(Jährlich am Hochzeitstage.)

Unendliche Liebe! Allgütiger Gott! Was kann wohl mit dem Glücke verglichen werden, das du mich hast finden lassen, indem du mir die Glückseligkeit meiner Ehe zuteil werden ließest!—Wo fände ich wohl ein irdisches Gut, das höheren Wert hätte, als das, welches du mir in meinem teuren Gatten verliehen hast, mit dem ich des Lebens Freuden und Leiden teile. Mit jedem Tage lerne ich mehr und mehr schätzen, was ich an ihm besitze, als Ratgeber und Helfer; wie versüßte er mir sogar des Lebens bittere Stunden, wie hielt er mich unter mancherlei Prüfungen aufrecht! O, mein Gott, jedes Jahr, das verfließt, knüpft uns noch fester an einander; in den freudigen, wie in den kummervollen Tagen bewahrheitet es sich immer mehr an uns, daß Liebe ein Paradies voll Segnungen ist, die so schön, so friedlich und freudenvoll. Ja, ich fühle alle Segnungen, die der Besitz eines treuen Gatten in sich schließt. Alliebender, wodurch habe ich so viel Glück verdient? Und doch soll auch dieses mich so beglückende Band einmal zerrissen werden, und dann wird die Stunde der Rechenschaft kommen, da du mich fragen wirst, ob ich die Zeit des Glücks auch dazu benützt habe, selbst geheiligt zu werden und die Seele zu heiligen, welche du mit mir vereinigt hast. Deshalb, o Ewiger, bitte ich dich, indem ich dir für all mein Glück danke, erhalte in uns denselben liebevollen treuen Sinn, laß uns die freundliche Fürsorge für einander verdoppeln, wie unsere innerliche Ergebenheit gegen einander, und gib mir Kraft, meinen teuren Ehegatten nicht nur zu beglücken, sondern auch zu veredeln und zu heiligen, daß wir, in Frömmigkeit vereint, dereinst in den Wohnungen der Seligen mit einander das Glück und den Frieden der Seligkeit genießen mögen. Wache über uns, daß wir einander in Hoffnung und Treue unter den Sorgen des Lebens stärken mögen, und daß wir in des Lebens frohen Tagen vor deinem Angesichte wandeln. Halte deine schirmende Hand über meinen geliebten Ehegatten, und laß mich ihm lange, lange noch Freude bereiten. Ewig danke ich dir, du reicher Gott voll Gnaden und mein allmächtiger Beschützer.

Amen!


V. In einer kinderlosen Ehe.

Ewiger!»Kinder sind ja deine Himmelsgabe und Leibesfrucht eine Segnung, die von deiner Hand kommt!«[64] Wie sollte ich da nicht von ganzer Seele wünschen, mit Kindern gesegnet zu werden, die meines Herzens Freude sein und zu deiner Ehre erzogen werden sollten? O Herr! Wie der Vorzeit fromme Väter und Mütter bitte ich dich, mir diesen Segen zu verleihen, und mich noch Mutterfreuden genießen zu lassen. Aber wenn es in deinem unwandelbaren Rat beschlossen ist, mir dieses Glück zu versagen, so erfülle mein Herz mit innerlicher Ergebung in deinen Willen und mit vermehrter Liebe zu meinem Gatten, daß ich darin zehnfältigen Ersatz finde. Es sei ferne von mir, meinen Trost in dem Gedanken zu suchen, welch' eine schwere Bürde oft die Erziehung und die Versorgung der Kinder ist, wie viel Kummer sie nicht selten verursachen,—dient doch das gerade zu der Eltern Heil, o Herr! da diese erst aus der Mühe und Sorge, die ihnen ihre Kinder machen, erkennen, welchen Dank sie ihren Eltern schuldig sind.—In dieser meiner Sehnsucht nach Kindern will ich einen väterlichen Wink erkennen, den du mir gibst, die mir verliehenen irdischen Kräfte und Besitztümer zum Wohle derer anzuwenden, die in Bedrängnis sind. Ich will meinen Beistand der Kinderschar des Armen zuwenden, ich will ihnen zur Erkenntnis der heiligen Lehre förderlich sein, daß sie zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht aufwachsen, ich will den Verwaisten eine Mutter sein und reichen Beitrag spenden zum Besten jeder Wohltätigkeit, wie zu deinem heiligen Hause. Ich will in Frömmigkeit und Liebe wandeln, daß ich dadurch vielleicht eine Seele zur Tugend, zur Wahrheit und zum Glauben führen kann, daß sie geistig zu meinem Kinde werden möge. Ach Herr! Stärke mich in diesem Vorsatz und gib mir Kraft, ihn auszuführen, daß jene Worte, die du den Propheten verkündigen ließest, einst wie himmlischer Gesang vor meinen Ohren erschallen mögen:»So spricht der Herr zu den Unfruchtbaren, welche meine Sabbattage halten und wählen, was mir angenehm, und an meinem Bunde festhalten,—diesen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern Hand und Namen geben, was da besser ist, als Söhne und Töchter; einen ewigen Namen gebe ich ihm, der nicht ausgetilgt werden soll.«[65] Ja, o Gott, gib mir einen ewigen Namen im Buche des Lebens, und ich fühle mich getröstet.

