
Ch. Ekins: Naval battles 1744–1814. London 1824.
E. K. Rawson: Twenty famous naval battles, Salamis to Santiago. London 1900. 2 Bde.
J. Drinkwater: A history of the siège of Gibraltar 1779–1783. With a description and account of that garrison from the earliest times. London 1905. (Neudruck einer Ausgabe von 1786.)
J. Roux: Le Bailli de Suffren dans l'Inde. Marseille 1862.
H. Moris: Journal de bord du Bailli de Suffren dans l'Inde 1781–1784. Avec préface par le Vice-amiral Jurien de la Gravière. Paris 1888.
Trublet: Histoire de la campagne de l'Inde par l'escadre française, sous les ordres de M. le Bailli de Suffren 1781–1783. Paris 1892.
G. v. Schantz: Historia öfver Kriget emellan Sverige och Ryssland 1788–1790. Stockholm 1817 und 1818. 2 Bde.
R. Ungermann: Der russisch-türkische Krieg 1768–1774. Wien und Leipzig 1906.

II. Biographischen Inhalts.

Abkürzung, im
Text gebraucht:
A. Barbou: Les grands marins de France. Histoire populaire de la marine française depuis les temps anciens jusqu'à nos jours. Paris 1885.
Kurz gefaßt, gut illustriert.
Vicomte de Noailles: Marines et soldats français en Amérique pendant la guerre de l'indépendance des États-Unis 1778–1783. Paris 1903.
J. K. Laughton: From Howard to Nelson. Twelve sailors. London 1900. 2 Bde.
Der zweite Band enthält Aufsätze über Anson, Hawke, Boscawen, Rodney, Howe, Hood. (Jervis, Nelson.)
J. Barrow: The life of Lord Anson. London 1839.
Derselbe: The life of Richard Earl Howe. London 1838.
Burrows: The life of Edward Lord Hawke. London 1883.
D. Hannay: Rodney. London 1903. (2. Aufl.)
Mundy: The life and correspondence of the late admiral Lord Rodney. London 1830. 2 Bde.

III. Taktischen und strategischen Inhalts.

Abkürzung, im
Text gebraucht:
[4]P. Hoste: L'Art des armées navales ou traité des évolutions navales. Lyon 1697.
Bigot de Morogues: Tactique navale ou traité des évolutions et des signaux. Paris 1763.
Bourdé de Villehue: Le manoeuvrier ou essai sur la théorie et la pratique des mouvements du navire et des évolutions navales. Paris 1769.
J. Clerk: An essay on naval tactics systematical and historical with explanatory plates. 2. Edition. Edinburgh 1804.
Die erste Auflage erschien 1790, war aber schon 1782 in wenigen Exemplaren gedruckt und der Inhalt überhaupt einigen englischen Seeoffizieren bekannt. — Der Verfasser zeigt an der Hand der Beschreibung von 14 Schlachten die Nachteile der bis dahin gebräuchlichen Angriffstaktik und macht Vorschläge, wie der Gegner an einer Stelle überlegen anzugreifen sei.
A. Ramatuelle: Cours élémentaire de tactic navale, dédié à Bonaparte. Paris 1802.
Verfasser diente in der französischen Marine in den Kriegen des vierten Abschnittes.
Julien Corbett: Fighting Instructions 1530–1816. Publications of the Navy Records Society. Vol. XXIX. London 1905.
Die Entwicklung der Gefechtsvorschriften in der englischen Marine.
Derselbe: Signals and Instructions 1776–1794. Ebendort Vol. XXXV. 1909.
Ein Aufsatz, in dem der Verfasser nach neuesten Forschungen bisherige Ansichten, auch seine eigenen, über die Entwicklung der Seetaktik teilweise modifiziert.
Glatzel, Kapitän zur See: Die Entwicklung der Seetaktik in der Zeit Rodneys und Howes. Marine-Rundschau 1909, Heft IV.
Bespricht vorstehenden Aufsatz Clerks.
Julien Corbett: England in the seven years war, a study in combined strategy. New York 1907. 2 Bde.
Strategische Betrachtungen enthalten ferner in reichem Maße die oben schon erwähnten Werke von Colomb und Mahan, letzteres auch solche über Taktik.

Fußnote:

[4] Vgl. Anmerkung zu Seite XIV.

IV. Technischen Inhalts.

Abkürzung, im
Text gebraucht:
L. Arenhold, Marinemaler und Kapitänleutnant der Reserve: Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891.Arenhold.
30 Heliogravüren mit erläuterndem Text veranschaulichen die Entwicklung des Schiffbaues, der Takelage und der Armierung.
J. Charnock: A history of marine architecture, including an enlarged and progressive view of the nautical regulations and naval history, both civil and military, of all nations, especially of Great-Britain. London 1800–1802. 2 Bde.Charnock.
In den besten neueren Werken über Seekriegsgeschichte als Quelle für Entwicklung des Seewesens oft benutzt. Auch bemerkenswert für die Kriege des vierten Abschnittes wegen genauer Angaben über die Seestreitkräfte der Gegner hinsichtlich ihrer Schiffsbestände (mit Namen der Schiffe) vor und nach den Kriegen, sowie über die Verluste während derselben.
A. Jal: Archéologie navale. Paris 1840. 2 Bde.
Tj. Schwarz: Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903.
Enthält bemerkenswerte Angaben über die Entwicklung der Segellinienschiffe.
Angaben über Schiffe, Waffen usw. enthalten ferner die oben angeführten Werke von Laird-Clowes (Kapitel civil history), Colomb (Kapitel V über Schiffsklassen), Troude (Band I, Introduction); solche über Organisation und Personal (innere Geschichte der Marinen), die Werke von Laird Clowes (englische Marine), de Jonge (holländische Marine), Chabaud-Arnault und Lacour-Gayet (französische Marine), Kirchhoff (dänische, schwedische, russische Marine).

Verzeichnis der Abbildungen.

Bildnisse.

Seite
George Brydges Rodney. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[Titelbild]
George Lord Anson. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[70]
Admiral Thomas Mathews. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[75]
Marquis de La Gallissonnière. Nach einer alten Lithographie nach A. Maurin[134]
Admiral The Hon. John Byng. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[137]
Admiral The Hon. John Byng. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[155]
Comte d'Estaing. Nach einer alten Lithographie nach A. Maurin[259]
Richard Earl Howe. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[260]
Samuel Barrington. Nach John Campbell, Life of the British Admirals. Bd. IV. London 1812. C. J. Barrington[273]
De Guichen. Nach Vicomte de Noailles: Marines et soldats français en Amérique pendant la guerre de l'indépendance des États-Unis 1778–1783. Paris 1903[300]
Johan Arnold Zoutman. Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen. 2. Aufl., Bd. IV. Haarlem 1861. A. C. Kruseman[320]
De Grasse. Nach einer alten Lithographie nach A. Maurin[327]
Samuel Hood. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. IV. London 1899. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[355]
P. A. de Suffren. Nach G. Lacour-Gayet, La Marine Militaire de la France sous le règne de Louis XVI. Paris 1905. Honoré & Champion[377]
Captain John Paul Jones. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. IV. London 1899. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[406]

Abbildungen von Schiffen.

Seite
Englisches Linienschiff „The Terrible 74“. Den Franzosen 1747 abgenommen. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.[12]
Heck eines französischen Linienschiffes. Aus Tjard Schwarz, Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. Mittler & Sohn[12]
Französisches Linienschiff „Sans Pareil“, 1770. Aus Tjard Schwarz, Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. Mittler & Sohn[13]
Einblick in eine Batterie eines Segellinienschiffs. Aus Tjard Schwarz, Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. Mittler & Sohn[20]

Schlachtpläne und Uebersichtsskizzen.
(Nach Skizzen des Verfassers.)

Seite
Skizze zur Erläuterung der Taktik[41]
Hafen von Cartagena[65]
Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744[76]
Schlacht bei Minorka, 20. Mai 1756[138]
Die Quiberonbucht[156]
New York und Umgebung[235]
Schlacht bei Grenada, 6. Juli 1779[277]
Schlacht bei Martinique, 17. April 1780[301]
Schlacht vor der Chesapeakebucht, 16. März 1781[333]
Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781[338]
Schlacht bei St. Christoffer (St. Kitts), 25. Januar, und Ankergefecht, 26. Januar 1782[357]
Schlacht bei Dominica, 9. April 1782[362]
Schlacht bei Dominica (Les Saintes), 12. April 1782[366] u. [368]
Schlacht vor Porto Praya, 16. April 1781[382]
Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782[386]
Schlacht bei Providien, 12. April 1782[388]
Schlacht bei Negapatam, 6. Juli 1782[392]
Schlacht bei Trincomali, 3. September 1782[395]


Vierter Abschnitt.
Die Zeit von 1739–1793.

Kennzeichen des Abschnittes.

Vergrößerung der Schlachtschiffe bei gleicher Kanonenzahl; größere Gleichmäßigkeit innerhalb der verschiedenen Klassen; Bevorzugung der bisherigen Linienschiffe mittlerer Größe; Verbesserung und Vermehrung der Fahrzeuge zu besonderen Zwecken, Einführung schwererer Fregatten. — Die Taktik wird schematisch gehandhabt und führt zu meist unentschiedenen Schlachten, erst gegen das Ende des Abschnittes gewinnt sie neues Leben. — Die Meere der Kolonien werden in den Seekrieg mit einbegriffen, das Bereich der Strategie wird dadurch erweitert.

Erstes Kapitel.

Einleitung.
Geschichtlicher Überblick über den Abschnitt[5].
Seine Bedeutung für die Entwicklung des Seekriegswesens.

Geschichtlicher Überblick. Der dritte Abschnitt, die Zeit von 1648–1739 umfassend, zeitigte bis zum Frieden von Utrecht[6] fünf große Seekriege. Ihr letzter, der Spanische Erbfolgekrieg 1702–1713, hatte England zum Gebieter der Meere gemacht. Die Zeit von 1713–1739[7] brachte infolge der Friedenspolitik der Minister Walpole in England und Fleury in Frankreich keine großen Seekriege, obgleich Zündstoff für Zusammenstöße der Großstaaten am Weltmeere genügend vorhanden war: Zwischen Spanien-Frankreich einerseits und England-Holland anderseits schärften sich seit Erhebung der Bourbonen auf den spanischen Thron die handelspolitischen Gegensätze bedenklich.

Die im Frieden von Utrecht zwischen Spanien und England über den Handel in Westindien und Spanisch-Amerika geschlossenen Verträge waren auf die Dauer unhaltbar. Die Zugeständnisse, die Spanien gemacht hatte (Assientovertrag), konnten England nicht genügen; sie riefen bald eine unrechtmäßige Ausnutzung seitens der Engländer — einen weitgehenden Schmuggelhandel — und dadurch ebenso ungesetzliche Gewaltmaßregeln der Spanier hervor. Diese Reibungen bildeten eine stete Bedrohung des Friedens. Anderseits hatte Spanien 1733 auch Frankreich große Vorteile im Handelsverkehr gewährt. In Frankreich wuchs die Einsicht von der Notwendigkeit maritimer Ausdehnung. Während der Friedensjahre nahm der französische Seehandel schnell zu und die Kolonien blühten auf; in Westindien erlangten sie das Übergewicht über die englischen und in Ostindien bildete sich ein französisch-indisches Reich, ähnlich dem jetzigen englischen. Das englische Volk aber war gewillt, jede Nebenbuhlerschaft auf der See und über der See zu unterdrücken. Zwischen Frankreich und England harrte ferner der Streit um die Vormacht in Nordamerika des Austrages; nicht einmal die Grenzen zwischen den beiderseitigen Kolonien waren hier endgültig festgesetzt und auch über den Besitz des nördlichen Teiles von Neu-Braunschweig war noch keine Entscheidung getroffen. Spanien sowohl wie Frankreich mußte es endlich ein Dorn im Auge sein, Gibraltar und Minorka als Stützpunkte zur Beherrschung des Mittelmeeres und seines Ausganges im Besitze Englands zu sehen.

Anlässe zum Kriege waren also zur Genüge vorhanden, und wir wissen (vgl. Band I, Seite [598]), daß sich Frankreich und Spanien in einem geheimen Defensivbündnisse verständigt hatten, bei geeigneter Gelegenheit gemeinsam gegen England vorzugehen; 1735 hatten diese Staaten ja bereits das Königreich Beider Sizilien unter bourbonischen Einfluß gebracht. So zeigt uns denn der vierte Abschnitt in dem kurzen Zeitraum von 43 Jahren drei große Seekriege. In diesen treten sich als Hauptgegner England und Frankreich gegenüber, Spanien sowie Holland spielen eine Nebenrolle: Hollands Seestreitkräfte waren sehr zurückgegangen, und auch die Spaniens, die zwar unter den Bourbonen (besonders unter Karl III. 1759–1788) wieder an Stärke gewannen, erreichten nicht die Bedeutung der französischen und englischen Seegeltung.

Die Reibungen in den westindischen Gewässern führten 1739 zu einem Kriege zwischen England und Spanien und eröffneten die großen Kämpfe zur See, die sich wie die letzten Kriege des vorigen Abschnittes an große Landkriege anschlossen.

Um das Jahr 1740 befand sich Europa in einem politischen Zustande, der bedeutende Umwälzungen ahnen ließ. Seit dem Spanischen Erbfolgekriege lag die Summe der politischen Weisheit in der Erhaltung des europäischen Gleichgewichtes zwischen den Großmächten Österreich, England, Frankreich, Holland, und nach dem Utrechter Frieden waren diese Staaten bestrebt, den seitdem geschaffenen Zustand zu erhalten; diese Sorge führte dann aber gerade zwei große europäische Kriege herbei. Neben den Fragen maritimer Bedeutung bedrohten auch andere, für die allgemeinen Interessen noch wichtigere das so ängstlich gehütete Gleichgewicht und damit den Frieden. Frankreichs Bestreben war weiter auf die Erwerbung der österreichischen Niederlande (Belgien) und auf die Sicherung Lothringens gerichtet, auf das es schon durch einen Erbschaftsvertrag mit König Stanislaus Leszczynski Beschlag gelegt hatte, und stieß so mit den Interessen Deutschlands, besonders Österreichs, durch die Absicht auf Belgien aber auch mit denen Hollands, ja sogar Englands, zusammen. In Deutschland hatte sich ferner eine immer schärfere Spannung zwischen Österreich und Preußen herausgebildet, und im Osten erhob sich drohend die anschwellende russische Macht; das polnische Reich war im Verfall, und die Türkei wurde immer schwächer.

Durch den Tod des Kaisers Karl VI. (Oktober 1740) kamen die Ereignisse ins Rollen. Zwar hatten fast alle Staaten die „Pragmatische Sanktion“ (vgl. Band I, Seite [594] ff.) anerkannt, durch die dem Hause Habsburg — der Kaisertochter Maria Theresia — der Bestand seiner sämtlichen Lande gesichert war, aber nach dem Tode des Kaisers traten dennoch verschiedene Mächte mit Erbansprüchen hervor. So entbrannte der Österreichische Erbfolgekrieg (1740–1748), in dem Österreich mit England, Holland und Spanien gegen Bayern, Preußen (Erster und Zweiter Schlesischer Krieg) und Frankreich focht; auch die anderen Staaten schlossen sich einer der Parteien an, und der schon begonnene Seekrieg zwischen Spanien und England lief weiter. Der Kampf um das Gleichgewicht fand dann seine Fortsetzung und seinen Höhepunkt im Siebenjährigen Kriege 1756–1763, in dem jedoch die Gruppierung der Staaten eine ganz andere war. Die Eifersucht auf das zu Bedeutung gelangte Preußen führte jetzt Rußland sowie auch Frankreich (hier hatten allerdings noch andere Umstände ebenso großen Einfluß) auf die Seite Österreichs, um dem Werden eines kraftvollen Staates im wiederaufstrebenden Deutschland rechtzeitig einen Riegel vorzuschieben, während England durch den jetzt zur endgültigen Entscheidung drängenden Kampf seiner Kolonien in Nordamerika mit den französischen, sowie durch des Königs Interesse an Hannover auf die Seite Preußens getrieben wurde; wiederum beteiligten sich auch andere Staaten am Kriege[8]. In diesen beiden Kriegen war England bestrebt, die Kräfte Frankreichs an den Festlandskrieg zu fesseln, indem es dessen Gegnern die Mittel zum Kampfe lieferte, und diesen Umstand sowie die Schwäche der französischen Marine zu benutzen, die eigene Seeherrschaft zu festigen und seinen Kolonialbesitz zu erweitern.

Im Österreichischen Erbfolgekriege fügte England den feindlichen Seestreitkräften empfindliche Verluste zu und errang auch Vorteile in Nordamerika, während Frankreich in Ostindien glücklicher war; die englische Seemacht wurde aber in diesem Kriege durch verschiedene Umstände an der Entfaltung ihrer ganzen Kraft behindert. Im Siebenjährigen Kriege hatte England dagegen vollen Erfolg mit seinen Plänen. Dieser Krieg brachte ihm die Herrschaft über Kanada unter Verdrängung Frankreichs aus Nordamerika, sowie Erweiterung seines Besitzes in Westindien; den großen Unternehmungen Frankreichs in Ostindien wurde ein Ende gemacht; die französischen Seestreitkräfte waren vernichtend geschlagen. Spanien, das verspätet Frankreich Hilfe zu bringen versuchte, wurde in dessen Sturz hineingezogen. Gleichzeitig hatte im Landkriege Friedrich der Große Preußens Stellung als Großmacht gefestigt; die beiden germanisch-protestantischen Mächte behaupteten den Sieg.

Der dritte große Seekrieg unseres vierten Abschnittes schließt sich an den Nordamerikanischen Freiheitskrieg 1775–1783 an, in dem Frankreich sowie Spanien auf die Seite der aufständischen Kolonien traten und in dem Holland durch England selbst zu den Gegnern gedrängt wurde. Der Krieg wurde so ein Seekrieg in allen Meeren, es handelte sich für England nicht nur um die Herrschaft über seine Kolonien, sondern auch um die Erhaltung seiner Obmacht zur See.

Frankreichs Kraft war jetzt nicht durch einen Landkrieg in Europa abgelenkt, England selber mußte einen solchen in Amerika führen, und dabei waren die Marinen Frankreichs sowie Spaniens wesentlich erstarkt. Dieser Krieg war denn auch für England sehr gefahrdrohend und brachte ihm keine Erfolge. Zwar hielten seine Seestreitkräfte den vereinten feindlichen das Gegengewicht, blieben eigentlich die überlegenen, und ein letzter Versuch der Franzosen, in Ostindien wieder die Übermacht zu gewinnen, wurde vereitelt, aber die nordamerikanischen Kolonien erlangten ihre Unabhängigkeit (hauptsächlich durch die Unterstützung der französischen Flotte) und Minorka ging verloren. Die Tatsache endlich, daß die französische Flotte in diesem Kriege die See gehalten hatte, war von großer Bedeutung. Das französische Volk wandte sich mit lebhafterem Interesse dem Seewesen zu; Aufschwung des Seehandels, der Kolonien, sowie Pflege der Marine waren die Folge. In der Marine herrschten Selbstvertrauen und Streben; sie würde in einem neuen Seekriege eine wuchtige Waffe geworden sein, wenn nicht die Revolution gerade für sie die verhängnisvollsten Folgen gehabt hätte.

