14. Sciurus leucomus Müll. Schl.

[Tafel X] Figur 2 (unter ⅓ n. Gr.)

Diese Art hat bekanntlich einen grossen weisslichen Fleck jederseits am Hinterhals und auch Schwarz an den Ohren. Von dem Weiss am Halse sagt Anderson (Anat. Zool. Res. I, 252 1878): „The series in the Leyden and Paris Museums from the Celebes prove that the white on the side of the neck is not always present, for one specimen shows it disappearing and in another there is no trace of it, and others lead from the one to the other extreme, but when this neck spot is fully developed it forms a great violet-white lappet.“ Mir liegen 16 Exemplare von Main (10), Manado (1), Lotta (3) und Amurang (2) in der Minahassa, 2 von Gorontalo und 2 von der Insel Lembeh bei Kema vor. Bei manchen Weibchen ist der helle Fleck fast mehr ausgeprägt als bei den Männchen, allein dieser Character hat, wie die Exemplare ergeben, Nichts mit dem Geschlechte zu thun, auch Nichts mit der Jahreszeit oder der [[26]]Localität, denn Individuen z. B. vom Februar und von demselben Orte (Main) zeigen weniger gut und sehr gut ausgeprägte Flecke. Anderson constatirte nur die Thatsache des in verschiedenem Grad ausgeprägten Halsschmuckes bei verschiedenen Exemplaren, wenn in seinen Worten auch vielleicht liegt, dass er meint, der weisse Fleck variire in seiner Ausbildung individuell, und es habe der Grad der Ausbildung keinen Bezug auf einen andern Factor. Ich halte jedoch dafür, dass es ein Alterscharakter ist, wenigstens hat ein kleines und, wie auch der Schädel beweist, jugendliches Exemplar von Amurang (B 622) keine Andeutung des Weiss, dagegen ein grosses und, wie der Schädel beweist, adultes von ebendaher (B 621) einen gut ausgeprägten weissen Fleck. Ebenso ist ein Exemplar von Main (B 2745) mit wenig ausgebildetem Flecke noch jünger, wie die Zahnbeschaffenheit, die geringe Schädelgrösse und der Zustand der Schädelnähte beweisen. Ich glaube daher, dass diese Exemplare meine Auffassung begründen können. Auf der anderen Seite zeigt von den 2 Exemplaren von Gorontalo das eine (B 168) keine Spur von Weiss, und es ist nach dem Schädel ein ganz altes Individuum, und das andere (B 857), ebenfalls adult, hat den Fleck nur sehr schwach entwickelt. Dass die oben namhaft gemachten 2 jungen Exemplare von Amurang und Main innerhalb einer Serie von 18 (wenn wir die 2 von Gorontalo ausser Betracht lassen) nur „zufällig“ kein oder wenig Weiss haben sollten, scheint mir ausgeschlossen zu sein, und es muss daher für die Gorontaloschen nach einer anderen Erklärung gesucht werden. Es ist nun auffallend, dass die adulten Exemplare des Leidener Museums (Jentink: Notes Leyden Mus. 1883 V, 130) von Panibi, Modelido und Limbotto bei Gorontalo (Nr. 12, 13 und 16) auch wenig oder gar kein Weiss haben, während die adulten Exemplare aus der Minahassa (Nr. 1–5) es gut entwickelt zeigen. Allerdings haben die von Tulabello und Paguat im Gorontaloschen (Nr. 9–11) das Weiss sehr gut entwickelt[1] und dieses widerspricht dem, dass der weisse Fleck im Gorontaloschen fehle. Sollte hier vielleicht eine Übergangsform von der typischen weissfleckigen der Minahassa zu einer noch unbekannten ungefleckten südlicheren Form vorliegen, wie Sc. tonkeanus vom Nordosten, aber mit Schwarz an den Ohren? In der Berührungzone zweier solcher Subspecies dürfte der betreffende Charakter mehr oder weniger ausgeprägt sein. Immerhin wird man annehmen können, dass die weissfleckige Form sich aus der ungefleckten differenzirt habe, da Junge der gefleckten noch heute ungefleckt sind, wenn auch Sicherheit über diese Frage erst durch ein grösseres Material gewonnen werden kann. Träfe meine Vermuthung nicht zu, so läge in Sc. leucomus eine in Bezug auf die Halsflecke noch nicht stabil gewordene, oder eine in der Abänderung begriffene Art vor.

Die zwei Exemplare von leucomus von der Insel Lembeh, die leicht aus den mir vorliegenden vielen Festlandexemplaren von typischen leucomus herauszukennen sind, zeigen eine mehr ins Braune spielende Färbung. Es scheint dieser Unterschied jedoch zu geringfügig und durch zu wenig Exemplare als constant belegt, um eine Abtrennung zu rechtfertigen.


[1] In der citirten Stelle sagt Jentink von Nr. 1–12, dass der Nackenfleck sehr gut entwickelt, von Nr. 12–15, dass er fast und von Nr. 15 und 16, dass er ganz unsichtbar sei; es ist, wie Dr. Jentink die Güte hatte mir mitzutheilen, damit Nr. 1–11, Nr. 12–14, Nr. 15 und 16 gemeint. Nr. 1–5 sind zweifellos aus der Minahassa, für Nr. 6 und 7 lässt sich keine Vermuthung aufstellen; Nr. 8 ist zweifelhaft, da v. Rosenberg 1863–1864 im Gorontaloschen sammelte, aber 1864 auch in der Minahassa war, das Stück traf vielleicht erst 1865 ohne genauen Fundort in Leiden ein; Nr. 9–13 sind aus dem Gorontaloschen; für Nr. 14 und 15 gilt dasselbe wie für Nr. 8; Nr. 16 ist aus dem Gorontaloschen. Nr. 8–15 sind von Rosenberg gesammelt, dessen Angaben jedoch nicht kritiklos angenommen werden können, wie schon anderweit nachgewiesen worden ist (s. Bernstein Nederland. Tijdschr. Dierk. II, 325 1865, Finsch Papageien I, 111 1867, II, 337 1868 und von mir Mt. Zool. Mus. Dresden I, 13 1875). Übrigens will ich nicht unerwähnt lassen, dass die weissen Haare beim Ausstopfen manchmal ausfallen, wie ich kürzlich erfuhr, als ich ein schönes Exemplar von leucomus mit gut ausgeprägten Halsflecken ausstopfen liess, und nachher nur Andeutungen dieser vorfand; es fielen beim Einweichen die Haare hier einzeln aus, da die betreffenden Hautstellen verfault gewesen waren. Wird der Schaden dann vom Präparator ausgebessert, so bemerkt man keinen Defect, der aber in der That vorhanden ist. Man muss daher besonders bei ausgestopften Exemplaren von leucomus in der Beurtheilung des Fehlens des weissen Fleckes vorsichtig sein. [↑]

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