Amen!


VI. In der Schwangerschaft.

Heiliger, allmächtiger Schöpfer, allbarmherziger Vater im Himmel! Ich danke dir für die beseligende Hoffnung, mit der du mich begnadigt hast. Wie glücklich hast du mich gemacht, indem du mir des Weibes höchste Freude verliehest, die Gewißheit, daß ich Mutter werden soll! Siehe, schon hast du mir des Weibes höchste und heiligste Pflicht auferlegt, mütterliche Fürsorge für den noch Ungeborenen zu hegen. O, was vermag ich ohne dich! Erhöre deshalb mein Gebet: Laß auch für mich das Wort gesprochen sein, welches du einst Israel verkünden ließest: »Gesegnet sei die Frucht deines Leibes!«[66] Hüte du meine Schritte, daß das Kind, welches ich unter meinem Herzen trage, jeder Gefahr entgehen möge; beschirme mich um des Kindes willen, daß nicht Schrecken noch Angst, nicht Furcht noch Aufregung mir nahe. Stärke mich darin, über mich selbst zu wachen, daß nicht der Mutter Unvorsichtigkeit, törichter Genuß oder sündiger Wandel schon dem Ungeborenen schaden möge. Ja, je mehr ich mir bewußt bin, daß selbst meine Gedanken und Gefühle auf den Sprößling hier unter meinem Herzen ihre Wirkung ausüben, um so mehr bitte ich dich, mir dazu helfen zu wollen, daß ich mich selbst beherrschen möge.—O Herr! Durch Frömmigkeit will ich diese Tage heiligen, bis ich sie überstanden habe, durch Gebet und fromme Werke will ich meine Seele erheben und reinigen, und treulich will ich deine Wege wandeln.—Schenke du mir nun einen ruhigen Sinn, unerschütterlich im Vertrauen auf deine unendliche Vatergüte, daß ich fröhlichen, getrosten Mutes und guter Hoffnung der Stunde der Entscheidung entgegen gehe, in dem zuversichtlichen Glauben, daß»den, der sich auf dich verläßt, deine Gnade umgeben soll.«[67]

Amen!


VII. Vor der Niederkunft.

Lieber Gott, du Gott der Gnade! Siehe, die Zeit nähert sich, daß ich gebären soll, und ich weiß, daß du in deiner Weisheit meinem Geschlecht bestimmt hast, daß wir in Schmerzen gebären sollen; o, willig unterwerfe ich mich deinem Vaterwillen; doch bitte ich: Vergilt' mir nicht nach meinen Sünden, sondern laß dein Erbarmen über mich wachen; stärke mich, daß ich in Kraft gebären möge, sei mir nahe mit deiner Hilfe, daß mein Herz bald froh werde, wenn ich den Neugeborenen gesund und frisch erblicke. Laß mich deine freundliche Stimme hören, die mir zuruft: »fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; bebe nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir und stütze dich mit meiner Rechten, ich selbst erlöse dich!«[68] Ja, Ewiger, du bist meine Stütze, meine feste Burg, meine Zuflucht in der Not, zu dir will ich mit Andacht aufschauen, daß du mir Kraft gebest, die Schmerzen der Geburt zu ertragen, du, meine ganze Hoffnung.

Amen!