Am Ende unseres Abschnittes war gegen die Zeit des Westfälischen Friedens eine völlige Umgestaltung Europas abgeschlossen. Das kolonienreiche Spanien, die Militärmacht Schweden und das seemächtige Holland waren aus der Reihe der maßgebenden Staaten gestrichen; zwei neue Mächte, Preußen und Rußland, waren schnell aufgestiegen und bildeten jetzt mit den alten, England, Frankreich und Österreich, die Vorherrschaft der fünf Großmächte, von denen die Politik des Weltteils abhing. — England begann sich zu einem außereuropäischen Weltreich auszudehnen und die Vereinigten Staaten von Nordamerika waren als eine anglo-germanische und protestantische Macht entstanden.

Nebenkriege, wie wir weiter die Seekriege nennen wollen, die nicht von ausschlaggebender Bedeutung für die allgemeine Weltgeschichte und für die Entwicklung des Seekriegswesens waren, sind im vierten Abschnitt folgende:

Der Russisch-Schwedische Krieg 1741–1743, der im Zusammenhange mit dem Österreichischen Erbfolgekriege steht; die Beteiligung der schwedischen sowie der russischen Seestreitkräfte am Siebenjährigen Kriege; die Russisch-Türkischen Kriege von 1768–1774 und von 1787–1792; der Russisch-Schwedische Krieg 1788–1790.

Diese Nebenkriege werden im Kapitel VI besprochen.

Bedeutung des Abschnittes für die Seekriegsgeschichte und für die Entwicklung des Seekriegswesens. Die großen Seekriege dieses Abschnittes haben eine bezeichnende Eigenschaft, die sie von den früheren unterscheidet. Bisher[9] hatten die Kämpfe in den Gewässern der Kolonien nur den Charakter des Kleinen Krieges. Sie bestanden in Angriffen auf die Niederlassungen und den Handel dort behufs Schädigung des Feindes sowie eigener Bereicherung; die dazu verwendeten Seestreitkräfte waren nur gering. Von nun an aber, und in den Kriegen dieses Abschnittes ganz besonders, bleiben die Ereignisse in den fernen Meeren nicht mehr nur Ausläufer des in Europa und seinen Gewässern ausgefochtenen Entscheidungskampfes; die Weltgeschichte ist nicht mehr die Geschichte Europas, sondern die der atlantischen Welt.

Die Kolonien hatten eine höhere und stetig wachsende Bedeutung für die europäischen Staaten gewonnen, sie bildeten einen Teil der Gesamtstaaten, von dem die Vermehrung des Nationalwohlstandes abhing. Sie erzeugten in regelmäßigem Anbau Produkte, die der europäische Markt nicht mehr missen konnte und waren als Abnehmer heimischer Erzeugnisse unentbehrlich geworden; es wurde aus diesem Grunde notwendig, den Verkehr zwischen ihnen und dem Mutterlande auch im Kriege zu behaupten. Deshalb schließen sich an den Hauptkriegsschauplatz in den europäischen Gewässern überseeische Schauplätze an, ja diese werden zuweilen die wichtigeren, und zwischen beiden muß die Verbindung aufrechterhalten werden, da von der Kraftquelle in der Heimat die Leistungen draußen abhängen. Alle diese Gründe rufen den Kampf um die Seeherrschaft im weitesten Sinne hervor und der Strategie zur See wird damit ein größerer Spielraum angewiesen.

Es erscheint nun auffällig, daß erst in dem letzten der drei Seekriege große Flotten auftreten; dies war hauptsächlich eine Folge der Schwäche der französischen Marine. In Frankreich war zwar der Aufschwung des Seehandels und der Kolonien während der Friedensjahre seit 1713 volkstümlich, aber die Regierung stand ihm kalt und mißtrauisch gegenüber. Sie ließ die Marine mehr und mehr verfallen, ja noch während der beiden ersten Kriege wurde wenig für sie getan; der Landkrieg sog die Hilfsquellen auf. Die vorhandenen Seestreitkräfte wurden außerdem zersplittert, Frankreich führte diese Seekriege lau und ohne strategisches Verständnis für ihre Wichtigkeit. Erst nach den maritimen Niederlagen und Verlusten im Siebenjährigen Kriege hob man auf Drängen des Volkes die Marine und sie trat nun im letzten großen Kriege, im Verein mit der gleichfalls erstarkten spanischen, mächtiger und tatkräftiger auf als je zuvor. Dieser Krieg wurde zwischen den europäischen Gegnern zu einem reinen Seekriege mit großen Flotten in allen Meeren.

Die Bedeutung der Kolonien. Im ersten Bande (Kapitel XII) ist eine kurze Geschichte der Kolonien gegeben, um deren Umfang, ihren Wert für die Besitzer und ihre innere Kraft um 1740 zu veranschaulichen; die Weiterentwicklung ihrer Verhältnisse[8] wird bei jedem der nun folgenden Kriege berührt werden. Bei der Wichtigkeit, die die Kolonien für sie haben, soll hier nochmals die Stellung der Gegner außerhalb Europas vor Augen geführt werden; der Einfluß der Kolonien auf die Strategie ergibt sich daraus.

In Nord-Amerika besaß England 13 Kolonien, die späteren „Vereinigten Staaten“: Die vier nördlichen oder Neuengland-Staaten: Newhampshire, Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die fünf mittleren: New York, New Jersey, Delaware, Pennsylvanien, Maryland; die vier südlichen: Virginien, Nord- und Südcarolina, Georgia. Diese Kolonien hatten 1740 schon eine Bevölkerung von etwa 1200000 Weißen und 200000 Negern, die schnell weiter zunahm (1760: 1385000 Weiße, 310000 Neger; 1770 insgesamt 2312000 und 1780 2943000 Seelen). Die Einwohner waren Ackerbauer, Kaufleute, sowie Seeleute und hingen noch mit Begeisterung am Mutterlande, wenn sie auch im wesentlichen auf sich angewiesen waren und sich selbst regierten. An einer solchen Bevölkerung, die außerdem auf die Franzosen sowie die Kanadier sehr eifersüchtig war, und an einem in jeder Beziehung ertragsfähigen Lande mit langer Seeküste und guten Häfen, in dem schon viel für die Entwicklung des Seewesens getan war (für Kriegsflotten voll leistungsfähige Werften gab es allerdings noch nicht), hatte England in den beiden ersten Kriegen eine sichere Basis auf der westlichen Halbkugel.

Frankreich besaß Kanada und Louisiana, worin das ganze Ohio- und Mississippi-Tal als notwendiges Glied zwischen dem St. Lorenz-Strom und dem Golf von Mexiko einbegriffen war. Dieses Zwischengebiet war jedoch nur schwach besetzt, und England erkannte Frankreichs Anspruch darauf nicht an. Die Stärke der französischen Stellung lag in Kanada, das 1740 etwa 50000 Weiße zählte (1760 etwa 80000). Die Ansiedler beschäftigten sich hier nur soweit mit Handel und Landwirtschaft, wie es für ihre unmittelbaren Bedürfnisse nötig war, in erster Linie lebten sie von der Jagd und dem Waffendienst. Eine militärische und mönchische Regierung hemmte Unternehmungslust sowie freie Verbindung zu gemeinsamen Zielen; selbst die für die Schiffahrt im Innern nötigen Fahrzeuge mußte man größerenteils in den englischen Kolonien kaufen. Kanada bot so und auch infolge der weiteren Entfernung von Westindien sowie seines rauhen Winterklimas vom militärisch-seemännischen Standpunkte aus für Frankreich weit weniger Nutzen als die englischen Kolonien für England; ein Vorteil Kanadas war wohl, daß es unter einheitlicher Verwaltung stand, während die englischen Provinzen nur lose zusammenhingen und nicht immer einig waren.

Bei der Schwäche der Bevölkerung und den geringen Hilfsmitteln des Landes lag das Geschick Kanadas in einem Kriege ganz in der Unterstützung durch die Seemacht Frankreichs, die sich entweder in unmittelbarer Beherrschung der benachbarten Gewässer oder in der Ablenkung des Gegners durch Bedrohung anderer Punkte äußern mußte. Von großer Bedeutung war hierbei der St. Lorenz-Strom, der den Zutritt bis zum Herzen des Landes gewährte; Neufundland und Neuschottland hatte Frankreich zwar schon verloren, aber es besaß in der Insel Breton mit der starken Feste Louisbourg noch den Schlüssel zum St. Lorenz-Golf. Im dritten, dem amerikanischen Befreiungskriege, gehörte Kanada England. Es bot ihm in Halifax einen Stützpunkt für die Seestreitkräfte und bildete für die anderen aufständischen Kolonien, da diese es weder zum Anschluß bringen noch erobern konnten, eine Grenze, die stets bewacht werden mußte.

Spanien besaß 1740 in Nordamerika außer Mexiko nur Florida, ungenau begrenzte weite Gebiete um die Halbinsel gleichen Namens; diese Kolonie blieb (auch als sie später in englischem Besitz war) während der Kriege von geringer Bedeutung.

In Westindien, Mittel- und Südamerika hatte Spanien die unter dem Namen „Spanisch-Amerika“ bekannten Länder im Besitz, sowie die Inseln Kuba, Portoriko und vier Fünftel von Haïti; Kuba mit etwa 140000, Haïti mit 400000 Einwohnern aller Farben. Frankreich besaß Guadeloupe (10000 Weiße, 50000 Neger), Martinique (24000 bzw. 60000), ein Fünftel von Haïti (40000, 230000) sowie[9] die kleineren Inseln Grenada, Marie Galante, St. Martin, Les Saintes, St. Croix und auf dem Festlande Cayenne. Zu England gehörten Jamaika (etwa 10000 Weiße), Barbados (20000 Weiße, 69000 Neger) sowie die kleineren Inseln Nevis, Antigua, Montserrat, Barbados, Anguilla, die Virgin-Inseln, die Bermudas und die Bahamas (alle zusammen vielleicht 15000 Weiße). Man ersieht, daß die Einwohnerzahl der französischen Inseln die der englischen beträchtlich übertraf. Auf dem Festlande besaß England an der Küste von Honduras Niederlassungen (z. B. Belize, die Insel Roatan, am Kap Honduras, 1739 erworben), die besonders als Stationen für Holzausfuhr dienten.

Die Inseln Dominica, St. Lucia, St. Vincent und Tabago, auf die sowohl England wie Frankreich Anspruch gemacht hatten, waren vorläufig (1730) als „neutrale Inseln“, den Indianern gehörig, erklärt.

Man sollte nun annehmen, daß die Eroberung der fruchtbaren Inseln vom Gegner ein Hauptziel geworden wäre, aber mit Ausnahme des spanischen Wunsches, Jamaika dauernd wiederzugewinnen, scheinen solche Pläne nie ernstlich gehegt zu sein. Das zur See mächtigere England wurde wohl durch die größere Masse des Volkes mehr auf Nordamerika hingewiesen und die kleineren westindischen Inseln, aus denen der englische Besitz hauptsächlich bestand, sind einzeln zu klein, um sie ohne unbedingte Seeherrschaft erfolgreich behaupten zu können; hiermit aber konnten die Gegner Englands nicht rechnen. So wurde gegen die Inseln von beiden Seiten mehr der kleine Krieg geführt; man sah sie gewissermaßen wie Schiffe oder Konvois mit feindlichem Gute an. Sie gehen häufig von einer Hand in die andere über; sie werden angegriffen, um sie zu brandschatzen; die Garnisonen werden gefangen genommen und die Befestigungen zerstört, um den feindlichen Seestreitkräften ihre Stützpunkte zu rauben. Die beim Friedensschluß etwa noch besetzten werden aber meist wieder zurückgegeben; nur das Schicksal der sogenannten neutralen Inseln entscheidet sich in den Kriegen unseres Zeitabschnittes; sie wurden zwischen England und Frankreich verteilt. Die Tatsache aber, daß jede der großen Mächte in Westindien, diesem Brennpunkte des Handels, Besitzungen hatte, zog kleine Geschwader, wie auch besonders im dritten Kriege große Flotten dorthin; eine große Zahl der Seekämpfe spielt sich hier ab.

In Ostindien besaß England als Hauptniederlassungen Bombay, Madras und Kalkutta; Frankreich Mahé, Pondichery und Chandernagore (am Ganges). Dieser Staat hatte großen Vorteil durch Besitz der Inseln Isle de France und Bourbon, die als Zwischenstationen auf dem Wege nach Indien, sowie als Stützpunkte in der Nähe dieses Landes dienten. Beide Staaten wurden in Indien nur durch ihre Kompagnien vertreten. Diese waren zwar um 1740 noch nicht sehr stark, strebten aber gerade in dem hier behandelten Zeitabschnitt wetteifernd dahin, ihre Macht auszudehnen, und hinter ihnen standen die Regierungen ihrer Mutterländer; die Kriege wurden deshalb auch hier von Bedeutung und berührten gleichfalls die Philippinen, die einzige Besitzung Spaniens im fernen Osten.

Die holländischen Kolonien — in Westindien nur unbedeutend, in Ostindien, mit Ausnahme eines Kontors in Negapatam, auf die Inselwelt beschränkt — wurden erst im dritten großen Kriege in den Streit verwickelt, als Holland gegen England stand; sie spielten aber auch dann nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig wurde allein das Kapland, das nun den Franzosen als eine weitere Station auf dem Wege nach Indien zur Verfügung stand.

Die sonstigen Besitzungen der Staaten in Afrika waren lediglich Handelsstationen ohne militärischen Wert.

Die Kriege des vierten Abschnittes sind ferner beachtenswert für die Fortentwicklung der Taktik. Die Engländer treten in sie ein mit rein schematischer Durchführung gewisser kühner, aber unvorteilhafter Angriffsregeln, die außerdem sowohl den Oberbefehlshaber wie die Unterführer binden und lähmen. Die Franzosen bauen gegen diese Angriffe eine Verteidigungstaktik auf, mit Verwertung der jetzt auch erkannten Vorteile der Leestellung, führen diese aber gleichfalls nur schematisch durch, anstatt errungene Vorteile durch angriffsweises Vorgehen auszunutzen. Die Folge war, daß fast alle Schlachten unentschieden blieben. Erst gegen das Ende des Zeitabschnittes brechen bedeutende Führer beider Völker (Rodney und Suffren) mit dem Schematismus, und es kommt neues Leben in die Taktik; wie im dritten Abschnitt erscheint dann auch wieder ein aufsehenerregendes Werk (das des Schotten Clerk) über seetaktische Fragen.

In der Entwicklung der Streitmittel, der Schiffe und der Artillerie, zeitigt der Abschnitt nur wenige hervorragende Änderungen. Die Klassen der Schlachtschiffe werden in sich gleichmäßiger und man verwendet als solche in erster Linie Schiffe der bisherigen mittleren Größe (zu 74 Kanonen); die Fahrzeuge zu besonderen Zwecken werden bedeutend vermehrt, schwerere Fregatten erbaut. An Geschützen führen die Engländer die Karronaden als eine für den Nahkampf besonders wirksame Waffe ein.

Fußnoten:

[5] Zu den geschichtlichen und politischen Betrachtungen hier, sowie bei Schilderung der Kriege sind besonders benützt: Schlosser, Geschichte des XVIII. und XIX. Jahrhunderts, Band II–IV; Spamers Weltgeschichte Band VII; Mahan I.

[6] Bedingungen des Friedens vgl. Band I, Seite [496]; Ergebnisse des Spanischen Erbfolgekrieges für die Teilnehmer Seite [575] und auch [159].

[7] Ebendort Kapitel X und XI.

[8] Auf die Geschichte dieser zwei großen Landkriege — auf ihre Ursachen eingehender, auf ihren Verlauf, soweit es nötig erscheint — werden wir bei der Betrachtung der sie begleitenden Seekriege zurückkommen.

[9] Vgl. Band I, Seiten [472], [483], [562], [574].


Zweites Kapitel.
Die Entwicklung des Seekriegswesens von 1740–1793.

Schiffe, Nautik (Entdeckungen), Schiffsklassen, Waffen, Personal (Organisation der Marine), Taktik.

Die Betrachtungen schließen an das zweite Kapitel des dritten Abschnittes (Band I, Seite 161–188) an. Wie dort und aus dem gleichen Grunde sind in erster Linie die englischen Verhältnisse zugrunde gelegt; wichtige Abweichungen in anderen Marinen sind jedoch angeführt oder aus den Angaben über „die Streitmittel“ vor jedem Kriege zu ersehen.

Als Hauptquellen dienten: Clowes III; Charnock III; Arenhold; Troude I; Colomb, Kapitel V; Schwarz. (Vgl. Quellenverzeichnis.)

Schiffe, Nautik, Schiffsklassen.

Wir haben im ersten Bande die Entwicklung des Einzelschiffes und die Einteilung der Schiffe in Klassen eingehend verfolgt und kamen schließlich zu dem Ergebnis, daß um 1739 in beiden Hinsichten ein gewisser Abschluß erreicht war. Die weitere Zeit der Segelschiffahrt bringt nur noch Vervollkommnungen des Einzelschiffes, dessen Typ — besonders der des Schlacht- (Linien-)schiffes — feststand, und Verschiebungen in der Klasseneinteilung. Beides vollzieht sich weiter in den uns schon bekannten Richtungen: Anstreben besserer See- und Segelfähigkeit des Einzelschiffes, sowie Vergrößerung des Raumgehalts bei gleicher Kanonenzahl; Herbeiführen von Gleichmäßigkeit der Schiffe einer Klasse, Bevorzugung der ehemaligen Mittelklasse der Linienschiffe (Nichtvermehrung der sehr schweren, Abstoßung der kleineren), sowie Vermehrung der Fahrzeuge zu besonderen Zwecken.

Englisches Linienschiff „The Terrible 74“. Den Franzosen 1747 abgenommen.

Heck eines französischen Linienschiffes.

Die Linienschiffe. Schon im 17. Jahrhundert hatte Frankreich die Führung im Schiffbau übernommen. Hier beschäftigte man sich zuerst wissenschaftlich mit Untersuchungen über Stabilität und Manövrierkunst. Auf Anregung der Académie des Sciences in Paris nahmen hervorragende Gelehrte ein reges Interesse an der Theorie des Schiffbaues, und die Schiffbauingenieure wurden sorgfältig ausgebildet. Auch noch im 18. Jahrhundert benutzten die Engländer gern eroberte französische Schiffe als Muster bei ihren Neubauten und stellten sie stets in ihre Schlachtflotte ein, während die Franzosen erbeutete englische Linienschiffe nur als Begleitschiffe aufbrauchten. Die wissenschaftliche Behandlung des Schiffbaues führte zur Vergrößerung der Schiffe, um sie seefähiger zu machen, zur Verbesserung der Formen unter und über Wasser, um die Segelkraft zur Fortbewegung und zum Manövrieren besser auszunutzen; nach Theorie und Erfahrung wurden die Verhältnisse der Hauptmaße des Schiffskörpers und der Takelage zu einander festgesetzt. An Stelle der vollen Formen des Vorschiffes treten schärfere Linien; das Heck wird gefälliger und weniger massiv, doch verschwindet hier die eigentliche Schiffsform unter überreichem bildnerischen Schmuck, sowie den Anbauten, die zugunsten einer bequemen Ausgestaltung der Wohnräume für den Kommandanten und die Offiziere, selbst auf Kosten der Armierung, angebracht wurden.

