3. Auftritt.

[Man hört lautes Hundegebell und Stimmengewirr. Von rechts kommen eine Anzahl Rodel von Hunden gezogen und dicht bepackt auf die Szene. Mehrere Männer, die ganz vermummt sind, kommen auf Ski mit langen Stöcken und ganz vereisten Gewändern. Zwei Männer führen einen Kranken, der sich sichtlich kaum mehr auf den Beinen halten kann und den Hasselstein sofort auf einen Schlafsack niederlegen hilft, während Scharfen einen Medizinkasten bringt und etwas in einem Glase zusammenmischt. Norry und Roden zuerst, später Hasselstein, helfen die Hunde abkoppeln und abführen, nehmen die Schlittenverpackung herab und Norry füllt gleich viele Schüsseln mit dampfender Suppe.]

Hasselstein [indem er eifrig mithilft]. Dem Himmel sei Dank, daß Ihr endlich zurückgekehrt! Wir gaben uns schon den allerernstesten Befürchtungen hin, denn die lange Polarnacht mit ihren Schrecken steht dicht vor der Türe.

Kapper [ernst, indem er die Ski abschnallt]. Ihre Befürchtungen, Hasselstein, hätten sich bei einem Haar bewahrheitet. Die meisten von uns sind mehr oder weniger schneeblind geworden, und trotz der Mitternachtssonne und des steigenden Thermometers hat Meroff die Zehen beider Füße eingebüßt, denn das lange Marschieren im auftauenden Schnee, verbunden mit dem plötzlichen Fallen der Temperatur so oft ein Schneesturm im Anzug war – alles dies hat die Mühsal unserer Entdeckungsreise sehr erhöht. Ich fürchte, Meroff wird beide Füße verlieren.

Johansson [ernst]. Der Arme wird seine Heimat nicht wiedersehen – es geht schnell abwärts mit ihm.

Hasselstein [die anderen unterstützend]. Erreichten Sie den Beardmore Gletscher?

Granelli [lebhaft]. Und ob! Wir machten auch viele wertvolle Aufzeichnungen und hatten großen Vorteil von diesem Ausflug vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, wenn nur beim Rückmarsch die Schwierigkeiten nicht geradezu unübersteiglich geworden wären, erst da – [er schweigt].

Johansson [eifrig]. Die letzten vierzehn Tage waren die allerschlimmsten. Die Lebensmittel gingen zu Ende, mit dem Thranvorrat war es Schluß und was es heißen will mit nassen Füßen ohne etwas wärmendes in den Leib zu bekommen in den Schlafsack zu kriechen, das kennen Sie Hasselstein! Ein Wal war nicht zu erjagen, Meroffs Füße wurden täglich schlimmer, Skorbut war schon im Anzug, die Polarnacht näherte sich mit Riesenschritten. – Ich glaubte wahrlich nicht Euch alle wiederzusehen, Kameraden.

[Alle schütteln einander warm die Hände und rufen durcheinander.]

Willkommen bei uns! Willkommen Freunde, in unserer Mitte!

Hasselstein [nach einer Pause]. Wie war der Weg im allgemeinen?

Kapper [kopfschüttelnd]. Die ersten Tagreisen waren so leidlich aber dann – schauerlich! Wir sanken in der Regel bis zu den Knien in den weichen auftauenden Schnee, konnten uns überhaupt nur Dank der Ski auf der Oberfläche erhalten und bald mußte der eine, bald der andere von uns zurückeilen um den Hunden mit den Rodeln über eine schwere Stelle zu helfen. Drei Tiere sind uns schon eingegangen, zwei weitere mußten wir als Nahrung für die übrigen opfern und an ihrer Stelle selbst den Rodel ziehen.

Johansson [den letzten Schlitten mit Hilfe der anderen abpackend und die Sachen in die Schneehütte tragend, während die anderen Fremden schon im Zelte auf den Schlafsäcken sitzen und sich die Suppen schmecken lassen, die Norry eifrig ausschenkt]. Oft brauchte es eine halbe Stunde, oft länger, bevor wir des Morgens unser Schuhzeug wieder auf die gefrorenen, hochgeschwollenen Füße zwingen konnten.

Hasselstein [mitleidig]. Welch Leiden liegen hinter Euch!

Johansson [abwehrend]. Bah! Wir haben alle unsere Leiden mitzumachen – wir dort – Ihr hier. Da ist die versprochene Beute! [Er reicht Hasselstein einige Vögel.] Zwei Königspinguine, drei Sturmvögel und einen weißen und einen schwarzen Albatroß. Was sagen Sie dazu?

Hasselstein [ihm warm die Hand schüttelnd]. Großartig! Tausend Dank! Sie sollen einst das Museum Kringhausens zieren. Ich habe auch hier das Leben und Treiben der Pinguine studiert und muß sagen, daß die Damen von Kringhausen selbst nicht neugieriger sind als diese befiederten Bewohner der Antarktis und was das heißt –

Johansson [lachend; indem er alle Rodel mit Hilfe Hasselsteins aufeinandertürmt]. Bewahre! Weiß ich's etwa nicht? Ich habe zu meiner Zeit auch einige Erfahrungen mit bezug auf das zarte Geschlecht gesammelt – was zum Beispiel meine Alte – Gott hab' sie selig! – nicht herausgefunden hat – Nu, lassen wir's gut sein. Man sagt zwar, Wiedersehen macht Freude, aber was mich betrifft, so bitte ich, daß mir diese Freude noch recht lange erspart bleibt.

Vickers [kommt aus dem Zelt]. Meroff ist in unruhigen Schlummer verfallen – seine Beine sind bis hinauf geschwollen – der erste, der uns verläßt.

Hasselstein [nach kurzer Pause]. Und Sie, alter Freund, können die Augen kaum offen halten.

Vickers [abweisend]. Oh ich? Ich bin nur schneeblind – das wird sich bald geben. [Er geht in das Zelt zurück.]

[In diesem Augenblick kommt ein entsetzlicher Windstoß dahergefahren. Das Brausen des Meeres ist unheimlich gewachsen, das Eis knarrt, der Sturm heult, so daß man keinen anderen Laut hören kann, kleinere Eisstücke rollen über die Szene, der Schnee wird aufgewirbelt.]

Hasselstein [zieht so schnell er nur kann eine zweite Hülle über das Zelt, Norry hilft ihm]. Schnell, schnell! Der Schneesturm naht. [Er bindet die Hülle fest.]

Norry [lebhaft]. Ins Zelt, ins Zelt!

[Während Hasselstein die letzte Hand an das Zelt legt, hat Norry die Tür des Zeltes zugezogen. Die ganze Szene ist dunkel, der Sturm heult graueneinflößend und während der Vorhang langsam sinkt, braust eine ungeheure Schneewolke über die Bühne hin, so daß alles im Nu weiß erscheint.]

Ende des ersten Aktes.

2. Akt.

[Ein elegant ausgestattetes Zimmer. In der Mitte der Szene ein Spieltisch, an dem vier ältere Damen sitzen. Zwischen zwei und zwei Spielern steht ein stummer Diener mit Liqueurgläsern und Backwerk. Links und rechts eine Tür. An der Wand im Hintergrund eine Kredenz mit Obst und anderen Dingen. In den Ecken hübsche Figuren aus Gyps, an der Wand hängt ein Vogelhaus und kleine Tischchen mit Stühlen stehen da und dort. Bilder und Spiegel an den Wänden. Alles spricht von Wohlstand, aber alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.]