VIII. Nach der Niederkunft.

Laß den schwachen Dank der Beglückten zu deinem Thron aufsteigen, du Beschützer meines Lebens, mein geliebter Vater im Himmel! daß du mich erhört und dein starker Arm mich unterstützt hat.»Von meinem ganzen Herzen will ich dir danken und alle deine Wunder verkünden, ja ich will froh sein und mich freuen in dir, und deinen Namen will ich lobsingen, dem Namen des Allerhöchsten.« Amen!


IX. Bei der Beschneidung.

Sieben Schöpfungstage sind nun glücklich über dem Leben meines neugeborenen Knaben verronnen, und heute am achten soll es nach deinem unverbrüchlichen Gesetz, o du Allheiliger,»der du deinen Bund und dein Erbarmen denen bewahrst, die dich lieben und deine Gebote halten«, vor dich gebracht werden und das Siegel der Gnade durch die Beschneidung erhalten; heute soll er in den ewigen Gnadenbund aufgenommen werden, den du mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hast, daß sie zum Segen werden sollen für alle Geschlechter der Erde und das himmlische Reich erwerben.—O, nimm dieses mein Kind gnädig an, daß es treu dem Bunde leben möge, laß den geringen und rasch verschwundenen Schmerz, den es erleiden soll, eine Erinnerung und ein Zeichen sein, daß das Hohe und Ewige nur durch Mühe und Schmerzen erreicht werden kann, daß der Mensch sich das Himmelreich nur erringen kann, indem er gegen die Lust des Fleisches streitet, und daß ein treuer Israelit bereit sein soll, mit Leben und Blut für seinen Glauben zu kämpfen, daß er deinen Namen heilige. Beschütze mein Kind von dieser Stunde an, daß es wohl gedeihen und kräftig wachsen möge, für das Zeitliche, wie für das Ewige gesegnet, dir zur Ehre und mir und meinem Gatten zur Freude.

Amen!


X. Eine Wöchnerin beim ersten Gang ins Gotteshaus.

»Gehet ein zu Gottes Tor mit Danksagungen und in seinen Vorhof mit Lobsingen! Dankt ihm und preiset seinen Namen!« So ermahnt mich eine heilige Stimme, und es ist ja nur durch deine väterliche Güte, o Gott, daß ich heute wieder deinem Hause nahen kann. Hast du selbst ja geboten, daß jede glückliche Wöchnerin, nachdem sie ihre Gesundheit wiedergewonnen hat, deinem Altar mit Dank und Sühnopfer,[69] mit Gebet und frommen Gelübden sich nahen soll. Und wie sehr muß ich dir nicht danken, nicht nur für deine Gabe, für das Kind, das du mir geschenkt hast, sondern auch für deine Hilfe und deinen Beistand, für die Kraft, die du mir verliehen hast, alle Schmerzen zu ertragen, für deinen Schutz in der Stunde der Gefahr und für meine Genesung, daß ich wieder vor dein Angesicht treten kann und mit meinem Gatten dir meinen Dank zu bringen im Stande bin. O, womit habe ich doch so viel Gnade verdient! ach, hab' ich mich denn nicht oft und schwer gegen dich versündigt, bin ich nicht manches Mal verzagt und schwach in meinem Vertrauen auf dich gewesen; wie oft versäumte ich nicht meine Pflicht, die du mir auferlegt hast? O Herr, vergib mir und halte mich auch fernerhin in deiner väterlichen Gnade. Laß mich mein Kind deinem Schutze anbefehlen (bei einem Mädchen füge man hier hinzu: und wie es heute vor dir in deinem Hause genannt wird, so zeichne du es in das Buch des Lebens ein, daß seines Namens Unvergänglichkeit zu wahrem Schmuck und wahrer Ehre ihm gereiche); wache du über das Neugeborene, stärke du mich, an ihm die Mutterpflicht vollkommen zu erfüllen. Ja, mit mütterlicher Sorge will ich mein Kind pflegen und ihm meine ganze Obhut widmen, und gerne selbst Entbehrung auf mich nehmen zu seinem Wohlergehen. Segne, o Herr, auch das Streben meines Gatten, den Lebensunterhalt uns zu erwerben, und sobald die Schwingen des Geistes sich bei dem Säugling zu entfalten beginnen, so soll es unsere größte Sorge sein, ihn zum Guten zu lenken und ihn mit Abscheu gegen alles zu erfüllen, was böse ist, daß es bei Zeiten deinen Namen kennen lerne und in Gottesfurcht und Tugend aufwachse. Ewiger, dir will ich angehören; o, laß deinen Segen von deinem Hause zu meinem Herd mir folgen, und laß meinen häuslichen Kreis früh und spät von herzlichem Dank widerhallen für all das Glück, welches du mir zuerteilt hast.