Als ein Zeichen der allmählichen Vergrößerung der Schiffe sei erwähnt, daß die Franzosen in der Zeit nach dem ersten Kriege, in den Jahren 1748 bis 1756, Zweidecker bis zu 84 Kanonen bauten, während in England Schiffe zu 80 Kanonen bis 1760 noch Dreidecker waren; dann folgte man auch hier dem Beispiele und zwar nach dem Muster eines erbeuteten Fahrzeuges. Die Dreidecker blieben stets schlechtere Seeschiffe. Sie mußten oft bei starkem Winde oder schwerem Seegange die Pforten der untersten Batterie schließen und sind mehrfach, selbst im Hafen bei Bodenreinigungen, gekentert. Sie blieben jedoch gebräuchlich, namentlich als Flaggschiffe, da sie immerhin mächtige Gefechtseinheiten waren und Platz zur Unterbringung der Geschwaderstäbe boten.

In der Anordnung der Takelage war man schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts bei dem Linienschiffe fast zur vollendeten Vollschiffstakelung gelangt: drei Masten und ein weitausladendes Bugspriet mit einem kleinen Maste; an den Masten und am Bugspriet Raasegel, am Kreuz- (Besan-) Maste ein großes Lateinsegel; auch Oberleesegel wurden schon gefahren[10]. Im Laufe des Jahrhunderts erschienen nun der Klüverbaum und die Vorsegel, die den kleinen Mast auf dem Bugspriet verdrängten, jedoch es blieben noch Raasegel am Klüverbaum (bis 1790), sowie am Bugspriet (bis 1815), da sie einem entmasteten Schiffe etwas mehr Steuerfähigkeit verliehen; zwischen den Masten traten Stagsegel auf. Das Lateinsegel am Kreuzmast wurde zum Besan, indem der untere Teil der langen Raa wegfiel und das Segel hier am Maste befestigt wurde; später wird der Rest der Raa zur Gaffel und für den unteren Rand des Segels tritt der Besansbaum zum Ausholen hinzu. Jetzt wird es auch gebräuchlich, die Flagge, die bisher an einem Flaggstock am Heck gefahren wurde, an der Besansgaffel zu heißen. Um 1790 endlich waren Oberbramsegel, sowie Unter- und Bram-Leesegel ziemlich allgemein eingeführt.

Im vierten Abschnitt wurden Schiffstypen erreicht, die allen Anforderungen genügten, wie die Blockaden beweisen, mit denen die Engländer bald darauf jahraus, jahrein die französischen Häfen geschlossen hielten. Als ein auf der Höhe seiner Zeit stehendes Linienschiff sei der französische Zweidecker „Sans Pareil“ — 84 Kanonen, gebaut 1770 — abgebildet. Dieses Schiff soll vorzüglich see-, sowie manövrierfähig gewesen sein und konnte auch in schwerem Wetter die unterste Batterie gebrauchen; es wurde von den Engländern genommen und als Vorbild benutzt. Gleichzeitige 74-Kanonenschiffe sollen ebensogut gewesen sein.

Französisches Linienschiff „Sans Pareil“, 1770.

Die Fregatten. Bis 1745 hatte man im allgemeinen nur Linienschiffe, zu denen bis 1756 noch die 50-Kanonenschiffe rechneten, ferner Zweidecker mit 40 Kanonen, zuweilen und besonders in Frankreich als Fregatten bezeichnet, 20-Kanonenschiffe, auch Fregatten genannt, und noch kleinere Fahrzeuge. Dann entwickelte sich die wirkliche Fregatte; ein Schiffstyp von größerer Geschwindigkeit als Linienschiffe und Kauffahrer, von dem aber doch auch eine nicht unbedeutende Gefechtskraft verlangt wurde[11], um mit Erfolg als Aufklärungsschiffe der Flotten sowie im Handelskriege gegen Kaper dienen zu können. Die 40- oder 44-Kanonenzweidecker waren hierzu zu unbeholfen (diese Fahrzeuge wurden nach Einführung schwerer Fregatten ihrer Wohnlichkeit halber gern im Kolonialdienst verwendet), die 20-Kanonenschiffe zu schwach. Die neuen Fregatten führten ihre Hauptartillerie auf dem Hauptdeck, eingedeckt durch das Oberdeck, auf dem leichtere Geschütze standen. Etwa um 1748 wurden Fregatten mit 28 und 32 Kanonen gebaut, bald darauf auch solche mit 36. Sie führten bis 1780 nur 12-Pfünder in der Batterie, dann erhielten sie 18-Pfünder und es traten auch Schiffe mit 38 Kanonen hinzu; ganz schwere Fregatten mit 40–44 Geschützen erscheinen erst um die Wende des 18. Jahrhunderts.

Die ständige Vergrößerung der Schiffe in allen Klassen zeigt die auf Seite 15 gegebene Tabelle für England, in der jedoch einige Zwischenstufen nicht aufgenommen sind, da sie gegen das Ende des Abschnittes nur noch schwach vertreten waren.

Diese Tabelle, deren Angaben sich an die im ersten Bande Seite 178 für 1727 aufgeführten anschließen, ist nach Clowes III, Seite 9, 12, 335, zusammengestellt. Die Angaben für 1741 sind die in England als Bauvorschrift festgesetzten. Derartige Vorschriften waren von 1713 bis 1745 mehrfach erlassen, um Gleichmäßigkeit im Schiffsmaterial zu erzielen; dann aber sah man ein, daß durch zu eingehende Bestimmungen

Größenverhältnisse englischer Schiffe.

Anzahl
Kanonen
Jahr des
Baues
Tonnen-
Gehalt
LängeBreiteTiefgang
in englische Fuß abgerundet
100174118721755021Dreidecker
175620471785222
178922971905222
90–98174116791684820Linienschiffe
176118271764921
176819471785021
70174112911544419Zweidecker
74175915561664620
179018361764920
60174111231474218
64176313801594519
178215211634518
Linien-
schiff
17419681404017Zweidecker
50175210461463617
176510531514018
4417417061263615
17598561413716
17748861403816
3817809401413811Fregatten
178210621504013
3617577181283612
17868391413914
3217576671283412
17837791313613
2817575991183411
17855941213311
2017574301083010Postships
17764291083010
141746276 912612Sloops
17764291083010

Verbesserungen gehemmt würden. Die Angaben für die späteren Jahre sind die Maße von ihrer Zeit besonders typischen Schiffen (Clowes führt die Namen an), die in England erbaut oder den Spaniers und Franzosen abgenommen waren.

Verbesserungen im Schiffbau. 1761 ward der erste Versuch gemacht, den Schiffsboden mit Kupferplatten zu belegen, um ihn gegen den Bohrwurm zu schützen; 1785 war diese Maßnahme in der englischen Marine durchgeführt, während die französische darin noch zurückstand. Es brachte den unerwarteten Vorteil mit sich, den Anwuchs von Algen und Muscheln zu verringern; die Schiffe büßten hierdurch weniger an Schnelligkeit ein und bedurften seltener einer Bodenreinigung. Allerdings wurde der Bau des Schiffsrumpfes schwieriger sowie teurer, da alle Bolzen unter Wasser aus Kupfer hergestellt werden mußten, weil eiserne infolge des galvanischen Stromes zwischen Kupfer und Eisen leicht zerstört worden wären. Die Pumpen zur Entleerung des Schiffsbodens wurden etwa um 1764 verbessert, so daß sie ihre Aufgabe mit weniger Arbeitskraft schneller und gründlicher lösten; dies war von gutem Einfluß auf den Gesundheitszustand an Bord. 1772 führte man sogar schon Destillationsapparate ein, die jedoch nur geringe Mengen von Trinkwasser liefern konnten. Zum Farbenanstrich pflegte man für den Schiffsrumpf Schwarz mit gelblich-weißen Batteriegängen (d. s. die Planken, in denen die Geschützpforten eingeschnitten waren), für die Rundhölzer (Masten, Raaen, Gaffeln usw.) Gelb zu wählen.

In Hinsicht auf die Beiboote trat noch keine Änderung ein (siehe Band I, Seite [166]). Sie wurden weiter auf Deck eingesetzt und blieben teilweise sehr groß, da man sie häufig zum Fischen gekappter Anker nötig hatte. Erst als im Anfang des 19. Jahrhunderts Ankerketten gebräuchlich wurden und die Boote bei deren großem Gewicht zum Ankerfischen nicht mehr tauglich waren, wurden sie kleiner; um diese Zeit erschienen auch die Bootsdavids zum Heißen der Boote an den Schiffsseiten. Die Boote waren gut besegelt und waren dadurch sowie durch ihre Größe zu tagelangen Entsendungen geeignet. Die Werften wurden immer leistungsfähiger, besonders auch, weil man den Dienst auf ihnen besser regelte, für jedes Schiff eine besondere Schiffskammer zur Aufbewahrung seines Materials anlegte und die Angestellten sorgsamer auswählte, sowie besser bezahlte.

Die Kauffahrteischiffe des 18. Jahrhunderts waren selten größer als 800 tons. Sie wurden etwas schmaler als die Kriegsschiffe gebaut, führten meistens immer noch einige Kanonen und wurden häufig im Anstrich den Kriegsschiffen ähnlich gehalten (mit Batteriegängen), um Kaper abzuschrecken. Beim Bau solcher Fahrzeuge, die besonders für den Kaperdienst bestimmt waren, legte man Wert auf Schnelligkeit, worin sich frühzeitig die englisch-nordamerikanischen Kolonien hervortaten.

Für die Nautik ist zu erwähnen, daß die Ortsbestimmung auf See dadurch sehr erleichtert wurde, daß man von 1772 an brauchbare Chronometer anfertigte (vgl. Band I, Seite [167]), daß die nautischen Hilfstafeln vervollkommnet, die Leuchttürme vermehrt und mit bessern Lichtern versehen, die Seekarten fortlaufend vervollständigt wurden. Wissenschaftliche Seereisen trugen hierzu bei. 1736 konstruierte Harrison einen Chronometer, der auf einer Reise nach und von Westindien trotz schlechten Wetters nur 1m 56s verlor. Ein weiter verbessertes Instrument bewährte sich auf einer Entdeckungsreise des belgischen Kapitäns Byron in die Südsee 1764–1766. Auch die Franzosen sandten Schiffe zur Erprobung von Chronometern aus (Fleurien 1769, Borda 1771 und 1774). Etwa von 1772 an werden Chronometer an Bord der Kriegsschiffe allgemeiner eingeführt.

Die wissenschaftlichen Reisen beschränkten sich nicht auf geographische und hydrographische Forschungen in den bereits bekannten Gewässern; es wurden auch planmäßige Entdeckungsreisen unternommen. Da ihre Ergebnisse mehr geographisch als politisch oder militärisch wichtig sind, seien nur die hervorragendsten kurz erwähnt. Durch russische Seeleute wurden von 1728 an die Nord- und Ostküsten Asiens besucht; der Däne Bering erforschte in russischem Dienste 1725 das Meer von Kamtschatka, durchfuhr 1728 die nach ihm benannte Straße und besuchte 1741 die Nordwestküste Amerikas. Die Reise des englischen Admirals Anson 1739–1741 brachte die genauere Kenntnis der Marianen-Inseln. Von französischen Seeoffizieren entdeckte Bougainville, der erste Weltumsegler Frankreichs, 1756–1759 die Salomon-Inseln und den Bismarck-Archipel, Kerguelen 1771–1774 die nach ihm benannten Inseln, Lapérouse erforschte 1785–1788 die japanischen und koreanischen Gewässer.

Am meisten ist aber dem englischen Kapitän James Cook zu verdanken, der schon 1764–1767 die Küste von Neufundland aufgenommen hatte. Nach Tahiti zur Beobachtung des Venusdurchganges gesandt, umfuhr er 1769–1771 Neuseeland und stellte damit fest, daß diese Insel entgegen der bisherigen Annahme nicht der Ausläufer eines südpolaren Festlandes sei; er erforschte die Ostküste Australiens und fand die Torresstraße, deren erste Entdeckung unbekannt geblieben war (vgl. Band I, Seite [75]). Er lenkte die Aufmerksamkeit seiner Regierung auf Botanybay als geeignet zur Kolonisation, die dann 1788 durch Hinführung der ersten Sträflinge begann. 1772 umsegelte er die Erde von West nach Ost zwischen 60 und 70° südlicher Breite und stellte fest, daß sich kein südpolarer Kontinent bis in die gemäßigte Zone erstrecke. 1776–1779 entdeckte er den Cook-Archipel, sowie die Sandwich-Inseln und erforschte beim Suchen nach einer Nordwestpassage die Nordwestküste Amerikas nebst dem nördlichen Teile des Stillen Ozeans bis zur Beringstraße. Durch ihn besonders wurde ein klares Bild von der Begrenzung dieses Weltmeeres sowie der in ihm liegenden Ländermassen und Inselgruppen gewonnen.

Diese wissenschaftlichen und Entdeckungsreisen waren für englische wie französische Seeoffiziere eine gute Schule. Die an ihnen beteiligten Kapitäne und Offiziere haben sich fast durchgängig auch in den Kriegen hervorgetan. Bemerkenswert ist, daß beide Völker bei Ausbruch eines Krieges feindliche Schiffe, die zur Zeit auf einer derartigen Reise begriffen waren, ausdrücklich als neutral und unverletzbar erklärten.

Schiffsklassen (englisch: rates; französisch: rangs). Aus der auf Seite 18 gegebenen Tabelle über die Bestände der englischen Marine in verschiedenen Jahren ergibt sich folgendes (vgl. auch Band I, Seite [178]): Die mittelstarken Linienschiffe kommen immer mehr als Hauptschlachtschiffe

Bestände der englischen Marine nach Schiffsklassen.

KlasseKanonenzahlAnzahl der Schiffe im Jahre
1752[1)]1762[2)]1775[1)]1783[2)]1792[1)]
I100 5 5 4 5 5
II98 und 90 13 16[3)] 17[3)] 20[3)] 16
III64–80 47 88 99141107
In Klasse III 74[4)] 37 57 81 66
waren enthalten 64[4)]? 30 32 49 39
IV60 67[5)] 32 11 8 1
Gesamtzahl der Linienschiffe132141131174129
IV 50[6)] 24 12 23 17
V 44[6)]39 21 4 30 22
38[7)] 2 7 7
36[7)] 4 3 17 14
32[7)] 34 35 61 47
VI
(Post ships)
28[7)]39 23 24 33 28
24[7)] 21 7 12 6
20–22 13 13 15 7
Sloops 8–18[8)] 34 57 38 85 42
Brander ? 11 1 17 9
Mörserboote 4 14 2 4 2
Gesamtzahl der Nichtlinienschiffe116224139304201
Insgesamt248365270478330

Die Tabelle, anschließend an die Band I Seite 178 gegebene, ist zusammengestellt nach Clowes III, Seite 7 und 328.

1) Bestände gegen das Ende einer Friedenszeit,

2) im letzten Jahre eines Krieges.

3) In dieser Zahl ist ein (oder einige wenige) Schiff zu 84 Kanonen einbegriffen.

4) Diese Angaben im Kleindruck zeigen, wie sehr die Unterklassen verschwinden; von 1775 an fast gänzlich.

5) Da 1752 die 50-Kanonenschiffe noch zur Linie zählten, so sind sie für dieses Jahr hier mit einbegriffen.

6) Die Schiffe zu 50 und 44 Kanonen waren Zweidecker; als Nichtschlachtschiffe und da sie auch nicht als Fregatten gelten konnten, fanden sie besonders Verwendung in den Kolonien, zu kleineren Unternehmungen usw.; sie waren bequem zum Stationsdienst in Friedenszeiten und bedurften nur geringer Besatzung. Ihre Zahl geht deshalb der sonstigen Richtung entgegen nicht zurück.

7) Schiffe des neuen Fregattentypes.

8) Die größeren Sloops hatten Vollschiffstakelage.

in Gebrauch; ihre Zahl wächst beständig, während die Zahl der Dreidecker sich gleich bleibt und die der leichteren Linienschiffe abnimmt. Zum Linienschiff wird bis 1752 noch das 50-Kanonenschiff gerechnet, dann nur noch das zu 60 Kanonen (in Frankreich zu 56), doch verschwindet auch dieses allmählich und von 1763, Ende des Siebenjährigen Krieges, an bildet das zu 64 Kanonen die untere Grenze. Unterstufen in den einzelnen Klassen fallen nach und nach fort. Die Zahl der Nebenschiffe — zum Aufklärungs-, Nachrichten-, Seepolizeidienst usw. — wächst ungemein, ganz besonders die des sich neuentwickelnden Fregattentypus. Die Mörserboote und Brander[12] erreichen bei weitem nicht die Zahl früherer Zeiten. Aus der Tabelle ist endlich das Wachsen der englischen Marine im allgemeinen, sowie während eines jeden Krieges im besonderen zu entnehmen.

In Frankreich (vgl. Troude I, Seite 19 ff.) teilte eine Verfügung von 1758 die Schiffe in folgende Klassen: A. Linienschiffe I Rang (Dreidecker) zu 110, 100 und 90 Kanonen; II zu 74 und 70; III zu 66, 60 und 50. B. Nichtlinienschiffe IV zu 50, 46 und 40; diese werden auch bisweilen schon zu den Fregatten gerechnet, jedoch die zu 50 noch häufig und auch später noch ab und zu in die Linie eingestellt; V zu 32 und 30, gleichfalls oft als Fregatten bezeichnet. Fregatten zu 24 und 20, Korvetten zu 16 und 12 Kanonen. — Später fanden öfters Verschiebungen statt, die den Zweck hatten, Unterklassen zu vermindern und die Grenze des Linienschiffes hinaufzusetzen. So fehlen z. B. um 1765 die Schiffe zu 70, und die Klasse II setzt sich aus 80- und 74-Kanonenschiffen zusammen; 1786 wurde verfügt, als Schlachtschiffe nur solche zu 118, 110, 80 und 74 Kanonen zu erbauen. 1780 traten auch hier wie in England Fregatten zu 38 (ja sogar zu 40) Kanonen auf. Die Verfügungen scheinen jedoch niemals streng durchgeführt zu sein, jedenfalls waren stets größere Restbestände von den nach älteren Vorschriften erbauten Schiffen vorhanden. In Spanien lehnte sich der Schiffbau eng an den französischen an.

Dreidecker scheint Frankreich in den Kriegen 1739–1748, sowie 1756–1763 nicht gehabt oder sie doch nicht zur Verwendung gebracht zu haben, obgleich solche unter Ludwig XIV. schon reichlich vorhanden waren. Im ersten Kriege werden nämlich bei den Flotten nur Schiffe bis zu 80, beim zweiten bis zu 84 Kanonen aufgeführt, und diese waren Zweidecker. Bei dem Aufschwung der Marine, der um 1761 einsetzte, sind aber jedenfalls wieder Dreidecker (über 90 Kanonen) erbaut.

Die Waffen[13].

Die Kanonen, die im vorigen Abschnitt geschildert sind (Band I, Seite 168ff.), erfuhren keine wesentlichen Änderungen. Man gab den Rohren mehr Hintergewicht, um das starke Bucken beim Schuß zu vermeiden, und brachte einige Verbesserungen an den Lafetten (Bruststück sowie Schwanzstück) und an den Pforten an, um die Geschütze weiter nach vorn oder hinten richten zu können. Sonst blieben die Lafetten so primitiv wie bisher, und die Geschütze bedurften daher einer zahlreichen Bedienung.

Einblick in eine Batterie eines Segellinienschiffs.