Amen!


XI. Beim ersten Gang ins Gotteshaus nach der Geburt eines totgeborenen
Kindes.

Blicke gnädig herab, o, du allweiser und gerechter Schöpfer, auf deine Dienerin, die sich dir in Demut und Anbetung naht, um dir zu danken, weil du ihr das Leben erhalten, und ihr Stärke verliehen hast, daß sie wieder in die Versammlung der Gläubigen hat kommen können, um deinen Namen zu preisen. Ist mein Herz auch noch betrübt darüber, daß das Kind, welches ich zur Welt brachte, nicht des Lebens Tag gesehen hat, und meine so lange gehegte Hoffnung sich nicht erfüllte, so weiß ich doch, daß eine Israelitin deinen Namen lobt, magst du nur geben oder nehmen.[70] O, höre mich, Allerbarmer! Wenn ich durch eigene Unvorsichtigkeit es bewirkt habe, daß mein Kind hienieden nicht das Licht der Welt sehen sollte, o, so bedenke meine Schwäche und vergib mir; rechne mir es nicht als Sünde an, sondern schone meiner um deiner großen Barmherzigkeit willen. Aber war es in deiner unwandelbaren Weisheit so beschlossen, daß ich die Mutterfreuden ahnen, aber nicht genießen sollte, o, so lehre mich, mein Los in Geduld tragen, und flöße mir den Trost ein, daß dieses Kind in der Stunde, wo es zur Welt kommen sollte, bereits bestimmt war zu einem seligeren Zustand einzugehen, ohne den Kampf der Welt bestehen zu müssen, ohne ihre Sorge und Qual kennen zu lernen, und daß es dereinst in der Ewigkeit mir die Schmerzen erstatten soll, mit denen ich es getragen und geboren habe, ohne durch sein Leben beglückt zu werden. O Allgütiger, laß mit meines Herzens Dank meine Bitte um reichen Segen vereinen, laß die Freude wieder in meiner Seele erwachen, und laß mich Freude und Glück über meinen teuren Gatten ausbreiten.

Amen!


XII. Eine Ehegattin.

Allgütiger! du, dessen Antlitz in Gnade über alle leuchtet, die dich fürchten, o, blicke in Gnaden herab auf mich, daß ich in dem Lichte deines Angesichtes wandeln und von dir beschirmt werden möge.

O! breite die Schwingen deiner Barmherzigkeit über meinen Gatten und meine Kinder aus. Sei mit ihm, den mein Herz liebt auf allen seinen Wegen, behüte ihn vor Krankheit, Schmerz und Kummer, erhalte ihm die Lust und Liebe zu seinem Geschäfte, und laß keine Sorgen ihm sein Leben verbittern. Lehre mich, ständig an dem Vorsatz festzuhalten, ihm ein freundliches Heim zu bereiten, so daß er am liebsten bei mir an unserm gemeinschaftlichen Herd verweile, und häuslicher Friede und Freude ihm von demselben entgegenstrahlen möge, und daß unser schönster Genuß der sei, mit unsern Kindern in freundlicher und milder Vertraulichkeit bei einander zu sitzen.