Bedienung der Geschütze. Die Lafetten, aus schweren hölzernen Seitenwänden, liefen auf Blockrädern. Der Rückstoß beim Schuß wurde von dem schweren Brooktau und den Seitentaljen aufgenommen, deren Länge so bemessen war, daß sich nach dem Rücklauf des Geschützes die Mündung des Rohres etwa 2 Fuß innerhalb der Bordwand befand; in dieser Stellung wurde ausgewischt, geladen und dann das Geschütz mit den Seitentaljen wieder ausgerannt, d. h. wieder dicht an die Bordwand gezogen. Zum ersten Laden mußte die Lafette mittels der Einholtalje eingerannt, d. h. in die Ladestellung gezogen, zum Nehmen der Seitenrichtung mußte sie mit Handspaken herumgeworfen werden, die unter den hintern Teil der Lafettenwände gestemmt wurden. Zum Nehmen der Höhenrichtung wurde das Bodenstück des Rohres mit denselben Spaken gehoben oder gesenkt und dann durch einen Keil festgelegt. In einer Batterie war auf jeder Seite nur ein Geschütz um das andere mit Mannschaft besetzt, da man gewöhnlich nur nach einer Seite feuerte; die Mannschaft der anderen Seite bediente auf das Kommando „an die Steuerbord- (Backbord-) Kanonen“ die freien Geschütze der feuernden Seite. Sollten beide Seiten in Tätigkeit treten, so sprang auf das Kommando „dubliert“ die Hälfte der Bedienung eines jeden Geschützes an das nebenstehende unbesetzte. — Ein 32-Pfünder brauchte 15 Mann zur Bedienung; in einer Batterie mit 30 Kanonen waren also 210 Mann beschäftigt. Da ist es nicht erstaunlich, daß zuweilen ungeheure Verluste eintraten, wenn ein Schiff im Nahkampfe eine wohlgezielte Breitseite des Feindes in die Batterien erhielt. Bei Trafalgar z. B. wurden auf dem spanischen Dreidecker „Santa Ana“ durch eine solche 400 Mann außer Gefecht gesetzt.

Um 1780 wurde an Stelle der Zündung mittels Lunte ein Flintensteinschloß eingeführt, das der zielende Mann selber abfeuern konnte. Die gebräuchlichsten Kaliber blieben die gleichen: 42-Pfünder, 32-, 24-, 18-, 12-, 9-, 4-, 3-und ½-Pfünder; vom 24-Pfünder abwärts bis zum 6-Pfünder waren Rohre verschiedener Schwere und Länge vorhanden. Die Ladungen sind früher angegeben (Band I, Seite [168]). Der ½-Pfünder — Swiffel oder auch Patereroe genannt — war ein Geschütz, das auf der Oberdecksbrustwehr (der Reeling) stand. Zuweilen, jedoch sehr selten, verwendete man eine Art kleiner Mörser für Brandgeschosse, nach ihrem Erfinder, einem holländischen Ingenieuroffizier, Coehoorn benannt.

In Frankreich führte man 36-Pfünder, 24-, 18-, 12-, 8-, 6- und 4-Pfünder; der 48-Pfünder war hier schon fortgefallen, auch in England wurde der 42-Pfünder später nur noch wenig verwendet. Wie bereits früher (Band I, Seite [169]) erklärt ist, war der englische 32-Pfünder etwa dem französischen 36-Pfünder gleich und die sonstigen englischen Kaliber den gleichlautenden französischen etwas überlegen. Das Flintensteinschloß ist in Frankreich erst 1802 allgemein geworden und auch die Verbesserungen der Lafetten fanden hier erst später Eingang.

Die Handwaffen blieben die im ersten Bande (Seite 169) angeführten. Es traten Handgranaten hinzu, die nach den Etats der englischen Schiffe eine gewisse Rolle spielten; 1745 waren für das Linienschiff 200 Stück vorgesehen und auch in Frankreich hatte dieses etwa 30 Grenadiere, die beim „Klar Schiff zum Gefecht“ je 3 Granaten erhielten.

Die Verteilung der Geschütze nach Anzahl und Kaliber an Bord der verschiedenen Klassen von Schiffen zeigt einige wichtige Veränderungen gegen früher. Im ersten Bande (Seite 170) sind die Angaben hierüber für 1719 gebracht; in umstehender Tabelle folgen solche für 1765. Nach den für 1743, 1757 sowie 1792 vorhandenen Aufzeichnungen[14] muß man annehmen, daß die Armierungsart von 1719 noch im Kriege 1739–1748 zutraf und daß die jetzt gegebene für die beiden nächsten Kriege Gültigkeit hat. Früher galten der 42-Pfünder (48-Pfünder), sowie der 32-Pfünder (36-Pfünder) als schwere, der 24-Pfünder bis 9-Pfünder als mittlere und die kleineren Geschütze als leichte Artillerie. Ein Vergleich der Angaben für 1765 mit denen für 1719 zeigt nun, daß auf den Schiffen die Kaliber der Mittelartillerie gewachsen sind. An Stelle des 6-Pfünders ist häufig der 9-Pfünder oder gar der 12-Pfünder getreten. Ganz besonders aber ist dies bei den mittleren Linienschiffen — nunmehr Hauptschlachtschiffen — der Fall; hier tritt z. B. beim 74-Kanonenschiff der 24-Pfünder oder der 18-Pfünder an Stelle des 9-Pfünders, beim 64-Kanonenschiff der 18-Pfünder an Stelle des 9-Pfünders. Die Schiffe zu 74 Geschützen sind so groß geworden, daß sie in ihren untersten Batterien sogar schwere Artillerie führen können, während sie früher nur 24-Pfünder hatten. Auch die Mittelartillerie der 50- und 44-Kanonenschiffe ist zu höheren Kalibern übergegangen.

Ein Vergleich der englischen mit der französischen Tabelle zeigt, daß vom 80-Kanonenschiff aufwärts die Schlachtschiffe der Franzosen an Artillerie überlegen waren, da sie mehr mittlere und schwere Geschütze führten. Auch wurden die französischen Schiffe weit stärker bemannt.

Die Einführung der Karronade[15] verstärkte gegen das Ende dieses Zeitabschnittes die Schiffsartillerie wesentlich. Dies war ein Kammergeschütz

Verteilung der Geschütze auf englischen Schiffen 1765.
Schiffe
mit
Kanonen
Batterie Besatzungs-
Stärke
UntersteMittlereObersteQuarterdeckBack
100[1)]30–42-Pfdr.28–24-Pfdr.30–12-Pfdr.10–6-Pfdr.2–6-Pfdr. 841
100[2)]28–4228–2428–1212–64–6 743 (?)
9026–3226–1826–1210–62–6 743
8026–3226–1824– 9 4–6 724
74[1)]28–3230–2412–94–9 594
74[2)]28–3228–1814–94–9
6426–2426–1810–92–9 494
5022–2422–12 4–62–6 345
4420–1822– 92–6 297
38erst 1780
eingeführt
die neuen
Fregatten
28–1812–9-Pfdr. 297
3626–12 8–6Pfdr.2–6Pfdr. 297
3226–12 4–62–6 257
2824– 9 4–6 198
24[3)]2–9Pfdr.20– 9 2–3 158
20Sloops20– 9 158
1414– 9 124
Verteilung auf französischen Schiffen 1765
(nach Troude I, Seite 20).
11632–36-Pfdr.34–24-Pfdr.34–12-Pfdr.16–8-Pfdr.1260
11032–3634–2434–121180
9030–3630–2430–121070
8030–3630–24-oder18–12-oder 940
18-Pfdr. 8-Pfdr.
7428–3630–1816–8-Pfdr. 734
6426–2418-oder16–6 „ 589
28–12-Pfdr.
5024-oder26–12 430
24–18-Pfdr.
30Fregatten12-oder 220
26– 8-Pfdr.
2424– 8 210
208-oder 150 (?)
20– 6-Pfdr.
16Korvetten16– 6 120 (?)
1212– 4 100 (?)

1) Großer Typ.

2) Kleiner Typ.

3) Alter Typ.

mit bedeutend kürzerem und auch leichterem Rohr, als die Kanone von gleichem Kaliber hatte. Man konnte nun ohne Überlastung auf kleineren Fahrzeugen stärkere Kaliber als bisher aufstellen und auf großen Schiffen mehrere Geschütze dieser Art der alten Bestückung auf dem Oberdeck hinzufügen; infolge ihres geringen Gewichtes waren die Karronaden sehr viel leichter und somit schneller zu bedienen. Zwar war ihre Schußweite bedeutend geringer als die der Kanonen, aber ihr Geschoß rief infolge seiner geringeren Geschwindigkeit eine größere Splitterwirkung beim Durchschlagen der Bordwand hervor. Die Karronade war hierdurch eine besonders für den Nahkampf geeignete Waffe, um so mehr, da auch ihre Kartätschladung bei der Verwendbarkeit starker Kaliber große Wirkung gegen Mannschaft und Takelage hatte.

Die Karronade ist von dem englischen General Robert Melville erfunden; wegen der großen Wirkung gegen Holzziele taufte dieser sie „smasher“ (Zertrümmerer). Das erste Geschütz — in den Eisenwerken der Carron-Kompagnie (daher der Name) am Fluß Carron in Schottland etwa 1774 gegossen — hatte etwa das Gewicht des 12-Pfünders, war kürzer als der 6-Pfünder, aber von größerem Kaliber als die 42-Pfünder-Kanonen. Da man sie für Schiffsgeschütze als zu schwer erachtete, fertigte die Fabrik Karronaden entsprechend den 24-, 18- und 12-Pfündern an. Sie wurden sofort für Freibeuter in dem bald darauf ausbrechenden Kriege beliebt, aber auch auf Fregatten und kleineren Fahrzeugen der Marine erprobt.

Die Karronade fand schnell Eingang in England, da die englische Taktik stets den Nahkampf suchte. Schon im Juli 1779 wurde die Aufstellung des neuen Geschützes auf allen Schiffen verfügt.

Es sollten an Karronaden führen:

Schiffe mit Kanonen10098 od. 9074 od. 645044383632282414–20
Auf d. Kampagne8–12-Pfdr.6–12-Pfdr.6–12-Pfdr.6–12-Pfdr.
Quarterdeck2–24-Pfdr.8–18-Pfdr.6–18-Pfdr.4–18-Pfdr.6–18-Pfdr.4–18-Pfdr.6–12-Pfdr.6–12-Pfdr.
Back2–12-Pfdr.4–12-Pfdr.2–12-Pfdr.2–24-Pfdr.2–18-Pfdr.4–18-Pfdr.4–18-Pfdr.2–18-Pfdr.2–18-Pfdr.4–12-Pfdr.2–12-Pfdr.
Neue Gesamtzahl110108 od. 10082 od. 726054484440343422–28

Die Karronaden zählten aber bei der Bezeichnung der Schiffe nicht mit, d. h. es wurde das 100-Kanonenschiff weiter so benannt, obgleich es jetzt 110 Geschütze führte, ebenso die 38-Kanonenfregatte trotz ihrer nunmehr 48 Geschütze usw. — Die Einführung ging schnell vor sich, schon im Januar 1781 waren 600 Karronaden auf den Schiffen in Verwendung, besonders 18- und 12-Pfünder, aber bald auch schon einige 32-Pfünder. Die neue Waffe spielte in den letzten Jahren des dritten Krieges bereits eine wichtige Rolle und wurde deshalb weiter entwickelt. Vorstehende Verfügung über die Zahl behielt lange Gültigkeit, aber die Kaliber wuchsen schnell. Schon 1782 erhielten die Fregatten 24-Pfünder an Stelle der 18-Pfünder und bald wurden auf den schweren Schlachtschiffen 68-Pfünder, auf den mittleren 42- und 32-Pfünder statt der 12-Pfünder eingeführt; die leichteren Fahrzeuge tauschten sogar ihre sämtlichen Kanonen bis auf zwei Jagdgeschütze in Karronaden um.

In Frankreich, und ebenso in anderen Staaten, führte man die neue Waffe erst nach 1783 ein; auch dies ist erklärlich, da die französische Taktik bislang den Nahkampf zu vermeiden strebte.

Entwicklung der Marinen. Organisation und Personal.

Im ersten Bande (Seite 179) ist die Entstehung eines ständigen Kriegsschiffs-Personals (insbesondere auch der Deck- und Unteroffizierkorps der verschiedenen Dienstzweige) und dann fortlaufend bei der Besprechung der Streitmittel vor jedem Kriege die innere Organisation der drei großen Marinen von 1648–1739 dargelegt. Beides war in diesem Zeitraum zu einem gewissen Abschluß gelangt, später erfolgen nur noch geringe Änderungen. Wir können daher die innere Geschichte für den vorliegenden nur kurzen Zeitabschnitt hier gleich zusammenfassen, so daß wir von jedem Kriege nur die notwendigen Angaben zu machen brauchen. Wir können uns auch hier auf die Marinen Englands und Frankreichs beschränken. Holland hatte um 1740 keine Marine von Bedeutung mehr (vgl. Band I, Seite 498) und tritt von nun an, wie Spanien bisher schon und auch weiterhin, nur noch als Verbündeter auf; kurze Angaben über Holland, Spanien und die nordischen Mächte folgen vor den einzelnen Kriegen.

In England[16] wird seit 1689 (vgl. Band I, Seite [419]) die Gesamtleitung der Marine, das Amt des früheren Lordhighadmirals, von einer Kommission verwaltet, der Admiralität (Board of Admiralty). An der Spitze steht der „Erste Lord der Admiralität“ (nicht immer ein Seeoffizier), die Geschäfte sind an die übrigen Mitglieder der Kommission verteilt, von denen aber einige stets Seeoffiziere sein müssen (die Naval Lords) und die technischen und militärischen Angelegenheiten regeln. Bei der Ständigkeit dieser Art der Verwaltung, unterstützt durch den guten Einfluß des in Marineangelegenheiten erfahrenen Volkes, ist die Entwicklung der Kriegsflotte auf dem einmal eingeschlagenen Wege stetig fortgeschritten, wenn auch zuzeiten durch Partei- und Hofgunst wenig geeignete Personen in die wichtigsten Stellen kamen. Die ununterbrochene Zunahme und Verbesserung des Materials ist bereits geschildert, aber auch der Vervollkommnung des Dienstbetriebes sowie des Personals wurde die nötige Aufmerksamkeit zuteil. Während bis dahin jeder höhere Befehlshaber Vorschriften über den Dienstbetrieb für die ihm unterstellten Streitkräfte erließ, wurden 1731 nach den bisherigen Erfahrungen „The king's regulations and Admiraly Instructions“ veröffentlicht, die, fortlaufend zeitgemäß geändert, bis jetzt in Kraft sind.

Der Offiziersersatz war geregelt. Schon 1728 war in Portsmouth eine Vorbildungsschule (Naval academy) gegründet. Aber nicht alle Offiziersaspiranten besuchten diese; im Gegenteil soll bis 1794 eine andere Art des Eintritts beliebter und vorteilhafter gewesen sein. Admirale und Kapitäne hatten die Erlaubnis, eine große Zahl „Domestics“ sowie „Servants“ mit sich zu führen und sie nahmen nun darunter junge Leute (als „page“, gewissermaßen als „Junker“) an Bord, um sie zu Seeoffizieren auszubilden. Anderseits wurde diese Erlaubnis durch Mitnahme höchst überflüssiger Personen: Schneider, Barbiere, Musikanten usw. mißbraucht. Die Offiziersgrade waren: Admiral of the Fleet; Admiral der weißen und der blauen Flagge; Vize- und Kontreadmirale der roten, weißen und blauen Flagge; Kapitän; Master and Commander; Lieutenant; Midshipman.

Über die Herkunft der Bezeichnung der Admirale nach den verschiedenen Flaggen und ihr damit verbundenes Anciennitätsverhältnis ist schon im ersten Bande (Seite 221) gesprochen. Der Master and Commander, der jetzige Commander (Korvettenkapitän), ist nicht zu verwechseln mit dem Master des Navigationsdienstzweiges (ebendort Seite 182). Dieser blieb noch lange nur ein Warrant officer wie die Deckoffiziere, wenn er auch zur Offiziersmesse gehörte; jener war ein älterer Leutnant, der kleinere Fahrzeuge (Sloops, Mörserboote, Brander, armierte Kauffahrer usw.) befehligte.

Die Beförderung erfolgte bis zum Kapitän nach Wahl. Hierbei spielte natürlich Protektion eine große Rolle; man findet Kapitäne, die mit einem Alter von einigen zwanzig Jahren, ja bis zu achtzehn hinunter, in diesen Dienstrang aufrückten, von denen übrigens viele sich später besonders hervortaten. Der Kapitän erhielt dann eine feste Stellung in der Rangliste (daher der Ausdruck „Postcaptain“, d. i. posted Captain) und seine Beförderung zum Kontreadmiral usw. erfolgte nach der Anciennität. Da es ursprünglich nur neun Admirale gab, je einen der angeführten Grade, waren nach der langen Friedenszeit die Kapitäne so alt geworden, daß eine Verjüngung des höheren Offizierkorps notwendig erschien. Von 1743 an wurden deshalb die Admiralsstellungen andauernd vermehrt. Um nun auch die Möglichkeit zu haben, tüchtige Männer eher zu Flaggoffizieren zu befördern, ernannte man von 1747 an Kapitäne, die zu alt oder sonst ungeeignet zur aktiven Verwendung in höheren Stellen erschienen, zu überzähligen Admiralen (vulgo Yellow Admirals) oder überging sie bei der Beförderung. Auch dies leistete natürlich der Protektion Vorschub, erregte Unzufriedenheit und führte selbst zu Klagen beim Parlamente, aber auf diese Weise und im Verein mit der Beförderung nach Wahl bis zum Kapitän erreichte man, daß tüchtige Männer jung in hohe Stellung kamen: Es wurden z. B. Admiral Barrington mit 18 Jahren Kapitän, Howe mit 20 und mit 39 Kontreadmiral; Jervis erreichte diese Chargen mit 26 und 43, Nelson mit 21 und 39 Jahren. Die Seeoffiziere gingen in Friedenszeiten häufig in fremde Kriegsdienste oder zur Kauffahrteimarine und blieben so in Übung; wie schon früher für Offiziere, so wurde jetzt auch für Masters sowie für Ärzte die Stellung auf Halbsold eingeführt, um sich für Kriegszeiten genügenden Ersatz zu sichern.

Die Mannschaft, Matrosen und Seesoldaten[17], wurden wie früher angeworben. Hiermit kam man jedoch niemals aus, obgleich England über so viele Seeleute verfügte, und es mußte stets zum Pressen gegriffen werden. Beim Ausbruch eines Krieges waren diese auf den Kauffahrteischiffen über die ganze Erde verstreut, aber auch während der Kriege ging der Seehandel fort und der beliebte Dienst als Freibeuter entzog der Marine die Leute. Um dem Kriegsschiffsdienst mehr Anziehungskraft zu geben, sowie um die Härte des Pressens zu mildern, wurden viele Gesetze erlassen in bezug auf: Höheres Handgeld; reichlichere und regelmäßigere Löhnungszahlung und Prisengelder; bessere Verpflegung sowie sonstige Fürsorge; die Möglichkeit für die Leute, Heimatszahlungen an ihre Angehörigen zu machen; Befreiung gewisser Lebensalter und Berufe (z. B. Anwärter auf die Offizierslaufbahn in der Handelsmarine) vom Gepreßtwerden.

Über das Leben an Bord. Der Dienst an Bord der Kriegsschiffe blieb seiner Härten halber lange noch unbeliebt und die Unzufriedenheit der Leute war häufig groß. In den Kriegsjahren 1756–1763 soll die Fahnenflucht sehr stark gewesen sein; für 1774–1780 werden 42000 Fälle dieses Vergehens angegeben, und auf einigen Schiffen kam es zur Meuterei. Anderseits wurden den Mannschaften einzelner Schiffe oder Schiffsverbände von der Regierung oder von den reichen Handelsstädten öfters für besondere Leistungen außergewöhnliche Zuschüsse zugewendet.

Wie selbst Offiziere jener Zeit über das Leben an Bord urteilten, erfahren wir durch Laird Clowes (Band III, Seite 21; entnommen aus „Seamans Letters“, hier gekürzt). Ein Kapitän Edward Thompson schreibt um 1756 an einen jungen Verwandten, der als Midshipman eintreten will: „An Bord hast du keine Hintertür zum Entschlüpfen, keine fühlende Brust, um dich auszusprechen. Du vertauschst einen guten Tisch gegen keinen, ein Bett gegen eine Hängematte an einem Orte, wo es nie Tag wird und wohin nie frische Luft kommt; dein Licht ist bei Tag wie bei Nacht eine elende Kerze. Die Nahrung ist gesalzen und oft schlecht, wenn du Abwechslung haben willst, so mußt du sie dir selber kochen; halte dir stets wenigstens Tee und Zucker, zu weiterem ist kein Platz, da du nur eine Kiste und die Hängematte hast.... Schlechte Gesellschaft ist Gift für die Jugend, auf den Schiffen findest du den Auswurf der Gefängnisse; der Verurteilte hat die Wahl zwischen Gehängtwerden oder Anbordgehen.... Du wirst etwas äußerliche Religion finden, Sonntagsgottesdienst, aber die Gemeinde wird durch den Bootsmann zusammengetrieben, der dabei weder Flüche noch Schläge spart.“ —

In einem anderen Briefe schreibt Thompson über die damals gebräuchliche Behandlung eines Midshipman: „Der fast unerträglichen Verhältnisse, die ihn erwarten, sind so viele, daß nur der Umstand, daß auch die höchsten Offiziere sie durchgemacht haben, sie erdulden läßt. Und dabei ist es ein ganz falscher Gedanke, daß junge Leute eine[27] schroffe Behandlung und niedere Dienstverrichtungen durchmachen müssen, um tüchtige Offiziere zu werden. Man kann das durch andere Mittel erreichen und ihnen dabei das Leben angenehm gestalten.... Die Beförderung zum Leutnant ist wie die Verwandlung einer häßlichen Made zum schillernden Schmetterling.... Die meisten unserer Kapitäne sind Leute ohne Erziehung. Gewiß müssen junge Leute gehorchen lernen, aber die Kapitäne brauchen nicht gemein zu werden; durch die jetzige Behandlung wird auch ihre Autorität geschädigt. Die jungen Leute müssen eine eigene Messe haben und von den Offizieren unterstützt werden....“ Als ein Zeichen aber, daß es nach und nach doch besser wurde, dient eine andere Äußerung des Briefschreibers: „Im letzten Kriege genügten ein Primchen Tabak, ein Tauende und eine Auswahl von Flüchen zum Leutnant, jetzt aber streben alle nach Bildung und guten Formen; von Verweichlichung dadurch ist nicht die Rede, ich glaube im Gegenteil, die jetzigen Offiziere werden den Veteranen von 1692 im Dienste in gleicher Weise überlegen sein, wie es der Gebildete stets dem Ungebildeten ist.“

Wie man sieht, bezieht sich das Vorstehende auf die Verhältnisse des Offizierersatzes; wie mögen die der Mannschaft gewesen sein? Auch hierüber folge eine Andeutung Thompsons: „Ein Linienschiff mit 480 Mann Besatzung, von denen 225 den Gefängnissen entnommen oder vom Abschaum der Straßen gepreßt waren, schiffte 1756 nach nur einigen Monaten Kreuzen im Kanal 320 Kranke aus; neubemannt segelte es nach New York und traf hier mit 159 Dienstunfähigen ein.“ (Wir werden nach 1779 in der französischen Flotte d'Orvilliers Ähnliches kennen lernen.) Dabei waren derartige Zustände keineswegs unabänderliche Folgen der Verhältnisse jener Zeit — langer Seereisen, unvollkommener Einrichtung der Schiffe, ungesunder Dauernahrungsmittel, verdorbenen Wassers u. dgl. —, denn sorgsame Kommandanten verstanden es, sie zu vermeiden. Cook z. B. verlor auf den beiden letzten mehrjährigen Reisen von seinen zwei Schiffen nur 4 oder 5 Mann durch Krankheiten.

In Frankreich[18] lagen die Verhältnisse weit ungünstiger für eine gesunde Entwicklung der Marine. Wir hörten (Band I, Seite [503]), daß diese während der Regentschaft (1715–1723) arg in Verfall geriet und daß auch Maurepas, der von 1723 mit Eifer und Umsicht dem Ministerium vorstand, nicht viel zur Wiederbelebung beitragen konnte, weil Kardinal Fleury, der Leiter der Politik 1723–1743, dieses Streben nicht unterstützte, um nicht Englands Eifersucht zu erregen. Auch von 1740–1760 wurde der Kriegsflotte von höchster Stelle keine Förderung zuteil. Niemals bewilligte man die nötigen Geldmittel; nach Ausspruch französischer Autoren machte die verschwenderische Hofhaltung die Quellen versiegen, aus denen die Marine schöpfen sollte. Die Entwicklung der Seemacht Frankreichs war eben im Gegensatz zu England, wo Volk und Parlament mitsprachen, zu sehr von der Person des Ministers abhängig, der zu dieser Zeit niemals ein Seeoffizier war und dessen Wahl wieder unter dem Einfluß anderer Ratgeber des Königs stand, des Premierministers oder der Hofpartei, und so wurde die Tätigkeit selbst tüchtiger Marineminister gelähmt. Auch die schnelle Aufeinanderfolge der Kriege hinderte eine Reform der Kriegsflotte.

Ebenso war die Organisation der Marine für deren Entwicklung und Leistung ungünstig. Wieder im Gegensatz zu England, wo Seeoffiziere in der Admiralität sowie in den Kriegshäfen die Oberleitung auch der technischen Angelegenheiten hatten, lagen diese in Frankreich in den Händen von Verwaltungsbeamten, ohne daß Seeoffiziere genügenden Einfluß besaßen. In den Kriegshäfen unterstanden dem „Commandant de la Marine“ (dem ältesten anwesenden Seeoffizier) nur die in Dienst gestellten Schiffe und die Hafenverteidigung; ein Intendant leitete alles übrige, neben der eigentlichen Verwaltung auch die Werften und Arsenale, den Bau, die Unterhaltung, Ausrüstung und Bemannung der Schiffe. Die zu diesen Zweigen kommandierten Offiziere, an ihrer Spitze der „Capitaine de Port“ (Oberwerftdirektor), waren allein dem Intendanten unterstellt; ja sogar die Verwaltungsbeamten an Bord waren unabhängig von den Seeoffizieren, so brauchten sie z. B. nicht einmal die Erlaubnis zum Anlandgehen von ihrem Kommandanten einzuholen. Diese Verhältnisse riefen unheilvolle Eifersucht und Streitigkeiten zwischen den Seeoffizieren (Officiers d'épée) und den Beamten (Officiers de plume) hervor.

Colbert hatte sich (1689) genötigt gesehen, in Hinsicht auf den damaligen Stand des Seeoffizierkorps den Beamten eine so weit gehende Macht einzuräumen. Als aber das Offizierkorps sich hob, mußten Reibungen eintreten, und diese nahmen im Laufe der Zeit immer mehr zu, da in der Verwaltung Nachlässigkeit sowie Unredlichkeit einriß (die Stellen wurden sogar käuflich) und die militärischen Behörden in allem schlecht bedient wurden. Sämtliche Militärschriftsteller klagten über die große Macht der Beamten; mit Recht, denn Offizieren, die Leben und Ehre einsetzen und die verantwortlich für das Wohl und Wehe ihrer Untergebenen sind, gebührt die Oberaufsicht und die Mitwirkung bei Erhaltung der Schlagfertigkeit ihrer Waffe.

Die Minister versuchten allerdings wiederholt, die Organisation zu verbessern. Aber jeder von ihnen hatte neue Ideen, die sich oft schroff entgegenstanden, und so brachten die wechselnden Bestimmungen mehr Unsicherheit als Nutzen.

Wie bisher wollen wir die Hauptpunkte der inneren Marinegeschichte Frankreichs an der Hand der Amtstätigkeit der verschiedenen Minister betrachten. Graf von Maurepas, Marineminister von 1723–1749, schuf manches Gute. Der Mannschaftsersatz[19] der Matrosen sollte, wie wir wissen, durch Inskribierte der seemännischen Bevölkerung gedeckt werden, die Einrichtung war aber arg vernachlässigt worden. Bei der Bestechlichkeit der Beamten konnten sich Leute, die über einige Mittel verfügten, loskaufen, und dieser Übelstand machte sich um so fühlbarer, als sich infolge des Daniederliegens des Handels in den letzten Kriegen vor 1713 die Hafenstädte entvölkerten; der Mannschaftsmangel hatte dann zum Pressen und zu sonstigen harten Maßnahmen gegen den Rest der Inskribierten geführt und hierdurch den Abzug der Küstenbevölkerung noch vermehrt. Dank einer milderen Behandlung durch Maurepas, vereint mit der Wiederbelebung des Handels, kehrten viele der Abgezogenen zurück und in die Inskription kam wieder Ordnung, so daß bei Ausbruch des Krieges 1744 die Bemannung der Schiffe leichter wurde als in den vorhergegangenen Kämpfen. Auch die Zahl der Chargen — Offiziere, Deck- und Unteroffiziere — reichte für die nur geringen Indienststellungen aus, obgleich sie in den Jahrzehnten der Friedenszeit sehr herabgegangen war; für die Seeoffiziere z. B. von 1140 im Jahre 1696 auf 660 in 1744.

Maurepas tat viel für die wissenschaftliche sowie praktische Ausbildung der Offiziere; er machte ferner die Stellung des Commandant de la marine in den Kriegshäfen, deren Inhaber bisher häufig wechselte, zu einer festen und hob dadurch dessen Einfluß dem Intendanten gegenüber wenigstens etwas. In der Hauptsache aber, eine schlagfertige Flotte zu schaffen, hatte er keinen Erfolg. Seine Absicht war, eine solche von 60 Linienschiffen (40 in Brest, 20 in Toulon) aufzustellen; diese, zwar nicht übermäßig stark, aber aus guten Schiffen bestehend, sollte der Kern einer maritimen Verbindung mit Spanien (vielleicht auch Holland) gegen England sein. Er erhielt jedoch nicht die Mittel zur Durchführung dieses Planes. Das Marinebudget, das unter Ludwig XIV. selbst in Friedenszeiten nie unter 14 Millionen Francs gefallen war, betrug während seiner Amtsführung acht, und als er vor Ausbruch des Krieges 1744 20 Millionen verlangte, bekam er nur zehn.

Um 1740 besaß Frankreich 45–50 Linienschiffe über 50 Kanonen und 15–20 schwere Fregatten. Die Schiffe waren großenteils nicht gut im Stande, den Werften fehlten fähige Arbeiter, Arsenale und Magazine waren leer. In dem stark zusammengeschmolzenen Offizierkorps hatte seit vierzig Jahren die Beförderung gestockt; viele Offiziere waren zu alt für ihren Dienstgrad, andere einzig durch Protektion hochgekommen. Infolge der nur geringen Indienststellungen während der Friedensjahre fehlte den Chargen, höheren sowie niederen, die praktische Erfahrung. Frankreich trat so in den Österreichischen Erbfolgekrieg mit einer schwachen Marine ein; der Krieg brachte große Verluste an Schiffen, doch wurden diese durch Neubauten zum Teil ersetzt.

Der Minister de Rouillé, 1749–1755, arbeitete ganz im Sinne seines Vorgängers weiter. Unter ihm wurden 38 Linienschiffe gebaut oder gründlich ausgebessert; ihm standen auch mehr Mittel, 17½ Millionen jährlich, zur Verfügung. Er schaffte die Galeerenflotte, eine unnütze und teure Waffe, ab, und stellte deren Offiziere in die Hochseeflotte ein. Die Académie de Marine in Brest wurde gegründet, ein Verein von Offizieren sowie Marinebeamten aller Dienstzweige und Grade, in dem wissenschaftliche Vorträge mit Besprechung gehalten wurden. Diese Einrichtung legte den Grund zu dem wissenschaftlichen Streben in der französischen Marine während der kommenden Jahre bis 1793. Auch der nächste Minister Machault d'Arnauville führte die Neubauten, jetzt mit einem Budget von 31 Millionen, fort, so daß die Marine 1755 schon 63 Linienschiffe zählte; das Offizierkorps war wieder auf 900 Köpfe angewachsen. Frankreich trat so in den Siebenjährigen Krieg weit mächtiger ein, als in den vorhergegangenen. Aber als dieser eben begonnen hatte, fiel der tüchtige Minister Hofintrigen zum Opfer (Februar 1757) und es folgten ihm, ein jeder nur für wenige Monate, zwei Männer, die der Stellung in so schwerer Zeit nicht gewachsen waren.

Als dann der Krieg gerade sehr schlecht stand, wurde de Berryer mit dem Amte betraut (1. November 1758). Von diesem sagt ein französischer Autor (Chabaud-Arnault, Seite 161): „Wenn Ludwig XV. den Triumph der Gegner gewollt hätte, so hätte er keine bessere Wahl treffen können. Ein Günstling der Pompadour, sittenlos, hart, hochmütig und dabei den Marineangelegenheiten völlig fremd, war er nur darauf bedacht, die Ausgaben zugunsten der verschwenderischen Hofhaltung einzuschränken. Im vollen Kriege stellte er die Arbeiten auf den Werften ein, ließ die Arsenale leer, ja verkaufte sogar Material; Offiziere, Beamte, Matrosen und Arbeiter gerieten in Not. Den Offizieren verbot er, in den Dienst der Freibeuterei zu treten, wie es in den früheren Kriegen üblich gewesen, wenn die Kriegsmarine lahmgelegt war, er rühmte aber ihnen gegenüber, die er doch selber zur Untätigkeit verdammte, die Taten der Officiers bleus (Hilfsoffiziere, worüber Näheres später).“ Und diesem Manne standen gerade Mittel zur Verfügung, wie sonst nie unter Ludwig XV., nämlich 1758 42 Millionen und 1759 gar 57. Trotz der schweren Niederlagen der Marine während seiner Verwaltung hielt sich de Berryer durch die Gunst der Pompadour bis 1761.

Unter dem Herzog von Choiseul-Amboise, der seit November 1758 das Ministerium des Äußern führte und 1761 auch das des Krieges sowie der Marine übernahm, setzte ein lebhafter Aufschwung der letzteren ein. Während der Kriegsjahre bis 1763 konnte zwar nicht mehr viel geleistet werden, doch war es möglich, 15 Linienschiffe (zu 50 bis 90 Kanonen) auf Stapel zu legen; das Volk selber rief infolge der letzten schweren Niederlagen nach einer starken Flotte und auf Antrieb des feurigen Ministers beschaffte das gesamte Frankreich — Provinzen, Städte, Privatpersonen — durch eine Sammlung die nötigen Geldmittel hierzu. Nach dem Kriege setzte Choiseul dann durchgreifende Reformen ins Werk. 1766 gab er das Amt an seinen Vetter Choiseul-Praslin ab, der ganz in seinem Sinne weiter wirkte, so daß man die Tätigkeit beider bis 1770, wo sie sich infolge von Intrigen der Gräfin Dubarry aus dem öffentlichen Leben zurückzogen, als einheitlich betrachten kann. Den Verwaltungsbeamten wurde ein Teil ihrer Machtbefugnis und Vorrechte genommen, den Seeoffizieren — insbesondere dem Commandant de la marine sowie dem Capitaine du port in den Kriegshäfen — mehr Einfluß auf Instandhaltung, Ausrüstung, Armierung und Bemannung der Schiffe eingeräumt. Es wurde ein festes Korps von Schiffbauingenieuren gegründet, das allerdings, wie der Schiffbau überhaupt, dem Intendanten unterstellt blieb. Aus dem Offizierkorps wurden viele zu alte oder unfähige Personen entfernt, auch die Stellen vermehrt, und so günstigere Beförderungsverhältnisse geschaffen; die Marineschule wurde vergrößert und verbessert. Doch blieb man dabei, nur Adelige als Gardes de marine (Offiziersaspiranten) einzustellen.

Wir wissen (Band I, Seite [504]504), daß die Marine in den Kriegen des 17. Jahrhunderts eine wertvolle Unterstützung durch den Eintritt von Offizieren der Handelsmarine („officiers bleus“) fand, daß diesen aber nach und nach durch die eigentlichen Seeoffiziere („officiers rouges“ oder „nobles“) der Dienst verleidet worden war. Es wurde jetzt versucht, diese Einrichtung wieder zu beleben. Junge Leute guter nichtadeliger Familien erzog man in der Kriegsmarine für den Dienst in der Handelsmarine im Frieden, also gewissermaßen zu Reserveoffizieren, von denen die besten ganz in die Kriegsflotte übernommen werden sollten; bei dem Stolz der Adeligen blieb jedoch das Verhältnis zwischen den beiden Kategorien schlecht. In der Art des Matrosenersatzes trat keine Änderung ein, aber in der Fürsorge für Invalide, Witwen und Waisen wurde manches getan; auch milderte man die Strafgesetze und arbeitete die Bestimmungen über den Dienstbetrieb eingehender aus. Gleichzeitig Kriegsminister, verleibte Choiseul-Amboise die Seetruppen dem Heere ein und zog Landtruppen für die Besatzungen der Schiffe, die Kriegshafengarnisonen, sowie die Kolonien heran, jedoch schon Choiseul-Praslin machte dies rückgängig und gründete wieder drei Brigaden Seetruppen zu je acht Kompagnien — eine Bombardier-, vier Kanonier- und Füsilierkompagnien — als „corps royal d'artillerie et d'infanterie de marine“ unter dem Befehle von Seeoffizieren. Das Marinebudget betrug unter den beiden Choiseuls, nach und nach wachsend, 1763 16½ und 1770 26½ Millionen. Zu den Kriegshäfen Toulon, Brest, Rochefort trat 1762 L'Orient. Die Werften wurden sehr gehoben und Magazine und Arsenale gefüllt; ferner wurde auch Schiffsbauholz in Vorrat beschafft, an dem es bisher meist gemangelt hatte, so daß man die Neubauten oft in zu grünem Holze hatte herstellen müssen.

Von 1771–1774 folgten dann zwei Minister, von denen die französischen Quellen sagen, daß es ihnen glücklicherweise an Zeit gefehlt habe, ihre Organisation (von 1772) durchzuführen. Sie beabsichtigten nämlich, die 3 Brigaden der Seetruppen auf 8 für die sämtlichen Marinemannschaften zu vermehren. Jeder Brigade sollte dann eine Anzahl Schiffe aller Größen zur Instandhaltung und Besetzung zugeteilt werden. Durch Schaffung dieser kleineren Verbände, in denen auch die Beförderungen getrennt erfolgen sollten, hoffte man den allgemeinen Korpsgeist der Seeoffiziere zu brechen, der häufig den in Marineangelegenheiten völlig unerfahrenen Ministern unbequem geworden war.