Laß uns niemals die hohen und heiligen Pflichten vergessen, welche wir gegen die Kinder zu erfüllen haben, mit denen du uns gesegnet hast. O, laß uns nicht nur für ihre leibliche Wohlfahrt Sorge tragen, sondern in und durch unsere Gebete ihren Seelenfrieden deiner Obhut anbefehlen. Ach, lieber Vater im Himmel! das ist doch der Eltern heiligstes, aber auch zugleich schwerstes Wirken in der Brust ihrer Kinder die Gottesfurcht zu wecken und des Glaubens reine Flamme anzufachen, zu hüten und zu nähren. So hilf uns denn, daß wir uns fern von törichter Weichlichkeit halten, und daß wir mit Freundlichkeit und liebevollem Ernst ihnen die nötigen Ermahnungen und Erinnerungen geben, daß wir einträchtig einander bei dieser Arbeit in deinem Dienste uns zur Seite stehen mögen! Mit Tränen befehle ich dir meine Kinder, daß keines von ihnen mißraten möge, und mein Herz durch Sünde wider dich verwunde! Bewahre sie vor schlechten Freunden, und laß Vater und Mutter ihnen eine Leuchte sein, die ihnen auf ihren Wegen leuchte, daß sie nicht fallen; aber wenn sie im Gewirr des Lebens verführt werden, ach, so laß du die Erinnerung an uns sie wieder zurück auf deinen Weg führen! Herr, setze du eine Schutzwehr um unser Haus, daß es von keiner Schlechtigkeit befleckt werde. Laß deinen Namen über unsere Wohnung genannt sein zum Leben und zur Seligkeit.

Amen!


XIII. Eine Tochter für die Eltern.

Unsichtbarer, alliebender Gott! Wie soll ich dir danken für die unendliche Liebe, die du mir bewiesen hast und mir noch jeden Augenblick erweist, und deren Strahlen sich in der Freundlichkeit und Liebe abspiegeln, womit mich die umfangen, welche mir das Leben gegeben haben. Ach ja, mein geliebter Vater, meine teure Mutter sind mir wie zwei Engel, denen du befohlen hast, daß sie mich hüten sollen auf dem Wege, daß sie mich auf ihren Armen tragen und alle meine Schritte bewahren sollen, die sowohl für mein zeitliches, wie für mein geistiges Wohl Sorge tragen. Welche Segnung hast du nicht durch sie über mich ausgebreitet, wo gibt es wohl Eltern, die mit größerer Obhut für ihre Kinder sorgen könnten? Versagen sie sich nicht alles, um mir nur Freude und Glück zu bereiten? O mein Gott! indem ich dafür meines Herzens wärmsten Dank emporsende, bitte ich dich zugleich: Belohne du sie für alles mit deinem reichsten Segen. Verleihe ihnen viele und lange Lebenstage, daß sie noch lange meines Lebens Schmuck und Ehre seien; bewahre ihnen die Gesundheit und bereite ihnen eine Fülle der Freude. Laß sie in der Liebe und in der Hingebung ihrer Söhne und Töchter Ersatz für alle Bekümmernisse eines Vaters und einer Mutter finden, Ersatz für jeden mühevollen Tag und jede schlaflose Nacht, die wir ihnen bereitet haben. O, möchte es auch in mein Los fallen, ihnen Freude zu bereiten! Stärke mich, auf einen jeden Wink ihrer Hand acht zu geben, in Liebe und Gehorsam auf ihre Warnungen und Ermahnungen zu hören, und nach meinem ganzen Vermögen ihnen Freude zu bereiten. Erleichtere ihnen jede Bürde, und gib, daß sie selbst in ihrem hohen Alter, glücklich im Schutz der Liebe ihrer Kinder und Kindeskinder lebend, dir für deine gnadenreiche Führung bei vollen Geisteskräften danken mögen.

Amen!


XIV. Im Witwenstande.

Allerbarmer, du,»der du gerecht bist in allen deinen Wegen und barmherzig in allen deinen Handlungen,« blicke in Gnaden auf eine tief betrübte Seele herab, die ihre Zuflucht zu dir nimmt. Jetzt stehe ich, verlassen von dem, der meine Stütze, mein Trost und mein Ratgeber war; jetzt muß ich alle Bürden des Lebens allein tragen und den vermissen, der mich durch sein ermunterndes Wort stärken konnte, mich in der Hitze des Tages erquickte und, wenn das Dunkel der Nacht meinen Geist erschreckte, mir Licht verbreitete;—ach, meines Herzens Angst ist groß, und es wird mir schwer, kindliche Ergebung in deinen Willen zu zeigen. O, so errette du mich selbst aus meiner Not, lege den beseligenden Trost deines Wortes in meine Seele und zeige dich mir als den rechten Helfer. Sieh, hier bin ich mit den Kindern, die du mir gegeben hast, o, laß mich in Gnaden erfahren, daß du in Wahrheit »der Witwen Verteidiger und Beschützer und der Verwaisten Vater« bist! Stärke mich, daß ich unter den doppelten Verpflichtungen nicht erliege, die auf mir ruhen, sondern daß ich vielmehr mit Geduld »in fester Hoffnung und lebendigem Glauben für dein Haus sorge«, im Vertrauen darauf, daß die,»so mit Tränen säen, dereinst mit Freuden ernten« sollen. Erbarme dich meiner Kinder; hilf und rette, beschütze und segne uns. Ja, o Ewiger,»sei du meine Stärke, meine Burg und mein Fels, auf dich hoffe ich und mir ist geholfen.« Amen!