1774 erhielt Gabriel de Sartines das Ministerium. Dieser führte 1776 nicht nur die Organisation der Choiseuls wieder ein, sondern er schoß in dem Bestreben, den Militärs mehr Einfluß zu geben, sogar über das Ziel hinaus. Auf den Werften wurde auch der Schiffbau ganz dem Capitaine du port unterstellt, der Intendant behielt nur die Verwaltung des Inventars und Materials. Der Commandant de la marine wurde der direkte Vorgesetzte des Capitaine du port, aber auch berechtigt, die Magazine usw. zu besichtigen. Sogar auf den Schiffen traten Seeoffiziere an Stelle der Verwaltungsbeamten. Dies ging zu weit. Gewiß ist es richtig, Seeoffizieren die Oberaufsicht über die Arbeiten auf den Werften usw. zu geben, also über die Schlagfertigkeit der Flotte, aber man darf sie nicht mit zuviel Einzelheiten belasten und muß den Technikern eine gewisse Selbständigkeit lassen. Mit der Übernahme der ganzen Verwaltung an Bord durch die Offiziere machte man gleichfalls schlechte Erfahrungen: die Abrechnungen der Schiffe zeigten die größte Unordnung.

Von 1765 bis 1778 waren also drei Organisationen in Kraft gewesen; der neuen Marine fehlte mithin eine gesunde Unterlage. Aber immerhin besaß Frankreich im dritten Krieg 1778 eine starke Flotte von gegen 80 guten Linienschiffen und hatte — noch ein Verdienst Choiseuls — seine militärische Stellung im Mittelmeer durch die Gewinnung Korsikas (1768) wesentlich verstärkt. Die Geldmittel für die Marine (die für die Kolonien, als demselben Minister unterstehend, stets darin eingeschlossen) waren seit dem Regierungsantritt Ludwigs XVI. (1774) gewachsen, der die Seegeltung hochschätzte. Sartines erhielt schon 1776 35 Millionen Francs und im folgenden Jahre 45. Während der Kriegsjahre wurden reichliche Mittel bewilligt: 1778 85 Millionen, 1779 131½, 1780 144 — und außerdem im ersten dieser Jahre 16, in den beiden andern je 25 Millionen Schulden gemacht. Im letzten Kriegsjahre 1782 verbrauchte die Marine gegen 200 Millionen Francs[20]. Infolge von Reibungen mit dem Finanzminister Necker legte Sartines im Oktober 1780 sein Amt nieder.

Der neue Minister Marquis de Castries, ein tüchtiger Landoffizier, entwickelte in den beiden letzten Kriegsjahren große Tatkraft, wurde deshalb 1783 noch zum Marschall ernannt und traf nach dem Friedensschluß sofort Vorbereitungen für den nächsten Waffengang. Er erließ 1784 neue Organisationsbestimmungen, die den Verwaltungsbeamten wieder größere Selbständigkeit gaben und ihnen auch die frühere Tätigkeit an Bord wieder zuwiesen.

Dies war also die vierte Organisation innerhalb zwanzig Jahren; alle bezweckten ein richtiges Zusammenwirken der Offiziere und Beamten zu erreichen und die Reibungen zwischen ihnen zu vermindern. Doch glückte dies erst, als man 1799 in jedem Kriegshafen einen Préfet maritime (Seepräfekt) ernannte, dem alle Dienstzweige, die militärischen wie die der Verwaltung, unterstanden.

Die neue Organisation brachte auch wieder Verbesserungen der Gesetze über die Inskription zugunsten der Bevölkerung. de Castries erweiterte ferner die Werften und begann den Bau des Schutzdeiches in Cherbourg, um dem Lande endlich einen brauchbaren Kriegshafen am Kanal zu schaffen. Die Schiffe wurden gut gehalten und auch die Kupferung war seit 1785 allgemein geworden. 1789 besaß Frankreich gegen 80 vorzügliche Linienschiffe zu 64–118 Kanonen und 70 Fregatten zu 28–44; das Personal war tüchtig, besonders die Schiffsartillerie. Als Castries 1787 sein Amt infolge von Zerwürfnissen mit dem Finanzminister Calonne niederlegte, stand die Marine gediegener da wie je zuvor, aber die Revolution vernichtete das Geschaffene, ehe es sich bewähren konnte.

Die Offiziersgrade der französischen Marine waren bis zur Revolution: Amiral de France, Vice-Amiral, Lieutenant-Général, Chef d'Escadre, Capitaine de vaisseau, Capitaine de frégate, Lieutenant de vaisseau, Enseigne, Garde-marine.

Der Admiral von Frankreich war stets ein Prinz von Geblüt, häufig schon als Kind dazu ernannt, unter Ludwig XIV. mehrfach einer seiner illegitimen Söhne oder ihrer Nachkommen. Selten waren sie zu Seeleuten erzogen und haben sie eine Flotte geführt. Die Vizeadmirale entsprachen den Volladmiralen anderer Marinen. Ursprünglich gab es nur einen für die Atlantikflotte (Vizeadmiral du Ponant) und einen für das Mittelmeer (du Levante), deren Verwendung aber nicht an ihre Station gebunden war; 1777 wurde noch ein dritter (der west- und ostindischen Meere) und später noch ein vierter hinzugefügt. Sie rangierten hinter den Marschällen von Frankreich und erhielten oft diesen Rang. Die Generalleutnants entsprachen den Vizeadmiralen, die Chefs d'Escadre den Kontreadmiralen der englischen Marine. Es gab auch neben den eigentlichen Kapitänen noch solche de brûlot (Brander) und de flûte (Transporter), sowie Lieutenants de frégate, doch waren dies Chargen, die nicht ein jeder durchmachte, sondern in denen besonders die Officiers bleus verwendet wurden. Ältere Kapitäne erhielten den Rang eines Divisionschefs. In den Werken von Lacour-Gayet (vgl. Quellenverzeichnis) findet man Personalangaben über die Offiziere der betreffenden Zeit, aus denen die Daten ihrer Beförderungen und damit die Beförderungsverhältnisse zu entnehmen sind.

Vergleich der englischen und französischen Marine[21]. Was das Material anbetrifft, war England beim Beginn eines jeden der drei Kriege an Zahl der Schiffe überlegen. Diese Überlegenheit trat dann im Verlauf der Kämpfe noch mehr hervor, nur bei Beginn des dritten Krieges waren Frankreich und Spanien zusammen etwas stärker. Frankreich hatte allerdings stets die besser konstruierten Fahrzeuge; infolge der großen Verluste und der kurzen Lebensdauer der aus grünem Holze erbauten Schiffe war es häufiger zu Neubauten genötigt. Diesem Umstande ist aber kein zu großes Gewicht beizulegen. Zwar führen die Engländer mehrfach die besseren Segeleigenschaften der französischen Schiffe an, aber ebenso oft heben die Franzosen die größere Geschwindigkeit der englischen hervor; im dritten Kriege führen sie dies darauf zurück, daß England schon viele gekupferte Schiffe gehabt hätte. Vor allem aber wird die seemännische Tüchtigkeit der Engländer die Vorteile der besser gebauten Fahrzeuge auf französischer Seite aufgehoben haben; eine geschulte Besatzung holt eben mehr aus ihrem Schiffe heraus. Ebenso ist die Behauptung der Engländer, daß die Franzosen durch schwerere Kaliber in der Artillerie überlegen gewesen seien, sehr einzuschränken. Nach unseren Tabellen trifft es nur bei den Schiffen über 80 Kanonen zu, und die Hauptkraft der Flotten lag stets in den nächstniedrigeren Klassen; im dritten Kriege hatten die Engländer außerdem den Vorteil der Karronaden[22]. Im großen und ganzen kann man das Material als gleich gut auf beiden Seiten annehmen, den Ausschlag im Kampfe gab — wie wohl fast in jedem Kriege zu Lande und zu Wasser — bei annähernd gleicher Stärke die Tüchtigkeit der Mannschaft.

In Hinsicht auf das Personal war aber die englische Marine stets überlegen. Für die Mannschaft stand ihr die große Zahl der befahrenen Seeleute des Landes zur Verfügung. England hatte ferner auch während der langen Friedenszeit stets viele Schiffe im Dienst und erhielt sich so einen Stamm von geübtem Kriegsschiffspersonal. Später folgten dann die Kriege schnell aufeinander, und in diesen wurde alles aufgeboten, was an Schiffen vorhanden; auch war der harte Dienst langer Blockaden eine vortreffliche Schule. Mangel an Mannschaften trat allerdings trotzdem auf (Seite 26), und das dadurch notwendige wahllose Pressen brachte viel minderwertiges, ja schlechtes Material, ein Umstand, der wohl die erwähnten Übelstände — schlechten Gesundheitszustand an Bord, Mißvergnügen, starke Fahnenflucht — mit verschuldet hat.

In Frankreich lagen die Verhältnisse weit ungünstiger. Hier deckte die Einrichtung der Inskription den Bedarf an Matrosen nur im ersten Kriege, in dem die Indienststellungen gering waren. Wie schon früher, entvölkerten sich dann die Küsten während der Kriege, wenn der Seehandel daniederlag, und erholten sich nur langsam wieder; so standen z. B. 1701 87000 und 1776 nur 67000 Inskribierte in den Listen, obgleich gerade zu dieser Zeit die Schiffahrt aufgeblüht war. Beim Beginn des zweiten Krieges fielen die Besatzungen von 500 Handels-, sowie einiger Kriegsschiffe, die England unmittelbar vorher aufgebracht hatte, gegen 5000 befahrene Seeleute aus, und im dritten Kriege stellte Frankreich so viel Schiffe in Dienst, daß zum Ersatz von Matrosen stark auf die Seetruppen, ja sogar auf das Heer zurückgegriffen werden mußte; für die Schiffe in Toulon warb man auch Fremde von den Küsten des Mittelmeeres an. Das französische Personal hatte außerdem im allgemeinen auch nicht die gleiche Übung und Erfahrung wie das englische und erhielt sie selbst während der Kriege nicht, denn in Friedenszeiten waren zu wenig Kriegsschiffe im Dienst, und in den beiden ersten Kriegen ward die Flotte bald lahmgelegt; es wurden dann weniger Schiffe in Dienst gestellt und die ausgerüsteten sahen sich vom Gegner in den Häfen festgehalten. Dies trifft für den dritten Krieg zwar nicht zu, aber in diesem reichte eben der Ersatz an befahrenen Seeleuten überhaupt nicht.

Die zu geringe Verwendung im praktischen Seedienst zeitigte natürlich auch im französischen Offizierkorps bedenkliche Folgen. Vor Ausbruch des zweiten Krieges sollen z. B. von den 900 Seeoffizieren nur 200 eingeschifft gewesen sein, während der Rest nur acht- oder zehnmal im Jahre eine vierundzwanzigstündige Wache auf einem der Schiffe im Hafen tat; da kann es nicht wundernehmen, daß sie den englischen in Übung und Erfahrung sehr nachstanden. Vor dem dritten Kriege wurden allerdings Übungsgeschwader im Dienst gehalten, diese waren jedoch so klein, daß nur wenige Offiziere daraus Nutzen ziehen konnten. Im übrigen scheinen, wie die Geschichte des Seewesens zeigt, die germanischen Völker noch mehr natürliche Begabung für den Seedienst zu haben als die romanischen. Wir haben ferner schon darauf hingewiesen (Band I, Seite [319] und [506]), daß und aus welchem Grunde sich das französische Seeoffizierkorps ganz anders herausbildete als das englische, daß bei dem Verschmelzen des Soldaten mit dem Seemann im Franzosen der erste, im Engländer der letzte überwog.

In England konnte ein jeder ohne Rücksicht auf Herkunft höhere Stellungen erreichen. Die schon erwähnte harte Erziehung dort, die häufige Verwendung an Bord machte die englischen Offiziere zu kühnen und erfahrenen Seeleuten, aber mit wenig Neigung für Wissenschaft und Theorie, zu „Teerjacken“, wie die Engländer selber sagen; da sie viel zur See fuhren, aber nicht immer kriegerische Verwendung fanden, wurden hervorragende Leistungen in Seemannschaft ihr Stolz, militärische, die mehr auf Theorie begründet waren, wie z. B. Taktik, lagen ihnen ferner. In Frankreich ergänzte sich das Offizierkorps nur aus Adligen, gerade hier eine hervorragend kriegerische Kaste; bis 1789 gab es besondere Beamte, die die adlige Herkunft der Offizieraspiranten zu prüfen hatten. Eine sorgfältigere Erziehung und auch wohl der Volkscharakter führten außerdem die französischen Offiziere dahin, sich mehr mit wissenschaftlichen Studien zu beschäftigen, und die Seltenheit der Einschiffungen gab ihnen die Zeit hierzu. So stand das französische Seeoffizierkorps dem englischen in seemännischer Praxis unbedingt nach, war ihm aber theoretisch überlegen. Letzteres zeigt sich während der nächsten Kriege besonders in der Taktik: die Engländer hielten im Kampfe an einem alten Brauche fest, die Franzosen gründeten hierauf eine überlegte Taktik. Einen größeren Nutzen zogen sie aber hieraus nicht, da ihre Taktik die einer zu vorsichtigen Abwehr gegen ein kräftiges, allerdings oft unbedachtes Draufgehen blieb.

Von der wissenschaftlichen Beschäftigung der französischen Offiziere gibt uns die Akademie ein Beispiel; wir sehen weiter noch, daß sich verschiedene Offiziere literarisch über Seetaktik betätigten. Die Bewertung der Theorie ging aber zu weit. Chabaud-Arnault sagt (Seite 196) von den Offizieren um 1778: „Sie waren mutig, eifrig und besser unterrichtet als die anderer Marinen. Vielleicht waren sie zu gelehrt in dem Sinne, daß ihnen, durchdrungen von den Regeln der Theorie, häufig die Initiative fehlte, unter gewissen Umständen mit den Regeln zu brechen, wenn es sich darum handelte, einen Erfolg auszunutzen oder die Folgen einer Schlappe abzuschwächen.“ Die Engländer verfielen übrigens in den gleichen Fehler, aber aus Mangel an theoretischer Beschäftigung mit der Taktik; auch sie wagten nicht, von den althergebrachten Regeln abzuweichen. Dieser Fehler ist aber bei den Franzosen auch sicher eine Folge der von höchster Stelle angeordneten Kriegführung. Eine lange durchgeführte defensive Strategie, der häufig ausdrücklich gegebene Befehl, die Schiffe zu erhalten und zu schonen, konnte nicht zur Entwicklung von Unternehmungsgeist im Offizierkorps führen und hat auch zum Aufbau[36] einer reinen Abwehrtaktik beigetragen. Der größere Wagemut auf englischer Seite und das vorsichtige Zurückhalten auf französischer ist in vielen Fällen schließlich auch darauf zurückzuführen, daß infolge der verschiedenen Beförderungsart die höheren Führer der Franzosen in weit höherem Lebensalter standen.

Ältere französische Schriftsteller sagen, die Disziplin im französischen Offizierkorps sei mangelhaft gewesen, besonders zur Zeit des dritten Krieges, neuere stellen dies in Abrede, geben aber folgende Punkte zu, die dem Geiste der Unterordnung schädlich waren: der Geburts- und Klassenstolz der Offiziere brachte ein Gefühl der Gleichberechtigung aller Dienstgrade hervor. Admirale, Kommandanten, Offiziere und Seekadetten bildeten eine Waffe; „sie duzten sich wie Hinz und Kunz“. Bei der Handhabung des Schiffes sprach der Untergebene seine Meinung aus, und der Vorgesetzte gab oft nach, um nicht unbeliebt zu werden. — Wie zur Zeit Colberts stellte man wieder Offiziere der Armee mit ihrem Dienstgrade in die Marine, was die Seeoffiziere empörte und der Kameradschaft schadete. — Der Adelsstolz der officiers rouges stieß die officiers bleus vor den Kopf. Dies zeigte sich besonders im dritten Kriege, als im französischen Volke bereits revolutionäre Gedanken auftauchten.

Uniformen. In die hier geschilderte Zeit fällt die Einführung von Uniformen für die Seeoffiziere und Deckoffiziere. Bis dahin scheint zwar eine gewisse gleichartige Tracht Mode gewesen zu sein — in Frankreich war eine Uniform für die Gardesmarines vorgeschrieben, in Dänemark schon 1723 auch für die Offiziere —, aber genaue Vorschriften erschienen in England[23] erst um 1748 und 1787, in Frankreich 1763. Überall wurde Blau mit goldenem Besatz gewählt, wie es noch jetzt üblich ist. Der Anzug der Matrosen blieb noch weiter ungeregelt; in England konnten die Leute ihren Anzug vom Staate kaufen, waren aber nicht dazu verpflichtet. Wahrscheinlich hat auch bei den Matrosen eine Mode geherrscht, wie es ja nach alten Bildern selbst in der Handelsmarine der Fall gewesen zu sein scheint, auch wird der Einfluß der Vorgesetzten eine gewisse Gleichmäßigkeit, wenigstens auf den einzelnen Schiffen, erzielt haben.

Die Taktik.

Wir haben die Entwicklung der Taktik während der Zeit von 1648 bis 1740 verfolgt[24] und wollen nun hier zunächst ihren Stand zu Beginn des neuen Zeitabschnittes betrachten. Am geeignetsten hierzu ist das Werk des Jesuitenpaters Paul Hoste. Dieser war längere Zeit Kaplan des französischen Admirals Tourville; als Professor der Mathematik am Kgl. Seminar in Toulon veröffentlichte er 1697 das Buch „L'art des armées navales ou traité des évolutions navales“ (vgl. Quellenverzeichnis); es ist wohl anzunehmen, daß in diesem mehr oder weniger die Gedanken genannten Admirals, des letzten großen Taktikers in den Kriegen des 17. Jahrhunderts, enthalten sind. Hoste stellt Grundsätze und Lehren für die Führung von Flotten auf und erläutert sie durch die Beschreibungen wichtiger Schlachten und sonstiger Ereignisse dieser Kriege. Von 1697 bis 1740 ist nur ein Seekrieg geführt und in diesem nur eine Schlacht geschlagen (Malaga 1704); das geschickt aufgebaute und durchdachte Werk gibt wahrscheinlich auch noch den theoretischen Stand der Seetaktik um 1740; es ist später die Grundlage zu ihrer weiteren theoretischen Entwicklung im 18. Jahrhundert gewesen und bis zum Ende der Segelschiffahrt von anderen Schriftstellern vielfach benutzt und ausgelegt, aber im Grunde wenig geändert worden.

Hostes Werk über Taktik bespricht die geeignetste Gefechtsordnung, die Vorteile der Luvstellung; verschiedene Marsch- (auch Rückzugs-) Ordnungen; Übergänge aus einer Ordnung in eine andere; besondere Manöver wie Geschwaderwechsel, Herstellung der Ordnungen bei Windänderung, Gewinnen der Luvstellung sowie Hindern des Gegners daran, Maßnahmen beim Forcieren oder Verteidigen einer Enge; besondere Lagen im Gefecht, Erzwingen oder Vermeiden des Kampfes, teilweises Dublieren des Gegners und Maßregeln dagegen[25], Durchbrechen der feindlichen Linie. Diese Betrachtungen sind besonders für Seeoffiziere sehr lesenswert; für unsere Zwecke genügen die unmittelbar auf den Kampf bezüglichen Ausführungen.

Als Gefechtsordnung empfiehlt das Werk die Kiellinie der Schlachtschiffe dicht beim Winde unter kleinen Segeln, so daß die Schiffe eben gut steuerfähig bleiben. Die übrigen Fahrzeuge, Fregatten und Brander, sollen sich außerhalb der Linie etwa 1½ Seemeilen entfernt in Feuerlee[26] zur Verwendung bereit halten; die Fregatten zur Unterstützung, z. B. zum Schleppen, schwer beschädigter Schlachtschiffe und für besondere Aufgaben. Von den Marsch- und Ankerordnungen wird verlangt, daß sie einen schnellen Übergang in die Gefechtsordnung gestatten. Als geeignetste Marschordnung bei Erwartung eines Zusammenstoßes mit dem Feinde gilt eine Linie, in der sich die Schiffe so peilen, d. h. so zueinander liegen, daß sie sofort in Kiellinie beim Winde liegen, sobald sie über den einen oder den anderen Bug an den Wind gehen.

Die Luvstellung[27] erscheint am besten für das Gefecht geeignet, da man aus ihr jederzeit zum Angriff übergehen kann und weil sie auch sonst viele Vorteile für den Kampf bietet. Ebenso gilt noch der Angriff mit der ganzen Linie zugleich auf die ganze Länge des Gegners unter gemeinsamer Führung des Höchstkommandierenden als der gebräuchlichste. An Beispielen der großen Führer in den Kriegen des 17. Jahrhunderts weist Hoste auf verschiedene Mittel hin, um an einer Stelle die Übermacht zu gewinnen. So gestattet er, den Kampf geschwaderweise zu führen, wodurch oft entscheidende Gefechte herbeigeführt würden, hebt aber die Schwierigkeit der Wiedervereinigung der Flotte hervor. Verfügt die Luvflotte über eine größere Schiffszahl als der Gegner, so soll sie die hinten überschießenden Schiffe ihrer Linie dazu benutzen, die Schlußschiffe des Feindes von Lee her anzugreifen und so zu dublieren. Er ist gegen ein Dublieren der feindlichen Spitze, weil die damit betrauten Schiffe, falls sie durch Beschädigungen bewegungslos werden, dem Feuer der ganzen feindlichen Linie ausgesetzt sind, wenn diese im weiteren Verlaufe des Kampfes an ihnen vorüberzieht. Eine schwächere Leeflotte soll sich gegen das Dublieren dadurch schützen, daß sie ihre Linie durch Vergrößerung der Entfernungen zwischen den einzelnen Schiffen oder besser durch Freilassen einer Lücke verlängert, die dann aber durch Fregatten und Brander gedeckt werden muß.

Eine Flotte in Leestellung, die kämpfen will, soll sich hart am Gegner halten. Vielleicht bringt ihr eine Windänderung die Luvstellung oder es bietet sich infolge besonderer Zufälle eine Gelegenheit, den Feind aus der sonst dazu ungünstigen Leestellung her zum Kampfe zu zwingen (z. B. Havarien feindlicher Schiffe). Ist sie[38] überlegen, so kann sie dies durch einen Angriff mit ihren schnellsten Schiffen herbeiführen; diese halten den Feind fest, bis der Rest herankommt. Einen Angriff nimmt auch sie in Kiellinie beim Winde auf. Bei größerer Schiffszahl vermag sie den Feind hinten zu dublieren; zu diesem Zwecke weicht sie während des Kampfes nach Lee aus, ihre hinten überschießenden Schiffe machen das Manöver jedoch nicht mit, sondern setzen sich auf die Luvseite der letzten Schiffe der feindlichen Linie, wenn diese den Ausweichenden nachdrängt. Gegen ein solches Manöver soll sich eine schwächere Luvflotte dadurch schützen, daß sie nicht die ganze Linie der Leeflotte angreift, sondern nur, je nach der eigenen Schiffszahl, deren hintere Schiffe.

Für eine Leeflotte, aber nur für diese, sieht das Werk auch ein Durchbrechen der feindlichen Linie vor. Sie soll dazu über den beabsichtigten Durchbruchspunkt hinaussegeln und dann im Kontremarsch wenden[28]. Die Schiffe, die durchgebrochen sind, wenden darauf zu Luward der feindlichen Linie wiederum, und so sind die Schiffe des Gegners hinter dem Durchbruchspunkte dubliert. Hoste hält aber dieses Durchbrechen nicht für unbedingt empfehlenswert. Der Gegner kann es vereiteln, wenn er sofort mit allen Schiffen zugleich über den andern Bug geht; es wird gefährlich, wenn der Feind einige Schiffe durchbrechen läßt und dann wendet, denn nun sehen sich die durchgebrochenen dubliert. Das Manöver sei nur ratsam, wenn man eine größere Gefahr vermeiden will (z. B. auf eine Leeküste gedrängt, um abgeschnittene Kameraden zu befreien u. dgl.); auch wenn in der feindlichen Linie eine Lücke vorhanden ist — sei es infolge geringerer Schiffszahl, sei es nach Niederkämpfen einiger —, sollen die dadurch unbeschäftigten eigenen Schiffe durch die Lücke brechen und den Feind hinten dublieren.

Das Werk zeigt uns, wie dargelegt, einen hohen theoretischen Stand der Taktik, wohl geeignet, darauf weiter zu bauen. In der Praxis lag jedoch die Sache anders. Vom zweiten Englisch-Holländischen Kriege (1665–1667) an finden wir zwar in allen großen Schlachten Flottenführer, die versuchen, an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, sei es schon durch Ansetzen des Angriffes, sei es durch Ausnutzen von Blößen, die der Gegner während der Schlacht zeigt. Wir nennen Monck, Ruyter, du Quesne, die in diesem Bestreben von ihren Unterführern, d'Estrées, Bankers, den Haën, Nesmond, durch selbständige Manöver unterstützt wurden. Die aus diesen Beispielen zu ziehenden Lehren waren jedoch noch nicht Allgemeingut geworden, selbst die Gefechtsinstruktionen jener Zeit standen nicht auf der Höhe der Hosteschen Abhandlungen; es ist auch nicht anzunehmen, daß sich die Seeoffiziere jener Zeit, insbesondere die englischen „Teerjacken“, im allgemeinen mit ihnen beschäftigt hätten.

Die älteste eingehendere Gefechtsinstruktion in England[29] ist von 1665. Sie weist im allgemeinen auf den „Angriff« von Luward her, über denselben Bug wie der Gegner liegend und mit der ganzen eigenen Linie auf die ganze feindliche zugleich“ hin. Sie sagt nämlich: „Erwartet der Feind, in Lee stilliegend, den Angriff, so soll ein jedes Geschwader[30] das entsprechende des Gegners angreifen. Begegnet die Flotte der feindlichen auf entgegengesetztem Kurse, so soll sie so weit laufen, bis ihre Vorhut querab von der Nachhut des Feindes ist; dann soll sie mit allen Schiffen zugleich wenden, so daß sie nun über den gleichen Bug parallel und querab von ihm (bereit zu vorstehender Angriffsart) liegt. — Steht die Flotte über gleichen Bug in Lee, so soll die Vorhut die feindliche Linie durchbrechen und deren hintere Schiffe von Luward her angreifen; Mitte und Nachhut sollen die vorderen Schiffe des Feindes beobachten und die Nachhut unterstützen.“ Bald darauf wurde einem selbständigen Durchbrechen seitens der Geschwaderchefs, ja selbst der Schiffskommandanten, in günstigen Augenblicken das Wort geredet und ihnen überhaupt mehr Freiheit gegeben, aber dann kam nach und nach in der Instruktion doch immer stärker das Streben zum Ausdruck, die ganze „Kiellinie beim Winde“ in strengster Ordnung, Spitze gegen Spitze und Schiff gegen Schiff von Luward her zum Angriff heranzuführen.

Die Vor- und Nachteile der Luvstellung (vgl. Band 1, Seite [184]): Die Luvflotte kann jederzeit angreifen, die Gefechtsentfernung bestimmen, sowie leichter zum Entern gelangen; sie kann leicht die feindliche Linie durchbrechen und einen Teil von ihr abschneiden; sie kann den Gegner hinten dublieren; ihre Brander kommen besser zur Verwendung. Der Pulverrauch zieht nicht über die Schiffe hin und brennende Rückstände aus den Geschützen gefährden sie nicht. — Die Nachteile der Luvstellung bestehen darin, daß die Schiffe häufig infolge des Überliegens bei starkem Winde oder wegen schwerer See die Pforten der untersten Batterie, in der die schwersten Geschütze stehen, auf der dem Feinde zugewandten Leeseite geschlossen halten müssen. Beim Herangehen zum Angriff sind die Schiffe dem Enfilierfeuer[31] ausgesetzt, während sie nur ihre Buggeschütze verwerten können. Es wird stets schwierig sein, ein Gefecht abzubrechen, da sich hierzu die Flotte nach Luward hin vom Feinde entfernen muß, beschädigte Schiffe werden aber vielleicht nicht mehr wenden oder höher am Winde steuern können; diese treiben dann dem Feinde entgegen, der sie völlig vernichtet, falls sie nicht dadurch unterstützt werden, daß man das Gefecht fortsetzt.

Um 1691 sind die Bestimmungen über Durchbrechen ganz fortgefallen; kein Geschwader und kein Schiff darf ohne Befehl seinen Platz verlassen; streng wird darauf hingewiesen, den Angriff genau Spitze auf Spitze anzusetzen. Der Wortlaut der Instruktion machte es dem Oberbefehlshaber fast unmöglich, seine Flotte so heranzuführen, daß er von vornherein an einer Stelle die Übermacht gewann, und ebenso war ausgeschlossen, dies später durch Initiative der Unterführer zu erreichen.

Ein Dublieren des Feindes durch unbeschäftigte Schiffe, wie es Hoste empfiehlt, war in England auch früher niemals vorgesehen. Man soll wegen der Gefahr des gegenseitigen Beschießens der eigenen Schiffe das Dublieren hier ungünstig beurteilt haben, da die Engländer möglichst nahe an den Feind heranzugehen pflegten. Die Franzosen, die weitere Gefechtsentfernungen bevorzugten, hielten mehr vom Dublieren.

In dieser Änderung der Instruktion sahen sämtliche Marineschriftsteller bisher einen argen Rückschritt in der Taktik gegen die Zeit der obenerwähnten hervorragenden Führer. Nur Corbett sagt[32], es sei ein natürlicher Rückgang in ein defensiveres Verfahren nach einer Zeit wagemütigen Vorgehens seitens bedeutender Männer gewesen; man sei mit der Erkenntnis der Gefahren, die außergewöhnliche Manöver mit sich brächten (wie sie auch Hoste anführe), zu der wohlüberlegten Überzeugung gekommen, daß diejenige Flotte die größte Aussicht auf Erfolg habe, die am längsten ihre Formation hielte. Corbetts Auslassungen werden teilweise richtig sein, aber er will doch wohl auch das englische Seeoffizierkorps jener Zeit gegen den Vorwurf in Schutz nehmen, es habe die Taktik vernachlässigt. Sollte dieser Vorwurf nicht doch berechtigt sein?

Wir haben bei der Kennzeichnung der Offizierkorps der beiden großen Marinen erwähnt, daß in England wenig Neigung zu militärisch-theoretischen Studien vorhanden war. Stolz auf ihre seemännische Tüchtigkeit, glaubten die englischen Seeoffiziere ihr Ziel, das Niederschmettern des Feindes „im Kampf Schiff gegen Schiff“, jederzeit zu erreichen. Die Beispiele der großen Führer bis zur Schlacht von Kap Barfleur-La Hogue (1692) gerieten in Vergessenheit, und es ist fraglich, ob Hostes Werk in weiteren englischen Kreisen bekannt war; erst etwa 1762 erschien eine vollständige Übersetzung in englischer Sprache. Die lange Friedenszeit 1713–1739 gab auch keinen Anlaß zur Beschäftigung mit taktischen Fragen; Übungsflotten kannte man noch nicht[33]. So führten die Engländer lange Zeit ihre Schlachten nach den Buchstaben ihrer Gefechtsinstruktion: Rücksichtsloses Draufgehen in starrer Ordnung, Kampf Schiff gegen Schiff in nächster Nähe. Sie richteten auch stets ihr Feuer auf den Rumpf der feindlichen Schiffe, also auf die durch Geschütze und Mannschaft dargestellte Gefechtskraft, während es häufig zweckmäßiger gewesen wäre, die Takelage, also die Bewegungsfähigkeit der Gegner, als Ziel zu wählen. Zum Beharren bei dieser unvollkommenen Taktik trugen verschiedene Kriegsgerichtsurteile bei über Führer, die von der Vorschrift abgewichen waren. Die bekanntesten dieser Gerichtserkenntnisse sind die nach den Schlachten vor Toulon (1744) und bei Minorka (1756); aus ihrer Besprechung wird sich ergeben, welch eine beschränkte Auffassung für die Verwendung von taktischen Regeln im englischen Seeoffizierkorps herrschte.

Wir wissen, daß die französischen Seeoffiziere im Gegensatz zu den englischen mehr für die militärische Seite ihres Berufes veranlagt waren und sich mehr mit theoretischen Studien beschäftigten[34]. So entstand gegen die schematische Angriffsart der Engländer nun eine Abwehrtaktik der Franzosen. Diese nutzte die bisher wenig beachteten Vorteile aus, die eine Leestellung bietet. Die Franzosen sind aber nicht nur aus diesen Gründen zur Wahl einer Defensivtaktik gekommen, sondern dabei sehr durch ihre Strategie beeinflußt worden.

Zur englischen Angriffsart.

Vor- und Nachteile der Leestellung. Die Flotte in der Leestellung kann den Kampf nicht erzwingen und ist einem Angriff gegenüber auf die Verteidigung angewiesen, wenn sie sich nicht zurückziehen will. Ein Durchbrechen oder ein Dublieren des Gegners ist für sie schwieriger als für eine Luvflotte. Sie kann aber fast bei jedem Wetter ihre untersten Batterien gebrauchen, da die Luvseiten der Schiffe dem Feinde zugewandt sind; auch kann sie die Angreifer beim Herankommen mit den Breitseiten beschießen. Sie deckt leichter ihre beschädigten Schiffe, hält leichter ihre Ordnung aufrecht und kann jederzeit das Gefecht abbrechen, da der Feind mit stärker beschädigten Schiffen nicht imstande sein wird, sofort und in guter Ordnung zu folgen.

Die Luvstellung ist mithin geeigneter zum Angriff, die Leestellung zur Abwehr, und es ist, wie in der Kriegführung stets, auch hier die Verteidigung materiell, der Angriff moralisch stärker (nach einem Ausspruche des Generals v. Clausewitz).

Die englische Angriffsart bringt große Übelstände mit sich. Wenn der Angreifer abhält, um an die feindliche Linie heranzugehen und sich dann dieser auf nahe Entfernung Schiff gegen Schiff nun auch unter gekürzten Segeln wieder parallel zu legen, so sind seine Schiffe längere Zeit dem Enfilierfeuer von vorn ausgesetzt, das sie nur mit wenig Geschützen erwidern können (vgl. Plan, Lage 1). Nun liegt aber der Angegriffene nicht ganz still, er hat wenigstens soviel Bewegung, daß die Schiffe steuerfähig bleiben. Die angreifenden Schiffe müssen also schräg herangehen, um auf die ihnen in der feindlichen Linie entsprechenden Gegner zu stoßen; hierdurch wird die Dauer der ungünstigen Lage verlängert (Lage 2). Ferner ist es für Segelschiffe sehr schwierig, in einer solchen Stellung zueinander (nicht mehr in Kiellinie, sondern in einer Peilungslinie zum Kurse — Lage 2a-a) eine gut ausgerichtete Linie innezuhalten, und da nun auch das eine oder das andere Schiff in der Takelage beschädigt werden wird, ist es wahrscheinlich, daß nicht alle Schiffe gleichzeitig ihren Platz zum Nahkampfe einnehmen; der Angriff erfolgt also nicht gleichmäßig.

Dies ist nun aber nur von formeller Bedeutung, in der Praxis gestaltet sich der Angriff noch ungünstiger. Die Luvflotte will dem Feinde den Weg abschneiden, ihn festhalten und zum Kampfe zwingen. Sie wird also schon von weiterer Entfernung an vor die Spitze des Feindes halten. Bei der Schwierigkeit, dies in einer Peilungslinie durchzuführen sowie um ein längeres Enfiliertwerden zu vermeiden, wird sie in Kiellinie bleiben, bis sie nahe genug zum Angriff durch Abhalten ist (Lage 3). Dieses Schrägheranführen in Kiellinie hat zwei Mißstände im Gefolge, die einen gleichzeitigen Angriff ausschließen, häufig denselben überhaupt lähmen. 1. Die ersten Schiffe werden stets früher zum Nahgefecht kommen als ihre Hinterleute, weit früher aber noch als die letzten der Linie. 2. Wenn ein Schiff der Linie, z. B. in der Mitte (Lage 4 a). vor dem Abhalten zum Angriff durch Beschädigungen lahmgelegt wird, so hält es seine Hinterleute auf und zwingt sie zum Ausweichen; die Linie wird gestaucht und die Ordnung gestört.

Die Schwierigkeit, den Angriff auf der ganzen Linie gleichzeitig durchzuführen und die ungünstige Lage des Angriffes machten die Franzosen sich zunutze. Sie ließen den bisher allgemein anerkannten Grundsatz fallen, vor der Schlacht die Luvstellung zu erstreben; sie gingen sogar zuweilen freiwillig nach Lee, um in (Kiellinie beim Winde) den Angriff aufzunehmen. Sie richteten dann, wie sie es schon früher gern getan hatten, ihr Feuer auf die Takelage, die Bewegungsfähigkeit des Feindes, ein großes, bereits auf weitere Entfernungen mit Erfolg zu beschießendes Ziel. Sie warteten dann aber nicht den Angriff auf der ganzen Linie ab, sondern wichen einem allgemeinen Kampf aus, wenn nur erst die feindliche Spitze herangekommen und genügend geschädigt war.

Meist zogen sie unter schnell vermehrten Segeln ihre ganze Linie an den vordersten feindlichen Schiffen, die dann schon durch das beim Herangehen erhaltene Feuer in ihrer Bewegungsfähigkeit beschränkt waren, vorüber und überschütteten sie mit Geschossen; dann nahmen sie in Lee aufs neue Stellung und warteten in gleich günstiger Lage wie beim ersten Angriff das Weitere ab[35]. Sie konnten infolge des zwischen den Flotten lagernden Pulverrauchs gewöhnlich ihr Manöver unbemerkt beginnen und auch in guter Ordnung durchführen, da ihre Schiffe noch unbeschädigt waren. Die Engländer aber sahen von einem zweiten Angriff ab, weil ihre Spitzenschiffe durch die Beschädigungen in der Takelage nicht mehr voll gefechtsfähig waren; häufig wurde eine englische Flotte dadurch sogar auf längere Zeit lahmgelegt. Es blieb bei dem einen Zusammenstoß, und die Flotten trennten sich.

Hier ist der Einfluß der Strategie der Franzosen auf ihre Taktik zu erkennen. Diese hätte weiter dahin ausgebildet werden können, daß man nach der Schwächung des Gegners zum Angriff überging, um noch größeren Erfolg auf dem Schlachtfeld zu erreichen. Die Franzosen begnügten sich aber damit, den Angriff unter Schonung der eigenen Schiffe abgeschlagen zu haben.