XV. Eine Waise.

Ewiger, gerechter Gott! hart ist die Prüfung, die du mir auferlegt hast, ich bin elend und verlassen; denn meinen Vater, den du mir zum treuen Führer und Versorger gabst und meine Mutter, deren Obhut und Liebe mich zu dir leiten sollte, ich sehe sie nicht mehr!—Ach, wo soll ich denn jetzt hingehen, wo Trost und Rat suchen? O, wie sehr habe ich mich nicht versündigt, daß ich das Glück, einen lieben Vater, eine liebe Mutter zu besitzen, nicht hinreichend zu würdigen wußte, und daß ich nicht dankbar genug war für alles, was du mir in ihnen gegeben hast. Ach, wie einsam und niedergeschlagen fühle ich mich jetzt! O, du selbst, Allgütiger! öffne du mir den Schatz deines Trostes! Noch hast du ja niemals eine Seele verlassen, welche dich nicht verließ, sondern du halfst dem Elenden, der dich um deinen Beistand bat, und auch mir wirst du helfen. Du verkündigst mir in deinem Worte, daß,»wenn auch Vater und Mutter mich verlassen haben, so willst du dich, mein ewiger Gott und Vater, doch meiner annehmen.« Leite mich denn und führe mich; laß im Geiste mich stets umschwebt fühlen von jenen geliebten und verklärten Seelen, und laß mich durch einen gottesfürchtigen Wandel ihr Andenken ehren und ihnen so den schuldigen Dank darbringen. Sei du nun selbst mein Vater, der mich auf den Armen seiner Liebe trägt und mir den Bedarf des Lebens spendet. O gib, daß die Menschen, die sich freundlich an Stelle meiner Eltern meiner annehmen, auch Sorge tragen für das Wohl meiner Seele, und vergilt du ihnen all das Gute, welches sie in deinem Namen mir erweisen. Wohne du in meinem Herzen, und lenke meinen Weg so, daß ich mit Recht mich dein Kind nennen kann, mein himmlischer Vater, das Wohlgefallen vor dir und in den Augen der Menschen findet. Erhöre mein und aller Waisen Gebet; o gnadenreicher Gott, du ewiger Helfer.

Amen!


XVI. Im Alter.

Treuer, ewig lebendiger Gott,»der den Müden Kraft verleiht und dem Ohnmächtigen große Stärke,« du, der versprochen hat, bis zum Alter mit uns zu sein, o, du hast gnädig diese Zusage für mich gehalten, und ich bringe dir meinen Dank,»daß du mich von meiner Jugend an geleitet und mich mit Barmherzigkeit und Gnade umgeben hast, bis ich alt geworden bin.—O, verlaß mich denn nun auch jetzt nicht, da ich fühle, daß meine Kräfte schwinden und meine Sinne stumpf werden.»Erinnere dich der Sünden und Übertretungen meiner Jugend nicht, aber gedenke meiner nach deinem Erbarmen um deiner Liebe willen.«[71] Verleihe mir Kraft, die Bürden des Alters mit Geduld zu tragen, und laß mich durch fromme Ergebung für alle, die um mich her wohnen, eine lebendige Ermahnung sein. Und je schwächer meines Leibes Augen werden, um so mehr laß mich den Blick nach Innen wenden, daß ich mein Inneres läutere und in den Gedanken an dich Ruhe gewinne. Ja, laß es mir in den paar Tagen, die mir noch zugemessen sind, glücken, dem jüngeren Geschlecht ein gutes Beispiel zu geben, daß die Worte, welche ich rede, zur Verherrlichung deines Namens dienen mögen, und die Handlungen, welche ich vollbringe, ein Zeugnis seien der Reinheit und Treue meines Glaubens und der Liebe in meinem Herzen. Und stärke so mich in des Lebens letztem Streit, daß ich dann deutlich den Ruf deiner Liebe vernehme:»Fürchte nichts, denn ich erlöse dich; ich rufe dich bei deinem Namen, denn du bist mein,« und daß ich noch mit meinem letzten Atemzug deinen Namen bekennen und preisen möge.