Wie schon meist zur Zeit Ludwigs XIV. kämpfte Frankreich auch später nie um die Seeherrschaft im großen Sinne; den Seestreitkräften wurden nur bestimmte Ziele gesetzt: eine Eroberung zu sichern; eine Landung zu decken; ähnlichen Vorhaben des Gegners entgegenzutreten, häufig mit dem ausdrücklichen Befehle, „die kostbaren und schwer zu ersetzenden Schiffe zu schonen“. Die Flottenführer wurden somit darauf hingewiesen, Zusammenstöße möglichst zu vermeiden und, wenn sie zum Kampfe gezwungen waren, jedenfalls nicht zuviel aufs Spiel zu setzen. Diese Auffassung wurde bei ihnen zum Grundsatz; ein französischer Autor sagt sogar: „Man sah es fast als ein Unglück an, wenn man mit dem Feinde zusammenstieß.“ Deshalb bevorzugten die Franzosen nun auch die taktische Defensive, bauten ihre Abwehrtaktik aus der Leestellung auf und führten diese dann schematisch durch, ohne etwaige Erfolge auszunutzen. Auch ihre Gefechtsinstruktion sah die Aufrechterhaltung der Ordnung als Hauptsache an und verbot streng, die Linie ohne Befehl zu verlassen.


Lange Zeit blieben beide Gegner bei ihrem Schema. Die Schlacht bei Malaga (1704) gilt als die erste, in der sich die englische Angriffsform zeigt; in der Schlacht bei Minorka (1756) tritt das französische Abwehrverfahren zuerst deutlich hervor; als die letzten Fälle, in denen die beiden Taktiken sich noch einmal ausgesprochen gegenüberstehen, werden die Schlachten vor der Chesapeakebucht 1781 (am 16. April und am 5. September) angesehen. Die dazwischenliegende Zeit nennt man wohl die Zeit der unentschiedenen oder der französischen Defensivschlachten. Dies ist zutreffend, denn in allen Kämpfen zwischen annähernd gleichen Streitkräften begnügten sich die Franzosen mit der Abwehr, und die Schlachten brachten taktisch keine Entscheidung.

Die angreifenden Engländer erreichten nie ihren Zweck, den Feind zu vernichten, aber auch die Franzosen erfochten nie einen vollen Sieg. Bei der eigenartigen Verwendung des Geschützfeuers auf jeder Seite, der ihr eigentümlichen Taktik entsprechend, hatten die Franzosen meist den größeren Verlust an Menschen, während auf englischer Seite stets die Schiffe bedeutend mehr litten.

Erst gegen das Ende des hier behandelten Zeitabschnittes tritt bei beiden Gegnern wieder der Gedanke auf, sich mit der ganzen Kraft auf einen Teil des Feindes zu werfen. Der englische Admiral Rodney versucht bei Martinique (17. April 1780) von Luward her nur die feindliche Mitte und Nachhut anzugreifen. Von seinen an die alte Kampfart gewöhnten Unterführern nicht verstanden, gelingt es ihm zwar nicht, aber sein Gegner sucht von nun ab wieder die Luvstellung; allerdings geschieht dies nicht zum Angriff, sondern weiter zum Vermeiden größerer Entscheidungen. Derselbe Führer durchbricht bei Dominica (1782) von Luward her mit seiner Mitte die feindliche Flotte und dubliert den abgeschnittenen Teil mit großem Erfolge. Möglich, daß er zu diesem Manöver nur durch ein Umspringen des Windes gezwungen wurde, aber dessen Vorteile wurden jedenfalls erkannt, und dies führte dahin, daß man in England wieder Signale für „Durchbrechen“ annahm. Zu derselben Zeit weicht auch der französische Admiral Suffren in den indischen Gewässern von der bisherigen Defensivtaktik ab; er wählt die Luvstellung zum Angriff und sucht eine gleichstarke englische Flotte hinten zu dublieren.

Die vorstehenden Darlegungen über die Taktik sollen die späteren Schilderungen der Schlachten, sowie ihre Besprechungen erleichtern. Sie erweisen aber auch jetzt schon die Kennzeichnung des vierten Abschnittes: „Die Taktik wird lange schematisch gehandhabt, aber gegen das Ende erwacht neues Leben in ihr“, als richtig. Jetzt erschien das epochemachende Werk des Schotten Clerk (vgl. Quellenverzeichnis) und zwar 1782 in wenigen Exemplaren gedruckt, 1790 in erster großer Auflage. Wir werden uns damit im nächsten Abschnitt beschäftigen, weisen aber hier schon darauf hin, daß der Verfasser die Maßnahmen zur Konzentration der Kraft in der Schlacht behandelt, sowie daß er seine Gedanken bereits vor dem Erscheinen des Buches englischen Seeoffizieren, unter diesen auch Rodney, mitgeteilt hatte.

Fußnoten:

[10] Siehe Band I, Seite [166], die Abbildung des „Royal Louis“.

[11] Mit der Bezeichnung „Fregatte“ verband sich vom Mittelalter her, auch schon bei den Ruderschiffen, der Begriff der Schnelligkeit im Gegensatz zur Gefechtskraft, nach und nach trat für sie jedoch die Anforderung einer gewissen Gefechtskraft hinzu. Ueber die allmähliche Entwicklung des Begriffes „Fregatte“ vgl. auch Band I im Sachregister unter diesem Stichworte.

[12] Näheres über diese Spezialschiffe vgl. Band I im Sachregister unter den betreffenden Stichworten.

[13] Hauptquellen: Clowes III, die Kapitel „Civil history“ 1714–1762 und 1762 bis 1792; Troude I „Introduction“.

[14] Clowes gibt diese in Band III, Seite 11 und 334; von dort sind noch die Angaben für 1765 entnommen.

[15] Vgl. hierüber sowie auch über Veränderung der Schiffe zur Aufstellung der Karronaden Clowes III, Seite 333 ff.

[16] Die innere Geschichte der englischen Marine nach Clowes III in den Kapiteln „Civil history“.

[17] Seesoldatenregimenter waren 1702 gegründet. Der Zweck der Seesoldaten an Bord war ihre Verwendung als besonders gut ausgebildete Gewehrschützen, als Kern der Landungsabteilungen und auch als Stützen der Disziplin. Vgl. hierüber auch Band I, Seite 182, 506. Von der Besatzung der Schiffe wird man etwa ein Fünftel als Seesoldaten annehmen können. Die Seesoldatenregimenter bildeten eine stehende Truppe, von der die Schiffe bei der Indienststellung ihren Bedarf entnahmen, während ihr Matrosenkorps neu zusammengestellt wurde.

[18] Quellen für die innere Geschichte in diesem Zeitabschnitt: Chab. Arnault, gedrängt, aber sehr übersichtlich; Lacour I und II ausführlicher, auch in Hinsicht auf die Bestimmungen für die Organisation besonders unter den Ministern Maurepas und Choiseul: diese Bestimmungen auch in Bonfils Band II, Seite 149–211.

[19] Die in Frankreich vorhandenen Seetruppen, Seesoldaten-, Kanonier- und Bombardier-Kompagnien, waren (wie in England) gewissermaßen stehende Truppen, wurden aber hier von Seeoffizieren befehligt.

[20] Nach Lacour II. Zum Vergleich einige Angaben (nach Campbell) über die englische Marine: Bewilligt, einschließlich des Mehrverbrauchs im Vorjahre, wurden für 1778 4 Millionen Pfund Sterling, 1779 4½, 1780 7½, 1781 8, 1782 7½.

[21] Zu dieser Betrachtung ist neben den Hauptquellen für die innere Geschichte der Marinen auch Mahan I an verschiedenen Orten benützt.

[22] Dieser Vorteil wird von den Franzosen vielleicht über Gebühr hervorgehoben.

[23] Beschreibungen der Uniformen vgl. Clowes III, Seite 21 und 347.

[24] Vgl. Band I, Sachregister unter „Taktik“.

[25] Dublieren, d. i.: den Feind zwischen zwei Feuer nehmen.

[26] Feuerlee ist die dem Gegner abgewandte Seite.

[27] Luvstellung bedeutet windwärts (über dem Winde) vom Gegner.

[28] Beim „Wenden im Kontremarsch“ drehen von vorn beginnend die Schiffe eines nach dem andern, wenn sie auf der Stelle angekommen sind, wo das erste gewendet hat; so bleiben die Kiellinie und die Reihenfolge der Schiffe bestehen. Beim „Wenden zugleich“ drehen die Schiffe gleichzeitig auf den Stellen, wo sie sich beim Erhalten des Befehles befinden; die Flotte steht dann gegen vorher in „Kehrt“, die Schiffe sind auch nicht mehr in Kiellinie, sondern müssen sich für eine solche erst wieder ausrichten. Entsprechend wird auch das „Halsen“ auf beide Weisen ausgeführt.

[29] Wir führen die englische Gefechtsinstruktion hier an, da die Engländer in den Schlachten der nächsten Kriege stets die Angreifenden waren und dadurch die Taktik der Franzosen beeinflußten. Eingehend bespricht die Entwicklung dieser Instruktion Corbett „Fighting instructions“ (vgl. Quellenverzeichnis).

[30] Es sei daran erinnert, daß eine Flotte meistens in drei Geschwader: Vorhut, Mitte, Nachhut, geteilt wurde.

[31] Enfilierfeuer ist ein Feuer von vorn (oder hinten), das die ganze Länge des Schiffes bestreicht und dessen Geschosse demnach in den Batterien und in der Takelage mehr Schaden anrichten als solche, die das Schiff seitlich treffen.

[32] In Corbett „England in the Mediterranean“ (vgl. Quellenverzeichnis, Band I) und in „Fighting Instructions“, eben angezogen. Über Corbetts Auslassungen vgl., schon genauer, auch Band I, Seite [532].

[33] Die auf Seite 35 erwähnten französischen Übungsgeschwader waren nur klein und sollten nicht taktische Fragen lösen, sondern die Offiziere in der Handhabung des Schiffes üben.

[34] Wir finden in Frankreich nach dem Werke von Hoste auch bald weitere Werke über Taktik. Kapitän Bigot de Morogues, der erste Direktor der Marineakademie, veröffentlichte 1763 ein Buch „Tactique navale ou traité des évolutions et des signaux“, das Hostes Werk ersetzen sollte. — Ein Offizier der französisch-ostindischen Kompagnie, Bourdé de Villehuet, schrieb 1765 das Buch „Le Manoeuvrier“ usw. (beide vgl. Quellenverzeichnis).

[35] Wenn die Vorteile der Leestellung bisher noch nicht erkannt waren, so nutzte doch Ruyter in der Schlacht bei Stromboli 1676 die Leestellung in ähnlicher Weise aus, wie es jetzt die französische Taktik tat; es ist freilich nicht sicher, ob es schon in richtiger Erkenntnis geschah (vgl. Band I. Seite [378]).


Drittes Kapitel.
Der Englisch-Spanische Krieg 1739 und der Österreichische Erbfolgekrieg 1740–1748.

Die Anlässe zum Kriege. Die Gruppierung der Staaten.

Der Englisch-Spanische Krieg wurde, wie schon angedeutet, durch Gegensätze in den Handelsinteressen beider Völker in Beziehung zu Amerika hervorgerufen. Im Frieden von Utrecht war den Engländern die Einfuhr von Negern in Spanisch-Amerika (der Assientovertrag)[A] sowie die Entsendung eines Schiffes bestimmter Ladefähigkeit zu dem Markte von Puerto-Belo[A] gestattet. Diese Zugeständnisse genügten weder ihren Wünschen noch dem Verkehrsbedürfnis der spanischen Kolonien. Infolgedessen entwickelte sich bald ein beträchtlicher englischer Schmuggelhandel[36], der die spanische Regierung in ihren Einkünften schwer schädigte und in ihrem Stolz tief kränkte. Sie begann deshalb die Zügel straffer anzuziehen, alte und strengere Bestimmungen wieder hervorzuholen und sie in schroffster Weise durchzuführen[37].

Der englische Schmuggelhandel war schon 1728 ebenso bedeutend wie der regelmäßige Handel Spaniens mit seinen Kolonien. Deshalb lockerte die bourbonische Regierung wenigstens ihren eigenen Untertanen gegenüber das alte Absperrungssystem etwas und gestattete 1728 in Guipuzcoa (einer der baskischen Provinzen) die Gründung einer Handelsgesellschaft für die Kolonien. Auch den Franzosen gewährte man 1733 bedeutende Vorteile dort, wodurch der schon erwähnte Aufschwung des Seehandels und der Kolonien wesentlich gefördert wurde. Anderseits verloren durch diese Maßnahmen die berühmten Silberflotten, die so lange ein Hauptangriffsobjekt der Feinde Spaniens gewesen waren, an Bedeutung; 1748 wurden ihre regelmäßigen Fahrten eingestellt, 1778 fuhr die letzte. England und Holland gegenüber hielt man jedoch die Absperrung aufrecht und führte sie sogar wieder schärfer durch. Das Puerto-Belo-Schiff, die Fahrzeuge im Negerhandelsdienst und besonders auch die Schiffe, die unter dem Vorwande einer Ausbesserung oder Ausrüstung die spanischen Niederlassungen anliefen, wurden peinlich überwacht und untersucht.

Nun war es aber unmöglich, die lange Küste mit ihren vielen Einläufen genügend abzusperren; die englischen Seeleute und Händler schreckten in ihrem Streben nach Gewinn weder vor Strafen zurück noch nahmen sie Rücksicht auf die spanische Empfindlichkeit, und Spaniens Macht war nicht stark genug, um die englische Regierung zu einer Unterstützung zu nötigen. So wurde der schwächere Staat zur Anwendung gesetzwidriger Mittel getrieben; man ermächtigte Kriegs- und Zollschiffe, oder erlaubte es ihnen wenigstens, englische Schiffe auch auf hoher See anzuhalten und zu untersuchen. Bei den gesetzlichen und bei den ungesetzlichen Durchsuchungen ließen sich aber die Ausführenden infolge des spanischen Charakters und des alten Hasses gegen die Eindringlinge zu Beleidigungen und unberechtigten Gewalttaten hinreißen. Das Unrecht lag auf beiden Seiten; es war die Fortsetzung des alten Zustandes: „no peace beyond the line“. (Drakes Grundsatz, vgl. Band I, Seite [80] und [95].)

Dieses Vorgehen Spaniens rief im englischen Volke lebhafte Erregung hervor, und als die Vorstellungen, die der Minister Walpole beständig und besonders im Jahre 1737 in Madrid gemacht hatte, keinen Erfolg erzielten, reichten die westindischen Kaufleute 1738 dem Unterhause eine Denkschrift ein, in der sie sich eindringlich über die Verluste beklagten, die ihnen durch die Beschlagnahme von Schiffen sowie durch die Belästigung des Handels überhaupt erwachsen seien; für die Zeit von 1729–1738 wurde die Wegnahme von 52 Schiffen im Werte von 140000 Pfund Sterling angeführt. Auch auf die unmenschliche Behandlung englischer Schiffsbesatzungen wies man hin.

Das größte Aufsehen erregte der Vorfall mit Captain Jenkins Ohr, der 1731 in der Presse zur Sprache kam: »Das Schiff „Rebekka“ wurde im April 1731 auf der Reise von Jamaika nach England in der Nähe Havannas von einem spanischen Zollkutter angehalten, in roher Weise durchsucht, der Kapitän mißhandelt und mit dem Tode bedroht. Heldenmütig erduldete er alles und bestand auf seinem Rechte. Als die Spanier keine Schmuggelartikel gefunden hatten, rissen sie ihm ein Ohr ab und warfen es ihm mit den Worten ins Gesicht: „Bringe dies deinem König und erzähle ihm alles«. Endlich nahmen sie die astronomischen Instrumente fort, so daß er sein Schiff kaum heimführen konnte. Die Schiffsbesatzung könne den Vorfall beeidigen.“

Diese Angelegenheit kam 1738 im Parlament wieder zur Sprache. Jenkins selber wurde vorgeführt und legte das Ohr auf den Tisch des Hauses nieder; auf die Frage, wie ihm bei der Sache zumute gewesen sei, antwortete er: „Ich empfahl mein Leben Gott, meine Sache dem englischen Volke.“ jedenfalls ein hochgemuter Ausspruch in dem Munde eines damaligen Schiffsführers. Gegner des Krieges behaupteten denn auch, die ganze Rolle sei ihm einstudiert und er werde sein Ohr wohl näher zu Hause und nicht ohne Grund (nämlich am Pranger) verloren haben; jedenfalls diente aber der Vorfall zur Erregung des Parlaments sowie der öffentlichen Meinung und hat geschichtliche Bedeutung erlangt.

Die Denkschrift forderte, daß ernstlich, nötigenfalls feindlich, gegen Spanien vorgegangen würde. Walpole wünschte jedoch keinen Krieg und erklärte, daß durch einen solchen nichts gewonnen werde. Spanien würde ein Auftreten, wie es im Parlament zur Sprache gekommen, nicht gewagt haben, wenn es nicht von stärkeren Mächten ermutigt sei, und England wäre dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht gewachsen; auch übertrieben die englischen Kaufleute und Rheder in blinder Leidenschaft die gerügten Mißstände. Er gab dem Parlamente hinhaltende Versprechungen und knüpfte nochmals (1738) Verhandlungen mit Spanien an. Dieses Verfahren genügte aber der öffentlichen Meinung nicht und die Presse verbreitete weiter die übertriebensten Gerüchte. In Spanien ging man auch nur widerwillig auf die Verhandlungen ein und wurde um so eigensinniger, je heftiger England auftrat, veranlaßt durch Personen der Kriegspartei gegen Walpoles Absicht.

Endlich zwang die Opposition im Parlament, geführt von William Pitt, 1739 den Minister, Spanien ein Ultimatum zu stellen. Es bestand in dem Verlangen einer völligen Verzichtleistung auf das Durchsuchungsrecht und der Anerkennung verschiedener Ansprüche Englands in Nordamerika (eine günstigere Grenzregulierung zwischen der neugegründeten Kolonie Georgia und dem spanischen Florida, dem Recht für England, Holz von der Campechebai auszuführen u. dgl.). Als diese Forderungen abgelehnt wurden, erfolgte die Kriegserklärung im Oktober 1739. Die Feindseligkeiten wurden sofort von seiten Englands eröffnet. Schon im Jahre darauf entbrannte der Österreichische Erbfolgekrieg, der gemeinsam mit dem Englisch-Spanischen zu betrachten sein wird.

Der Österreichische Erbfolgekrieg, einschließlich der beiden ersten Schlesischen Kriege wurde durch den Tod Kaiser Karls VI. (1740) hervorgerufen. Die Politik dieses Herrschers lief seit Jahren darauf hinaus, die gesamten Länder des Hauses Habsburg seiner Tochter Maria Theresia zu sichern („Pragmatische Sanktion“, vgl. Band I, Seite [594] ff.), und er hatte hierfür auch die Zustimmung der meisten europäischen Staaten erreicht. Als aber Maria Theresia zur Regierung kam, zeigte sich, daß die Pragmatische Sanktion nichts als ein Stück Papier war. Die offenbare Schwäche Österreichs, dessen Geld- und Wehrverhältnisse sehr im argen lagen, reizte die Begehrlichkeit verschiedener Staaten; überall meldeten sich Erbansprüche. Preußen machte sein Recht auf Teile von Schlesien geltend; Bayern, das stets gegen die Sanktion protestiert hatte, verlangte ganz Österreich; Spanien forderte die ehemalig spanischen Provinzen in Norditalien. Auch Sachsen hielt sich für erbberechtigt und Sardinien dachte die Lombardei zu gewinnen. Der Kurfürst von Bayern, Karl Albrecht, strebte außerdem nach der Kaiserwürde.