Amen!


XVII. Bei der Fortreise von der Heimat.

Allgütiger Gott, der du unsere Schritte lenkst und einem jeden Menschen seinen Weg bahnst, laß mich in deinem Namen diese Reise antreten und beendigen. Sei du in deiner Gnade mein Begleiter, daß ich sicher wandern und Ziel und Zweck erreichen möge. Beschütze mich auf meinem Wege, daß mich kein Unheil treffe, entferne jede Gefahr von mir, jedes Hindernis, daß ich meine Reise gesund und rasch zurücklege, daß ich ungestört ausziehen und in Frieden wieder heimkehren könne. Aber während ich in der Ferne bin, nimm du meine Lieben (meinen Vater, Mutter, meinen Mann, meine Kinder usw.) in deinen Schutz, daß ich sie in Freuden wieder umarmen kann, wenn ich zurückgekehrt bin. Deine Rechte leite mich, wo ich auch gehe, und dein Gotteswort sei mir ein leuchtender Stern auf meinem Pfade. Es preise dich mein Mund und stimme froh an als Wanderlied:»Gottes Name ist eine feste Burg, in ihm pilgert der Fromme und ist geschützt.«[72]

Amen!


XVIII. Für einen Abwesenden, der auf der Reise ist.

Lieber Gott! Mit Vertrauen wende ich mich an dich, um dich um deinen Schutz für den zu bitten, mit dem meine Seele so fest verbunden ist, für meinen teuren Gatten (meinen Vater usw.), der so fern von seiner Heimat ist. Wie meine Gedanken bei ihm verweilen, so wache du über ihn auf allen seinen Wegen; wenn er reist und wenn er sich ausruht, so sei du sein Beschützer und sein Schirmer, schütze ihn vor des Tages Hitze und den Gefahren der Nacht, halte jedes Übel fern von ihm und laß all sein Vorhaben gelingen. Führe du, von dem allein alle Hilfe und aller Segen kommt, ihn glücklich zurück, und wir wollen dich einmütig preisen und dir danken, du Gott der Barmherzigkeit, mein Schild, auf den ich mich verlasse.

Amen!


XIX. Wenn ein Kind auf Reisen ist, füge man hinzu:

Ewiger, du, vor dessen Angesicht meine Väter gewandelt sind, du, der du bis auf diesen Tag mein Hüter gewesen bist, segne du mein Kind auf seinem Wege und laß deinen Engel ihn (sie) leiten, daß er (sie) Wohlgefallen vor deinen und der Menschen Augen finden möge. Führe ihn (sie) sicher und ruhig, wo er (sie) vielleicht einen gefährlichen Weg wandelt, laß ihn (sie) an Kenntnis, Einsicht und nützlicher Erfahrung wachsen, daß sein (ihr) Werk gesegnet werde. Lenke seinen (ihren) Fuß auf den Pfad der Frommen, wo Leben und Wahrheit ist, daß er (sie) nicht auf den Weg des Unrechts gerate, und daß er (sie) den Versuchungen und Verführungen entgehe, die seine (ihre) Tugend und seinen (ihren) Glauben bedrohen. Laß seinen (ihren) Gedanken oft die Erinnerungen und Ermahnungen vorschweben, die ich ihm (ihr) gegeben habe, lenke oft seine (ihre) Schritte in dein Haus, daß er (sie) in der Versammlung der Gemeinde dich anbete und das Bekenntnis seines (ihres) Glaubens erneuere, daß meine Seele dereinst, sei es hier auf Erden oder dort in der Ewigkeit, Freude an ihm (ihr) habe.»Auf dich, o Gott, setze ich alle meine Hoffnung, du wirst mich erhören.« Amen!


XX. Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst.